06.04.2021 - 09:02 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Teures Geld: Diese Weidener Banken verlangen jetzt Negativzinsen

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Wer mit einem Girokonto auf hohe Zinsen hofft, der erntet ein müdes Lächeln. Im Gegenteil: Mittlerweile verlangen Weidener Banken Negativzinsen. Wer betroffen ist, wie es so weit kommen konnte und womit nun zu rechnen ist: ein Überblick.

Das Bankgebäude der Sparkasse Oberpfalz Nord in Weiden. Die Bank berechnet nun Kunden nach individueller Vereinbarung Negativzinsen. Sie ist damit in Weiden keineswegs allein. Längst ist ein Trend auszumachen.
von Florian Bindl Kontakt Profil

Geld für Erspartes bezahlen? Ein absurder Gedanke. Aber: Wer sein Vermögen auf dem Girokonto parkt, der weiß längst: Mit hohen Zinserträgen ist nicht mehr zu rechnen. Neu ist hingegen, dass sogar Kosten anfallen können, sogenannte Negativzinsen, von Banken beschönigend „Verwahrentgelt“ genannt. Hatten jahrelang nur einige wenige Banken diesen Schritt erwogen, ist nach einer Untersuchung des vielfach von Branchenmagazinen zitierten Portals Biallo mittlerweile jede vierte Bank so weit, von Privatkunden Strafzinsen für angelegtes Vermögen zu berechnen. Meist minus 0,5 Prozent. Auch in Weiden?

Verlangen auch Banken in Weiden Negativzinsen?

Ja. Zunächst einmal die Großbanken. Die Postbank gibt schon seit Jahren die von der EZB in Rechnung gestellten Negativzinsen von 0,5 Prozent an Kunden weiter. Betroffen sind diejenigen Sparer, die 100.000 Euro oder mehr auf dem Girokonto geparkt haben. Dasselbe gilt bei der Commerzbank – mit der Einschränkung, dass nur Neukunden die Strafzinsen zu spüren bekommen. Bei Hypovereinsbank und Oberbank sind zumindest bislang nur Firmenkunden, aber keine Privatsparer betroffen.

Anders als die Großbanken können die kleineren regionalen Banken selbst entscheiden, wann und unter welchen Bedingungen sie Negativzinsen einführen möchten. Das gilt etwa für die Sparkasse Oberpfalz Nord. Auch hier hat man die Verwahrentgelte lange Zeit vermieden, jetzt sind sie aber Realität. „Wir haben alle unter der aktuellen Zins-Situation zu leiden", sagt Direktor Ludwig Zitzmann. "Deshalb ist es für unser Haus notwendig geworden, bei Unternehmen mit hohen Einlagen und sehr vermögenden Privatkunden Verwahrentgelte zu berechnen.“ Ebenfalls die üblichen 0,5 Prozent. Genauere Zahlen, etwa was unter "sehr vermögend" zu verstehen ist, lässt er sich nicht entlocken. Zitzmann betont aber, man wolle keinesfalls "mit dem Rasenmäher drübergehen und auf alles, was rausschaut", Zinsen berechnen. Vielmehr sei seiner Bank daran gelegen, mit den Kunden, je nach Bedarf und Vermögen, individuelle Lösungen zu finden. Mit Blick auf die Weidener Konkurrenz sagt er: "Es kann sich niemand mehr einfach diesem Thema verweigern."

Er hat Recht: Die Spardabank Ostbayern, die in Regensburg ihren Sitz hat und eine Filiale in Weiden betreibt, dürfte ebenfalls bald negative Zinsen berechnen. Man führe derzeit Gespräche mit vermögenden Kunden, "um individuelle Vereinbarungen zu treffen". Auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien heißt es: "Auch wir werden Negativzinsen einführen müssen." Einen konkreten Termin oder Konditionen nannte die Bank indes nicht. Etwas zurückhaltender formuliert es die Volksbank-Raiffeisenbank Nordoberpfalz. Für Privatkunden gebe es aktuell keine Verwahrentgelte, Kommunen und Firmenkunden seien dagegen betroffen. Man habe sich "sehr lange gegen den Trend gestemmt", beteuert die Weidener Bank.

Warum verlangen die Banken überhaupt Negativzinsen?

Wer nach einem Schuldigen für die Negativzinsen sucht, der wird am ehesten in Frankfurt fündig. Dort hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Sitz. Sie bestimmt, vereinfacht ausgedrückt: je nach Wirtschaftslage, den Einlagezins. Was bedeutet das? Nun parkt etwa die Sparkasse Oberpfalz Nord das Vermögen ihrer Kunden nicht einfach in Weiden, sondern sie legt es ihrerseits an. Häufig auf einer Art Girokonto für Banken, bei ebenjener EZB. Dort erhielten die Banken einst, ebenso wie Privatsparer, Guthabenszinsen. Weil die EZB aber daran interessiert ist, dass die Wirtschaft floriert und Geld im Umlauf bleibt, ist sie wenig begeistert davon, nur Geld zu horten. Es soll stattdessen investiert werden: in Maschinen, Autos oder andere Dinge, die die Wirtschaft antreiben und so die Inflationsrate regulieren. Sie verlangt für geparktes Vermögen also Strafzinsen von den Banken – einen negativen Einlagezins. Seit 2019 beträgt er minus 0,5 Prozent.

Für die Banken bedeutet das freilich hohe Verluste. Bei den bayerischen Sparkassen etwa gingen die Zinseinnahmen 2020 um 3,1 Prozent zurück, die Gewinne um 18 Prozent. Viele Banken haben diese Zahlen lange geschluckt oder wenigstens Privatkunden verschont. Mittlerweile scheren die Banken aber zu Hunderten aus und geben die von der EZB verlangten Negativzinsen unter bestimmten Bedingungen an ihre Kunden weiter. "Langfristig fräst sich da etwas rein", kommentiert Zitzmann die Lage. "Eine Verzinsung der Vermögen, wie wir sie kannten, ist durch die Zinspolitik der EZB so nicht mehr gegeben."

Welchen Einfluss hat die Corona-Pandemie?

Die Pandemie wirkt sich fraglos auf das Bankgeschäft aus. Zitzmann hat ein "höheres Sparaufkommen" ausgemacht. "Die Menschen machen sich Sorgen und legen deshalb mehr auf die hohe Kante. Der Konsum bei Reisen, Ausgehen und Kultur ist geringer." Das Geld bleibt also übrig. Seine Kunden sparen in der Not. Das bedeutet: Je mehr Vermögen die Weidener anlegen, desto mehr legt auch die Sparkasse bei der EZB an. Die Strafzinsen steigen. "Ein simpler Mechanismus", findet Zitzmann. Von einem düsteren Szenario gehen die Volksbanken-Raiffeisenbanken aus. Die "gigantische Belastung der Staatshaushalte" während der Corona-Pandemie "ersticke jede Chance auf eine Trendumkehr" bei den Guthabenszinsen. Die Schlinge wird enger.

Was hält die Zukunft für Banken und Sparer bereit?

Einen Blick in die Zins-Glaskugel will Zitzmann nicht wagen. Er weiß aber natürlich, dass der Trend derzeit gegen die klassischen Hausbanken spricht. Negativzinsen dürften die wenigsten Kunden zum Bleiben bewegen, das Verständnis ist gering. Und: Die durchdigitalisierten Direktbanken haben Zulauf. Aber Zitzmann bleibt Optimist. „Ich bin in meinem Innersten davon überzeugt“, sagt Zitzmann, „dass wir eine Renaissance der menschlichen Beziehungen erleben werden.“ Persönliche Beratung vor Ort statt Bits and Bytes also? Während einer Pandemie mit Lockdown und Kontaktbeschränkung erscheint diese Argumentation durchaus schlüssig. Fraglich aber, ob das reicht, damit die Kunden ihrerseits den Groll über das teure Geld schlucken.

Wie Corona die Bankenwelt beeinflusst

Schwandorf
Privatkunden der Volksbank und Raiffeisenbank Nordoberpfalz sind von den Negativzinsen noch verschont. Nur: Wie lange?
Hintergrund :

Das rät die bayerische Verbraucherzentrale

  • Der Verbraucherzentrale Bayern sind die immer häufigeren Negativzinsen bei Banken ein Dorn im Auge. Diese Politik sei "sehr problematisch."
  • Laut Verbraucherzentrale ist noch gar nicht geklärt, ob Negativzinsen rechtens sind. Die Verwahrentgeltvereinbarung sollten Kunden deshalb nur unter Vorbehalt unterschreiben, um sich die Gebühren bei einem entsprechenden Urteil zurückholen zu können.
  • Grundsätzlich sollten Kunden auf ihre Freibeträge achten, um das Maximum, ab dem Negativzinsen fällig würden, nicht zu überschreiten.
  • Sinnvoll sei deshalb eine breit gestreute Aufteilung des Vermögens auf mehrere Konten. Im Zweifelsfall bleibe noch der Wechsel der Bank.

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