15.04.2019 - 17:01 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Tierwohl und Arbeitserleichterung durch Laufställe

Wie können Betriebe von der Anbindhaltung auf die Laufstallhaltung umstellen? Dieser Frage gehen rund 30 Landwirte aus der nördlichen Oberpfalz bei einer Lehrfahrt des Landwirtschaftsamts nach.

Lehrfahrtsteilnehmer begutachten das Futterband auf dem Betrieb Popp in Unterölschnitz.
von Externer BeitragProfil

Viele Betriebsleiter zögern mit der Umstellung auf Laufstallhaltung. Als Hauptgrund gelten nach den Daten des Landeskuratoriums der Erzeugerringe für tierische Veredelung in Bayern die hohen Investitionskosten, die sich durch die Baumaßnahmen in neue Stallungen ergeben würden, sowie beengte Platzverhältnisse am Betriebsstandort. Als mögliche Alternative gelten Um- und Anbaumaßnahmen bei bestehenden Anbindeställen für kleine und mittlere Betriebsgrößen.

„Ich wollte die Tiere auf der Hofstelle neben dem neu renovierten Wohnhaus behalten und nicht die hohen Kosten und längeren Wege einer Aussiedlung der Tierhaltung auf mich nehmen“, begründet Reinhard Etterer aus Ahornberg seine Entscheidung zum Umbau in den Jahren 2013 und 2014. Ein Neubau wäre auf der beengten Hofstelle im Ort nicht möglich gewesen, erklärt er. Durch das Öffnen einer Seitenwand des bestehenden Anbindestalls, den Anbau einer Liegehalle und eines Melkhauses sowie der Einbindung einer am Stall angebauten alten Scheune habe Etterer auf die Laufstallhaltung umstellen und seinen Bestand von etwa 40 auf rund 60 Milchkühe erweitern können.

In Sandhof empfängt Robert Ehl die Teilnehmer auf seinem Zuerwerbsbetrieb. Familie Ehl hat sich 2015 für die Umstellung auf Laufstallhaltung entschlossen. Bis auf den Ausbau der alten Anbindestände bei den Milchkühen und beim Jungvieh sei der alte Anbindestall in seiner baulichen Substanz belassen worden. Dort, wo die Kühe früher angebunden waren, sei jetzt der Fressbereich für die Milchkühe. An den alten Stall sei eine neue Liegehalle für 32 Kühe angebaut worden. Sie beherberge auch den Melkstand. „Die Investitionen müssen überschaubar bleiben, und in der Zeit, in der ich mit meiner Frau den Hof bewirtschafte, wieder erlöst werden können“, erläutert Ehl.

Wie anstrengend und nervenaufreibend die Umstellung sein kann, berichtet Jürgen Popp aus Unterölschnitz. Popp habe für den Umbau des alten Anbindestalls seine Tiere auf zwei bis zu 25 Kilometer vom eigenen Hof entfernte Betriebe in angemieteten Ställen unterbringen müssen. „Der Umbau des alten Stalles und die Stallarbeit in den angemieteten Ställen brachten mich an den Rand meiner Nerven. Ich war kurz davor, den Umbau als Baudenkmal stehen zu lassen und aufzuhören“, sagt Popp. Dennoch sei der Betriebsleiter mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Der alte Anbindestall sei für die Milchkühe in eine Liegehalle umgebaut worden. Das Füttern der Kühe übernehme jetzt ein Futterband und das Melken ein Melkroboter. Popp habe es so geschafft, mit dem Umbau Platz für knapp 80 Milchkühe zu schaffen. Ein Berufskollege kümmere sich um die Aufzucht des Jungviehs, da hierfür auf dem Betrieb kein Platz mehr vorhanden sei.

Das bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten unterstützt Landwirte beim Umstieg von der Anbindehaltung zur Laufstallhaltung finanziell mit verschiedenen Förderprogrammen. Für Um- und Neubaumaßnahmen kann das Einzelbetriebliche Investitionsförderprogramm (EIF) in Anspruch genommen werden. Für die Antragstellung gibt es zwei Antragsrunden mit den Schlussterminen 6. Mai und 31. Oktober 2019. Für Fragen zur Förderung oder zu einzelbetrieblichen Beratungen stehen in Weiden Peter Gach (Telefon 0961/3007200) und Gerhard Schwarz (Telefon 0961/3007228) zur Verfügung.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.