31.01.2020 - 16:19 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

TB-Gelände Weiden: Sieger im Ideenwettbewerb steht fest

Wohnen auf dem ehemaligen Turnerbundgelände: Zehn Architekturbüros und Landschaftsplaner nehmen die Herausforderung an und reichen für den Ideenwettbewerb der Stadt ihre Entwürfe ein. Jetzt kürte das Preisgericht den Sieger.

Das Siegermodell im Ideenwettbewerb zur Wohnbauentwicklung auf dem ehemaligen Turnerbund-Gelände stammt von Zwingel und Dilg Architekten (München) in Zusammenarbeit mit den Lex Kerfers Landschaftsarchitekten (Bockhorn).
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Bis zum späten Abend tagten am Donnerstag die elf Mitglieder des Preisgerichts unter Vorsitz von Professorin Karin Schmid, Architektin und Stadtplanerin aus München. „Wir haben es uns nicht leicht gemacht, aber der Preisträger stand relativ schnell fest“, freut sich Baudezernent Oliver Seidel am Freitag auf Anfrage von Oberpfalz-Medien. "Ich denke, wir haben die beste Lösung gefunden." Das Projekt zur nachhaltigen Wohnraumversorgung (bis zu 350 Wohnungen, davon 100 Sozialwohnungen) für alle Bevölkerungsschichten sei schließlich für die Stadt ein „bedeutender Meilenstein der Stadtentwicklung“.

Zehn Arbeiten waren zum nichtoffenen Realisierungswettbewerb mit Ideenteil eingegangen. Wobei sich der Ideenteil auf das „Striegl“-Gelände bezieht und im Moment nicht relevant sei. Im Fokus stehen die rund 3,5 Hektar Fläche des TB-Areals samt Grünfläche des Hammerweg-Parks. Es gibt drei Preisträger und zwei Anerkennungen, die das Preisgericht aussprach.

Behutsamer Umgang mit dem Grün

Bei den Entwürfen war „das ganze Spektrum“ dabei, lobt Seidel den Ideenreichtum der Planer. Als preiswürdig habe sich schließlich ein Entwurf der Architekten Zwingel und Dilg, München, und Lex Kefers Landschaftsarchitekten, Bockhorn, erwiesen. Das Gemeinschaftsprojekt überzeugte das Preisgericht, dem neben mehreren Architekten (u.a. Emil Lehner aus Weiden), Stadträten (Karl-Heinz Schell, Karlheinz Beer, Veit Wagner, Stefan Rank) auch Oberbürgermeister Kurt Seggewiß angehörten. Seidel würdigt die behutsame und lockere Einbettung der Wohnbebauung in den vorhandenen grünen Raum. Die Bebauung lasse einen nachhaltigen und innovativen Beitrag zur Baukultur über die nördliche Oberpfalz hinaus erwarten.

So bestünden die Gebäude (mit Tiefgaragen) des Siegerentwurfs überwiegend aus zweigeschossigen Riegeln mit Einfamilienhäusern (105 Quadratmeter Wohnfläche), an deren Kopfenden jeweils bis zu achtgeschossige „Wohntürme“ (EG+7) mit Platz für 34 bis 85 Quadratmeter große Mietwohnungen sitzen. „Eine interessante Verknüpfung von verdichtetem Bauen“, wie der Baudezernent findet. Insgesamt gehe die Bebauung zur benachbarten B 22 auf Abstand.

Anders bei den Mitbewerbern, die zum Teil größere Gebäudekomplexe vorsehen und Häuserzeilen als „Riegel“ vor die Bundesstraße setzen. Zwei dieser Entwürfe waren der Jury ebenfalls Preise wert.

Lösungen für den Lärm

Der Wettbewerb hatte vor allem drei Schwerpunkte: die Stadtplanung, den Hochbau und die Freiraumplanung. Dies hätten alle Arbeiten gut gelöst, sagt Seidel. Für ihn besteht bei dem Gesamtprojekt vor allem die Herausforderung, die wertvolle Grünstruktur zu erhalten und die Lärmbelästigung durch die nahe B 22 zu berücksichtigen. Auch der motorisierte Verkehr soll weitgehend aus dem Quartier herausgehalten werden. Die Lösung der ersten Wahl seien in den Entwürfen Tiefgaragen.

Die weitere Vergabe des Bauprojekts will Seidel nun „mit Volldampf“ vorantreiben. Vorbehaltlich der Zustimmung des Stadtrats, sollen bis zum Jahreswechsel die Förderanträge gestellt werden. Parallel würden noch ein Bodengutachten erstellt und die Altlasten im Baugebiet konkretisiert. „Ende 2021 könnte Baubeginn sein“, ist Seidel zuversichtlich.

Der Baudezernent hofft auch auf Nachahmer im privaten Wohnungsbau, egal ob in Bestandsbauten oder in der Nachverdichtung von Wohngebieten. "Wohnraum ist knapp. Die Gründstückspreise und Mieten steigen - auch bei uns in der Oberpfalz", sagt Seidel. Für Mieter bis hin zur Mitte der Gesellschaft müssten attraktive und bezahlbare Angebote geschaffen werden.

Der Ideenwettbewerb wurde vom Freistaat Bayern mit 60 Prozent gefördert. Der gesamte Wettbewerb ist mit einem Preisgeld in Höhe von 98 000 Euro dotiert.

Der 2. Preis im Ideenwettbewerb geht an H2R Architekten und Stadtplaner gemeinsam mit Liebald+Aufermann Landschaftsarchitekten, beide aus München.
Info:

Die Preisträger

Die ersten drei Preisträger (alles Gemeinschaftsarbeiten) im Realisierungswettbewerb mit Ideenteil "Turnerbundgelände und angrenzende Flächen" sind:

1. Preis: Zwingel und Dilg Architekten, München, und Lex Kerfers Landschaftsarchitekten, Bockhorn bei München.

2. Preis: H2R Architekten und Stadtplaner, München, und Liebald+Aufermann Landschaftsarchitekten, München.

3. Preis: Bär, Stadelmann, Stöcker Architekten und Stadtplaner, Nürnberg, und Fischer Heumann Landschaftsarchitekten, München.

Jeweils eine Anerkennung erhalten:

Blauwerk Architekten, München, und Grabner Huber Lipp Landschaftsarchitekten, Freising.

"fischer_Z architekten", München, und Logo verde Ralph Kulak Landschaftsarchitekten, Landshut.

Den 3. Preis holen sich Bär, Stadelmann, Stöcker Architekten und Stadtplaner (Nürnberg) und Fischer Heumann Landschaftsarchitekten (München). Sie bleiben in der Gebäudehöhe dreigeschossig. Häuserzeilen bilden einen Riegel zur B 22 hin (Lärmschutz).
Info:

Modelle werden ausgestellt

Die Siegermodelle und Pläne des Realisierungswettbewerbs sind ab Dienstag, 4. Februar, bis voraussichtlich Freitag, 7. Februar, im Foyer des Neues Rathauses zu den Öffnungszeiten zu sehen. Die offizielle Eröffnung mit einem Rundgang durch die Ausstellung findet am Dienstag, 4. Februar, um 18 Uhr statt.

Kommentar:

Filetstücke

Für Metzger und Köche ist ein Filet ein besonders hochwertiges Stück Fleisch, dessen Zubereitung Sorgfalt verlangt. Gourmets wissen das zu schätzen. Mit Filetstücken anderer Art verhält es sich ähnlich. Auch nachhaltige Wohnbebauung für eine möglichst breite Gesellschaftsschicht findet ihre Fans, wenn die „Zubereitung“ stimmt. So ist auch beim Beplanen des Filetstücks auf dem ehemaligen Turnerbundgeländes ein glückliches Händchen gefragt, damit am Ende Singles wie junge Familien sich über bezahlbare Wohnungen mitten im Grünen freuen dürfen. Denn Wohnraum ist knapp, und wird immer wertvoller. Mit den Ergebnissen aus dem Ideenwettbewerb kann die Stadt nun in die nächste Planungsrunde gehen und das Filet fertig braten.

Von Stephanie Hladik

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