30.05.2018 - 18:58 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Tiefbrunnen putzt sich raus

Sauberes Wasser aus dem Hahn ist ein hohes Gut. Für eine gleichbleibende gute Wasserqualität werden die Tiefbrunnen der Stadt regelmäßig gereinigt. Bis zu 8 Wochen dauert die aufwendige Prozedur.

Ein Blick in die Brunnenstube: von dort geht es rund 210 Meter in die Tiefe.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

(shl) Hunderte Meter Schlauchleitungen, mit Wasser gefüllte Bassins, Messbecher, Kanister, Rohrstücke, piepende Messanlagen - was wie die Ausstattung eines Chemielabors anmutet, wird in diesem Fall zur Reinigung eines Tiefbrunnens benötigt. Seit rund sechs Wochen sind Markus Peter und Achim Kulling von der Spezialreinigungsfirma "Aquaplus" aus Kronach damit beschäftigt, Brunnen 23 wieder fit zu machen. Sie haben ihre Zelte im Meerbodenreuther Wald aufgeschlagen, schlafen sogar auf der Baustelle. Denn der Reinigungsvorgang läuft Tag und Nacht.

"Alle sechs bis acht Jahre muss ein Tiefbrunnen gereinigt werden", erklärt Norbert Weiß, der Wasserwerk-Betriebsleiter der Stadtwerke vor Ort. Im Versorgungsgebiet der Stadt gibt es insgesamt zwölf. "Sie versorgen die Einwohner von Weiden mit dem kostbaren Nass. Das sind 3 Millionen Kubikmeter Trinkwasser im Jahr, rund 9000 bis 10000 Kubikmeter am Tag. An heißen Tagen kann es auch mal mehr sein", sagt der Wassermeister. Die Versorgung sei auch gesichert, wenn ein Brunnen "ausfällt", wie momentan durch die Reinigung.

Hauptsächlich Sandablagerungen und Wasserinhaltsstoffe wie Eisen und Mangan lagern sich, wenn sie mit Sauerstoff in Kontakt kommen, in den Rohren ab. Diese Verkrustungen und auch schleimigen Ablagerungen müssen dann von Zeit zu Zeit beseitigt werden. "Wann das soweit ist, darüber liefern uns Wasserproben und Messdaten aus der Durchflussmenge Hinweise", sagt Weiß. Daran sehe man, ob das Rohr "zu" ist.

Für Spaziergänger und Radler ist vom Tiefbrunnen 23 oberirdisch nur ein Holzhäuschen auf einem umzäunten Areal sichtbar. Messtechnik und Rohre liegen in der "Brunnenstube" unter der Erde. Von dort führt das circa 210 Meter lange Förderrohr mit einem halben Meter Durchmesser in die Tiefe. Das Rohr ist "geschlitzt" und mit Filtern versehen. Diese reinigen die Kronacher Spezialisten zunächst mechanisch vom groben Dreck und anschließend mit einer chemischen Arbeitslösung. Die Säure löst die Verkrustungen. "Wenn Sie Ihre Kaffeemaschine zum Beispiel mit Essig reinigen, passiert nichts anderes", sagt Brunnenservicemonteur Peter. Die gelösten Ablagerungen werden abgepumpt, das Wasser gereinigt und neutralisiert. Über mehrere Hundert Meter Schlauchleitungen wird das Wasser durchgepumpt - ein in sich geschlossener Kreislauf. Die Servicefirma arbeitet sich vom tiefsten Punkt her abschnittsweise vor und hatte am Mittwoch die 70-Meter-Marke erreicht. In 2 bis 3 Wochen könnte die Reinigung abgeschlossen sein.

Dem ganzen Verfahren voraus geht der Ausbau der Betriebspumpe in 100 Metern Tiefe, eine Kanalbefahrung mit der Kamera und geophysikalische Untersuchungen (unter anderem Ermittlung der Wasserfördermenge und Verschmutzungen). Ein Geologe begleitet die Maßnahme. Außerdem braucht es zur Genehmigung der Aktion einen Wasserrechtsbescheid seitens der Stadt. Eine weitere Kamera-Befahrung und eine bakteriologische Untersuchung beschließen die Reinigung. Im Anschluss wird der Brunnendeckel wieder verschlossen.

Viel Aufwand, aber wichtig, um sauberes Trinkwasser zu garantieren. Und nicht ganz billig. Die Kosten liegen bei einem sechstelligen Betrag im unteren Bereich, schätzt Weiß. "Wir haben in Weiden eine gute Wasserqualität", sagt er. Die Tiefbrunnen lägen allesamt in Wasserschutzgebieten von Wald umgeben. Das sei von Vorteil. So habe man in Weiden zum Beispiel kein Problem mit Nitratbelastungen, wie sie Gemeinden haben, deren Tiefbrunnen in landwirtschaftlich genutzten Gegenden liegen. "Unser Wasser kann man aus dem Hahn trinken."

Norbert Weiß, Betriebsleiter Wasserwerk, prüft die Ablagerungen - vor allem Mangan und Eisen - des abgepumpten Schmutzwassers.

Lagebesprechung am Wasserzähler: Norbert Weiß (Stadtwerke), Achim Kulling und Markus Peter von der Firma "Aquaplus" (von links) sind mit dem Verlauf der Reinigung zufrieden.

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