11.07.2021 - 15:56 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Tierwohl durch Digitalisierung: "Digitale Kühe" im Staatsgut Almesbach

Der Landwirt geht durch den Stall mit hundert freilaufenden Kühen und blickt auf sein Tablet. Aha, die Alma rindert, die Elsa frisst keine sechs Stunden, die Berta kaut nicht richtig wieder – Zukunftsmusik? In Almesbach nicht mehr.

Kuh Alma fühlt sich unbeteiligt. Stephan Oetzinger (rechts) bekommt aber von Helmut Bamler erklärt, wie sie frisst, widerkäut oder gar ob sie sexuelle Lust hat. Chef Helmut Konrad sieht unendliche Möglichkeiten durch Digitalisierung in der Viehhaltung.
von Ernst FrischholzProfil

Smartphones und Tablets als Arbeitsmittel im Stall für Auszubildende. Fitnesstracker für die Kuh zur Kontrolle der Gesundheit. Wettergesteuerte Lüftung im Stall. Am Staatsgut Almesbach ist das keine Utopie mehr. Dafür steht das Digitalisierungsprojekt „DiTRiGesund“.

Die Neuausrichtung der Ausbildung an der Höheren Landbauschule Almesbach stellen Schulleiter Helmut Konrad und dessen Stellvertreter Helmut Bamler dem Landtagsabgeordneten Stephan Oetzinger sowie Benjamin Zeitler und Stefan Gollwitzer von der Weidener CSU vor. Die Digitalisierung schreite in der Landwirtschaft und hier speziell in der Tierhaltung stärker voran als in vielen anderen Sektoren. Das Staatsgut Almesbach wurde umfassend mit modernster digitaler Technik ausgestattet, die Landwirtschaftsschüler im Lehrsaal, aber auch im Stall, auf ihre zukünftigen Arbeiten vorbereitet. Tiergesundheit sei das Schlagwort schlecht hin.

Die Kühe sind derweil bei ihrer Lieblingsbeschäftigung: Fressen. Sie tragen ein Halsband mit einer Nummer. Ab da beginnt „digital“. Bamler gibt beim Ortstermin mitten im Stall Oetzinger ein Tablett in die Hand, das den ganzen Stall mit 140 frei herumlaufenden Kühen aufzeigt. Jede registrierte Kuh kann abgerufen werden. Vier Sensoren sind in den Halsbändern der Tiere integriert. Die zeigen die Ortung der freilaufenden Kühe, deren Aktivität, Fress- und Wiederkäuungsverhalten an. "Fitnesstracker und zugleich Frühwarnsystem", erklärt Bamler. Es eröffnen sich neue Möglichkeiten der Tierhaltung und des Tierwohls.

Eine Kuh muss mindestens sechs Stunden am Tag fressen und 55 bis 60 Wiederkäuschläge haben. Bewegt sie sich zu wenig oder „rindert“ sie, also ist sie paarungsbereit, kann das ihr Fressverhalten beeinflussen. Die Die Sensoren geben Aufschluss darüber. Kein Aspekt ist darauf ausgerichtet, höhere Milchleistung zu erzielen. Es geht rein um das Tierwohl, stellt Bamler ausdrücklich fest. Es ist ein auf das Einzeltier bezogenes Frühwarnsystem.

Doch ist das System sinnvoll für jeden Landwirt? Ein Bauer mit 50 Kühen könne leicht das Verhalten seiner Tiere überblicken. Gehe es aber in einen Bereich über hundert Kühe, sei das anders. Am Staatsgut selbst dient das System in erster Linie den Lehrlingen, die nicht jede Kuh einzeln kennen.

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Hintergrund:

Das Projekt „Digitalisierung der überbetrieblichen Ausbildung"

  • gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung
  • Ziel: über Ausbildung des Berufsnachwuchses und der Ausbilder das Thema Digitalisierung möglichst schnell in Betriebe bringen
  • im Staatsgut Almesbach: neue Wege der Bildungsarbeit mit Lern-Videos, Apps und einer Lernplattform
  • Bayerische Staatsgüter: eigene Filmcrews "Green Teams", die unter anderem Ausbildungsvideos produzieren

 

 

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