23.11.2021 - 20:45 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Terminbuchung nur online: Wie kommen Menschen ohne Internet an einen Impftermin?

Wer sich in den Impfzentren in Weiden, Vohenstrauß und Pressath impfen lassen möchte, braucht neuerdings einen Termin. Buchbar sind die Termine über ein Online-Portal. Wie kommen aber Menschen ohne Internetzugang an einen Impftermin?

Internet oder Telefon? Bei Oberpfalz-Medien meldeten sich am Dienstag viele Leser im fortgeschrittenen Alter, die nicht wissen, wie sie an einen Impftermin kommen sollen, weil sie keinen Internetzugang haben.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

Für die einen sind es nur ein paar Klicks, für die anderen ist es eine auf den ersten Blick unüberwindbare Hürde: Wer für eine Impfung in den Impfzentren in Weiden, Vohenstrauß und Pressath einen Termin haben möchte, muss diesen online buchen. So haben es die Verantwortlichen des Landkreises Neustadt/WN, der Stadt Weiden und des Bayerischen Roten Kreuzes als Betreiber der Impfzentren am Montagnachmittag in einer gemeinsamen Pressemitteilung bekanntgegeben. Der Vorteil: Damit dürften stundenlange Wartezeiten in der Kälte vor den Impfzentren hinfällig werden. Für viele Menschen ist die Terminbuchung in nur wenigen Minuten erledigt, zumal das Online-Portal für die Terminvergabe einigen bereits aus dem Frühjahr bekannt ist. Bei Oberpfalz-Medien meldeten sich am Dienstag aber viele Senioren, die weder Computer, noch Smartphone haben und die jetzt nicht wissen, wie sie an einen Impftermin kommen sollen. Sind sie benachteiligt? Jein, denn für die meisten gibt es alternative Möglichkeiten. Doch zunächst einmal steht die Frage im Raum, warum überhaupt auf eine Anmeldung per Telefon verzichtet wurde?

Technische und personelle Hürden

"Leider wurde im Zuge der Reduktion der Impfzentren die Software extrem gekürzt", erklärt Sebastian Seibert als Verwaltungsleiter des Weidener Impfzentrums. Es sei derzeit technisch nicht möglich, eine telefonische Anmeldung anzubieten. "Uns ärgert das sehr, und wir hoffen, dass Selbiges wieder möglich sein wird. Wir haben unseren Unmut an den entsprechenden Stellen kundgetan, in der Hoffnung auf eine Änderung." Denn: Auch im Impfzentrum habe es am Dienstag zahlreiche Nachfragen zur Terminvergabe gegeben. Seibert richtet einen Appell an die Impfwilligen: "Wir bitten alle, möglichst auf Online-Termine zurückzugreifen. Zur Not über Nachbarn und Verwandte." Wenn allerdings auch auf diesem Wege keinerlei Möglichkeit dazu bestehe, seien notfalls aber auch Anrufe bei der BRK-Hotline möglich. "Wir werden eine Lösung finden", verspricht Seibert. Man werde versuchen, auch diesen Menschen zeitnah einen Termin anzubieten. "Wir werden (gegebenenfalls mit Wartezeit) alles irgendwie möglich machen." Er hoffe inständig, dass eine telefonische Terminvereinbarung künftig regulär möglich sein wird.

Claudia Prößl, Sprecherin des Landratsamts Neustadt/WN, verweist auf eine weitere Herausforderung. "Alle Beschäftigten des Impfzentrums arbeiten mit Hochdruck daran, alle im Zusammenhang mit der Kapazitätssteigerung anfallenden Arbeiten zu erledigen, aber sie stoßen an personelle Grenzen." Auch deshalb sei nur eine Online-Terminvereinbarung möglich. Prößl verweist ebenfalls darauf, sich von Angehörigen oder Bekannten helfen zu lassen oder beim Hausarzt einen Termin zu vereinbaren. "Ob es künftig möglich sein wird, einen Termin telefonisch zu vereinbaren, kann ich momentan nicht sagen."

"Ich ärgere mich immer, wenn etwas nur online geht", sagt Alois Schinabeck. Der ehemalige Lehrer und SPD-Stadtrat aus Weiden braucht zwar aktuell keinen Impftermin, aber eine Online-Anmeldung wäre für ihn nicht in Frage gekommen. "Ich wäre zum Impfzentrum hingefahren und hätte gefragt, ob ich mich persönlich anmelden kann", sagt der 76-Jährige am Dienstag. Dienstleistungen, die nur online angeboten werden, hält er für "nicht kundenorientiert".

Solidarität gefragt

"Es ist zu hoffen, dass das BRK noch eine Lösung zur direkten Anmeldung findet", sagt Elisabeth Hirn von der Allgemeinen Sozialberatung des Caritas-Kreisverbands Weiden-Neustadt/WN. In ihren Beratungsgesprächen gehe es immer wieder um das Coronavirus und die Impfungen, aktuell hätten sich aber noch keine Beschwerdeführer wegen der Online-Terminvergabe gemeldet. Hirn weiß jedoch aus ihrer Tätigkeit heraus, dass es Menschen gibt, die in der Familie niemanden haben, den sie auf kurzem Wege um Hilfe bitten können. Im Moment seien deshalb Solidarität in Familien und in der Nachbarschaft sowie eine bessere Kommunikation untereinander gefragt. "Man kann appellieren, dass Familien oder Nachbarn jetzt zusammen helfen – auch gerade im Hinblick auf die Weihnachtszeit." Wer keinen Internetzugang hat, dürfe sich ruhig trauen, beim Nachbarn zu klingeln und um Unterstützung zu bitten. "Ältere, die mit technischen Hürden kämpfen, melden sich schon häufiger bei uns. Meist findet man in deren Umfeld wen, der aushelfen kann", berichtet sie. Ihre Beratungsstelle sei auch jetzt ansprechbar bei Fragen und Problemen. Und dann seien da ja nicht zuletzt die Hausärzte, bei denen man telefonisch Termine vereinbaren kann.

Peter Klein, Vorsitzender des Weidener Seniorenbeirats, hatte erst am Dienstag eine Sprechstunde für Senioren. Rückmeldungen zur Online-Terminbuchung fürs Impfen seien bei ihm nicht angekommen, sagt er. Im Frühjahr seien dazu aber etliche Anfragen eingegangen, und es hätten sich mehrere Gruppen gebildet, die die Anmeldungen übernommen haben. Als Seniorenbeirats-Vorsitzender möchte er nicht unabgestimmt seine Meinung zur aktuellen Situation kundtun. Als Privatmensch sagt er aber: "Ich finde es besser mit telefonischer Anmeldung. Viele ältere Herrschaften haben kein Internet und hier auch eine gewisse Animosität. Der Griff zum Telefon fällt jedem leichter."

Alternative Wege nutzen, geduldig sein, sich gegenseitig helfen sind also das Gebot der Stunde. Alois Schinabeck, der ehemalige Stadtrat, sagte im Gespräch mit Oberpfalz-Medien spontan ein dazu passendes "Wegwerf-Gedicht" auf: "Heute muss so manches entfallen. Corona zeigt uns allen – seine Krallen."

Wichtige Fragen und Antworten zu Impfterminen in Weiden und im Landkreis Neustadt/WN

Weiden in der Oberpfalz
Service:

So kommen Sie an einen Impftermin

  • Online-Buchung: Termine in den Impfzentren in Weiden, Vohenstrauß und Pressath sind online buchbar unter impfzentren.bayern/citizen. Die im Frühjahr angelegten Profile wurden aus Datenschutzgründen größtenteils gelöscht. Deshalb muss man sich gegebenenfalls neu registrieren.
  • Hilfe bei der Online-Buchung: Es können online bis zu fünf Personen unter einer E-Mail-Adresse zur Impfung angemeldet werden. Man kann dies also auch für Angehörige oder Bekannte ohne Internetzugang übernehmen.
  • Drei Impfzentren: Es ist möglich, unabhängig vom Wohnort zwischen den drei Impfzentren auszuwählen. Drittimpfungen finden hier in der Regel ab fünf Monaten nach der letzten Impfung statt.
  • Haus- und Fachärzte: In den Arztpraxen finden nach wie vor Impfungen statt, für die man telefonisch Termine vereinbaren kann.
  • BRK-Hotline: Für wichtige Fragen oder Termine, die auf keinem anderen Weg vereinbart werden können, ist die Hotline unter 0961/39002-600 erreichbar. Es kann zu Wartezeiten kommen.

 

 

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