23.07.2019 - 17:42 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Tierheim kein Hilton-Hotel

Zum Davonlaufen. Die Diskussionen um den Neubau des Tierheimes in Weiden kommen nur schleppend voran. Gleichzeitig nagt der Rost weiterhin an den Anlagen. Im nächsten Jahr endet die derzeitige Betriebserlaubnis.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Der Weidener Stadtrat gönnte sich am Montag wieder eine Endlos-Debatte zum Tierheim-Neubau. Rechtsdezernentin Nicole Hammerl berichtet vom "Runden Tisch" mit vielen Beteiligten.

"Fünfstelliger Betrag"

Hammerl meint zunächst, dass sich der Landkreis jeder Verantwortung etwa beim Bau einer Quarantäne-Station, entziehe, und den Tierheimbau nicht als Pflichtaufgabe, sondern lediglich als freiwillige Leistung sehe. Zugleich sei der Landkreis aber bereit, einen "fünfstelligen Beitrag zum Projekt" zu geben. Es sei schwierig, alle 38 Landkreisgemeinden, die für die Unterbringung der Fundtiere aus ihrem Gebiet zuständig sind, unter einen Hut zu bringen. "Die meisten würden ihre Fundtiere aber an das neue Tierheim abgeben", fasst Hammerl die Situation zusammen.

Klar sei, dass der Tierschutzverein das neue Haus betreiben wolle. Allerdings unter der Bedingung, dass die große Lösung realisiert werde, so dass Fundtiere aus Weiden und dem Umland aufgenommen werden können. Der Dachverband des Vereins wolle sich "aktiv in den Planungsprozess einbringen". Er kritisiert, dass in der Anlage die Wege viel zu weit seien. Deshalb werden die Empfehlungen des Dachverbandes nun ins Raumprogramm eingearbeitet.

Himmelangst

Deutlich äußern sich die Stadträte, etwa Gerald Bolleininger: "Mir wird um das Tierheim himmelangst. Wenn wir so weiter-eiern, erleben wir den Neubau in unserem Leben nicht mehr. Wir haben den Beschluss, nur für Weiden zu bauen. Wenn wir dauernd auf den Landkreis warten, wird das nichts." Hans Jürgen Gmeiner (CSU) flüchtet sich in Sarkasmus: "Ich bin hocherfreut, wenn uns bei einer Bausumme von drei Millionen Euro ein fünfstelliger Betrag, also zwischen 10 000 und 99 999 Euro, zugesagt werden. Da kommt mir fast das Lachen aus."

Einen Erkenntnisgewinn aus den Gesprächen sucht Stefan Rank (Bürgerliste) vergebens. "Weiß man denn nicht, dass die Betriebserlaubnis des Tierheims Ende 2020 erlischt?" Vieles hänge weiterhin in der Luft. "Die Zeit brennt uns auf den Nägeln." Eine andere Ansicht vertritt Josef Gebhardt (SPD). Der runde Tisch habe zu Ergebnissen geführt. "Wir wissen jetzt, dass der Tierschutzverein das Tierheim betreiben und der Landkreis sich finanziell beteiligen will. So weit waren wir noch nie." Auf einen guten Weg sieht Hans Blum (CSU) das Tierheimprojekt. Sein Appell: "Wir sollten alle im Boot halten."

Bau- und Planungsdezernent Oliver Seidel erinnert die Stadträte an den selbst gegebenen Rahmen: Kostendeckel von drei Millionen, ein Tierheim nur für den Weidener Bedarf. Sollen dennoch Tiere aus dem Landkreis aufgenommen werden, so genüge es nicht, nur ein Gebäude anzubauen. Auch weitere Teile der Anlage müssten angepasst werden. "Dazu wären Alternativen zu planen, entsprechende Aufträge zu erteilen." Die Stadt komme nicht umhin, die Betreiberschaft für das Tierheim auszuschreiben.

Kein Hilton-Hotel

Die Diskussionen und Beschlüsse des Weidener Stadtrats seien im Landkreis auf wenig Gegenliebe gestoßen, räumt Bürgermeister Jens Meyer ein. "Die Tür ist ins Schloss gefallen. Aber sie ist nicht versperrt." Nach der alten Bedarfsplanung seien sieben Millionen Euro nötig. "Wir bauen ein Tierheim, kein Hilton-Hotel", bekräftigt Meyer. Er glaube, bei allen Beteiligten Kompromissbereitschaft erkennen zu können. Viele Fragen könnten nicht beantwortet werden. "Wir sind beim Henne-Ei-Spiel. Die im Landkreis wollen wissen, was das alles kostet." Wichtig sei, endlich das Ziel zu finden. "Wir können nicht alle vier Wochen eine neue Variante diskutieren."

Relativ entspannt zeigt sich Bürgermeister Lothar Höher (CSU). Die Stadt müsse das Projekt "cool" voranbringen. Die Landkreisgemeinden würden dann schon einsteigen.

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