Weiden in der Oberpfalz
12.11.2021 - 15:16 Uhr

Theaterkompagnie Stuttgart begeistert mit „Der zerbrochene Krug“ in Weiden

Eine beeindruckende Ensembleleistung lieferte die Theaterkompagnie Stuttgart mit Kleists "Der zerbrochene Krug" ab. Bild: stg
Eine beeindruckende Ensembleleistung lieferte die Theaterkompagnie Stuttgart mit Kleists "Der zerbrochene Krug" ab.

„So nimm, Gerechtigkeit, denn deinen Lauf!“ Dorfrichter Adam ahnte bei diesem Ausspruch wohl auch noch nicht, mit welchen Mitteln und Wegen er der Gerechtigkeit Steine in den Weg legen wird, um zu verhindern, dass die Wahrheit ans Licht gerät: Dass der Übeltäter nämlich er selbst ist. Mit dem Lustspiel-Klassiker „Der zerbrochene Krug“ nach Heinrich von Kleist begeisterte am Mittwochabend das Ensemble der Theaterkompagnie Stuttgart bei der Kulturbühne Weiden in der Max-Reger-Halle. Die äußerst kurzweilige Inszenierung von Christian Schlösser verlegte die über 200 Jahre alte Handlung problemlos in die Gegenwart und ließ auch einen Hauch der MeToo-Debatte einfließen.

Was also ist in dem niederländischen Dörfchen Huisum passiert, das für jede Menge Aufregung sorgt? Es herrscht großes Aufsehen um den zerschlagenen Krug der Frau Marthe Rull (beeindruckend: Dagmar Claus). Doch wer ist der Missetäter? Wer hat ihn zerbrochen? Dorfrichter Adam hatte seiner Angebeteten – vielleicht fast schon Gestalkten – Eve (stark: Sophie von Grudzinski) einen nächtlichen Besuch abgestattet, wurde dabei aber von deren Verlobten Ruprecht erwischt und flüchtete unerkannt. Auf der Flucht ging allerdings jener wertvolle Krug zu Bruch, Martha Rull brachte dies zur Anzeige im Glauben Ruprecht wäre der Täter.

Verwicklungen und Konflikte waren damit vorprogrammiert, die von allen Akteuren auf der Bühne – allen voran von Semjon E. Dolmetsch als rüpelhafter und chauvinistischer Dorfrichter sowie Lorena Juric-Blazevic in der Rolle der Kontrollinstanz Gerichtsrat Walter – bravourös und zum Vergnügen der Zuschauer umgesetzt wurden.

Einen besonderen Dreh bekam das Stück noch mit zwei unterschiedlichen Schlussszenen – das Publikum konnte für sich entscheiden, welche Variante sympathischer oder realistischer war. Viel Applaus gab es vom Publikum für dieses Werk aus dem Kanon der deutschen Literatur, das auch noch einige Zuschauer mehr vertragen hätte.

 
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