Weiden in der Oberpfalz
07.02.2024 - 17:48 Uhr
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Ein Tag als Bundestagsabgeordneter: Das würden Weidener Schüler in der Politik angehen

In einem politischen Planspiel schlüpfen Schüler des Weidener Augustinus-Gymnasiums in die Rolle von Bundestagsabgeordneten und verabschieden verschiedene Gesetzesentwürfe im neuen Rathaus. Doch was würden die Schüler in der Politik ändern?

Soll Alkoholkonsum strenger reguliert werden? Oder sollte Alkohol in Deutschland grundsätzlich verboten werden? Ein Parlament aus Schülern diskutiert hitzig über diese Fragen. Eine kurze Besprechungspause, bevor es zur Abstimmung kommt. Ein Abgeordneter blickt zweifelnd in Richtung seiner Fraktion: "Wollen wir wirklich dafür abstimmen?" Eine andere Abgeordnete flüsterte ihm zu: "Wir stimmen hier nicht mit unserer persönlichen Meinung ab, sondern als Parteimitglied." Und so stimmten die Abgeordneten von sechs Parteien im großen Sitzungssaal dafür, dass das Mindestalter für Alkoholkonsum auf 21 Jahre angehoben werden soll.

Im Rahmen eines politischen Planspiels verwandelte sich der große Sitzungssaal im neuen Rathaus am Dienstag in den deutschen Bundestag. Drei 11. Klassen des Weidener Augustinus-Gymnasiums schlüpften an diesem Tag in die Rollen von Bundestagsabgeordneten. Zugeordnet in verschiedene Parteien stimmten die Schüler über insgesamt vier Gesetzesentwürfe ab. Die Parteien trugen fiktive Namen, wie beispielsweise Deutsche Christliche Partei (DCP), Union Deutscher Sozialisten (UDS) oder Deutsche Führungs-Initiative (DFI). Programmatisch orientierten sie sich an den Parteien, die auch im Bundestag vertreten sind.

Während des politischen Planspiels mussten die Schüler aus Sicht von Abgeordneten verschiedener Parteien über Gesetzesentwürfe abstimmen. Welche Gesetze würden die Weidener Gymnasiasten ändern, wenn sie könnten? "Ich würde die Strafe bei Vergewaltigungen verschärfen. Da finde ich das Strafmaß noch viel zu gering", sagt Justus Weber. Andere Schüler nicken zustimmend. "Die Legalisierung von Cannabis würde ich nochmal überdenken, da gibt es meiner Meinung nach viele gesundheitliche Risiken", sagt ein anderer Schüler.

Klimakrise und Krieg in der Ukraine

Mit der Veranstaltung möchte der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) in Weiden das Interesse von Jugendlichen an Politik wecken. Doch welche politischen Themen beschäftigen die Schüler des Augustinus-Gymnasiums am meisten? "Bei mir ist es die Klimapolitik. Ich finde es nicht gut, dass es keine Subventionen mehr für E-Autos gibt", sagt Max Waertel. Mit diesen Gedanken ist der 17-Jährige nicht alleine. Viele beschäftige vor allem die Klimakrise – aber auch internationale Konflikte. "Ich komme aus der Ukraine und bin noch nicht lange in Deutschland. Natürlich beschäftigt mich der Krieg in der Ukraine sehr", sagt Olena Butorovych. Aber auch Wirtschaftsthemen sind für manche Schüler von Interesse. "Ich sorge mich um die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands im internationalen Vergleich. Der Einfluss von China steigt immer weiter an, während bei uns das Bruttoinlandsprodukt schrumpft", schildert Matthias Ertl.

Mitglied in einer Partei sei keiner der gefragten Jugendlichen. Wie auch den Weidener Schülern geht es vielen Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Zu diesem Ergebnis kam das Liz-Mohn-Center (Bertelsmann-Stiftung) in einer Studie zu Einstellungen und Sorgen der jungen Generation Deutschlands im Jahr 2023. 67 Prozent aller Befragten messen laut Studienergebnis einem parteipolitischen Engagement nur eine geringe bis keine Bedeutung bei – nur 20 Prozent eine mäßige bis hohe Bedeutung.

Eine andere Studie der Bertelsmann-Stiftung kam zu dem Ergebnis, dass viele junge Menschen zwischen 18 und 30 die politischen Institutionen der Bundesrepublik kritisch betrachten. Mehr als jeder zweite Befragte (52 Prozent) äußert Misstrauen in die Regierung, 45 Prozent mangelt es an Vertrauen ins Parlament. Auch manche Schüler aus Weiden äußerten Misstrauen gegenüber der Regierung, einige bekundeten Verbesserungsbedarf. Andere wiederum fühlen sich nicht genug politisch repräsentiert. Ob ein herabgesetztes Wahlalter ab 16, wie bei der kommenden Europawahl im Juni, helfen würde? Das sehen die Schüler zwiegespalten. Einige wünschen sich mehr Mitspracherecht, gleichzeitig äußerten sie Verständnis für ein Wahlrecht ab 18 – da man sich im Alter zwischen 16 und 18 noch stark in der Persönlichkeit weiter entwickle.

Im vergangenen Jahr durften Oberpfälzer Schüler bereits symbolisch bei der U18-Landtagswahl ihre Stimme abgeben. Stärkste Partei in Weiden wurde bei ihnen die CSU mit 24 Prozent, gefolgt von der AfD mit 19,8 Prozent. Was sagen die Schüler des Augustinus-Gymnasiums zu diesem Ergebnis? Sie können sich vorstellen, dass das Wahlverhalten von Jugendlichen häufig stark durch das Elternhaus geprägt sei. "Das färbt denke ich auf die Kinder ab, wie daheim gesprochen wird", sagt Max Waertel. Der 17-Jährige könne sich außerdem vorstellen, dass manche Schüler die Jugendwahl nicht ernst nehmen, da es sich nur um eine symbolische Wahl ohne Konsequenzen handle.

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Oberpfalz02.10.2023
Hintergrund:

Planspiel Politik

  • Findet seit 2011 jährlich im neuen Rathaus in Weiden statt
  • Auf Initiative des BDJK Kreisverbands Weiden in Kooperation mit der Katholischen Jugendstelle Weiden
  • 2021/2022/2023: Pause aufgrund der Corona-Pandemie
  • 2024: 55 Schülerinnen und Schüler aus drei Klassen des Augustinus-Gymnasium Weiden
  • Ziel: Interesse der Jugendlichen an Politik wecken
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