09.09.2020 - 15:59 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Tiktok-Star Theresa: "Manche Menschen fangen an zu weinen, wenn sie mich sehen"

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Pinke Haare, Make-Up, Blick in die Kamera: So kennen 140 000 Nutzer der App Tiktok die 26-jährige Theresa. Die Oberpfälzerin aus dem Kreis Neustadt gibt Autogramme und wird von Weiden bis Berlin auf der Straße erkannt.

Theresa aus dem Landkreis Neustadt/WN hat mehr als 140.000 Abonnenten bei Tiktok. Sie veröffentlicht dort unter dem Alias galaxy_ghost Videos.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

Als Theresa mit Oberpfalz-Medien in der Weidener Fußgängerzone unterwegs ist, dauert es nicht lange, bis sie erkannt wird. Ein Mädchen auf einem Tretroller schaut sie völlig entgeistert an und legt direkt vor ihr eine Vollbremsung hin. "Bist du die von Tiktok?", fragt die Kleine mit hochrotem Kopf. "Ja", sagt Theresa. "Ich bin dein größter Fan", antwortet das Mädchen, das danach kaum noch ein Wort herausbringt.

Theresa hat als galaxy_ghost bei Tiktok über 140 000 Abonnenten. Mit ihnen könnte man zwei Mal alle Sitz- und Stehplätze im Olympiastadion in München füllen. Theresa kennt Reaktionen wie die von dem Mädchen. Sie arbeitet bei "Superdry" im NOC, und auch dort tauchten schon Fans auf und wollten Autogramme. Weil immer mehr ihrer Fans bei Tiktok danach fragten, legte die gelernte Make-Up-Artistin vor gut einem Jahr extra ein Postfach an und ließ Autogrammkarten drucken. Über 500 sind ihr zufolge bereits verschickt. "Es gibt Leute, die fangen an zu weinen, wenn sie mich sehen." Das sei dann doch auch ein bisschen gruselig.

Singen, schminken, schauspielern

"Ich kann nicht mehr wirklich unerkannt auf die Straße gehen. Hier in der Region geht es noch, aber in Berlin oder Nürnberg werde ich sofort erkannt und die Leute wollen ein Foto machen", erzählt die 26-Jährige. Diese Bekanntheit habe Vor- und Nachteile. "Es gibt Leute, die stehen vor dem Laden, wo ich arbeite, sagen aber nichts, und wenn ich später mit einem Live-Video online gehe, schreiben sie auf einmal, dass sie bei meiner Arbeit waren. Je größer du wirst, desto eher kommt auch die Angst, dass mal was passiert." Theresa möchte deshalb nicht, dass ihr genauer Wohnort und ihr Nachname öffentlich genannt werden.

Video-Interview mit Theresa

Ihr Tiktok-Profil hat die Oberpfälzerin Ende 2018 angelegt. "Mir war langweilig, und ich wollte ein bisschen mehr Selbstbewusstsein aufbauen. Dann ging es ratzfatz. Innerhalb von wenigen Monaten hatte ich 50 000 Follower. Das gibt einem Bestätigung, dass man was richtig macht." In ihre Videos steckte sie mehr Mühe und auch Technik. Ihr Smartphone steckt sie heute zur Stabilisierung in ein Gimbal oder auf ein Stativ, beleuchtet wird ihr Gesicht von einem Ringlicht oder von LEDs. Sie schauspielert kurze Szenen, singt lippensynchron zu Liedern aller Genres, übt sich in Comedy, schminkt sich vor der Kamera, tanzt. "Ich mache von allem etwas, je nachdem, wie gerade meine Stimmung ist. Bevor man Emotionen runterschluckt, kann man sie auch durch ein Video rauslassen." Hauptmotiv in ihren Videos ist sie selbst, so wie es bei Tiktok üblich ist. "Die Leute haben mich gemocht: hübsch, klein, pummelig. Das finden die süß. Und ich sage, was ich denke. Dieses Zusammenspiel feiern die Leute." Theresa ist auch bei Instagram aktiv. Dort folgen ihrem Profil Thekae.h knapp 11 000 Menschen.

"Da geht mir das Herz auf"

Die nächste Einstellung hat Theresa immer schon im Kopf. Die Planung und Umsetzung der Videoschnipsel kostet trotzdem viel Zeit. "Aber ich mache das gerne. Die Follower unterstützen dich ja. Was mich total vom Hocker haut ist, wenn Leute mit Geschenken da stehen. Da war mal ein Mädchen, das mir ein Bild gemalt hat. Ihre Mutter sagte, die Kleine würde nur noch von mir reden. Da geht mir das Herz auf." Mit der Beantwortung von Nachrichten kommt sie nicht mehr hinterher. "Mein Instagram-Account quillt über."

Tiktok ist für Theresa meist Spaß und Ausdruck ihrer Kreativität. Sie sagt: "Tiktok ist die surreale Welt. Dort ist alles super, Friede, Freude, Eierkuchen." Aber es kann auch ernsthaft zugehen. "Ich habe eine Freundin mit Borderline und einen Kumpel, der Autist ist. Ich habe mit ihnen über diese Themen einen Live-Stream gemacht, der ging über fünf Stunden. Die meisten Leute waren richtig gefesselt." Haben so viele Fans sie verändert? "Ja. Ich bin auf dem Boden geblieben, aber selbstbewusster geworden und stolz auf das, was ich geschafft habe. Ich war früher echt schüchtern. Heute bin ich zufrieden, wie ich bin. Und ich habe Leute kennengelernt, die ich nicht mehr missen möchte. Auch solche, die wissen, dass etwas mit dir nicht stimmt, obwohl du es überspielst."

Ein Ende von Tiktok, wie es derzeit in den USA diskutiert wird, wäre für Theresa schlimm. "Ich wäre wirklich traurig. Es ist ein wichtiger Bestandteil meines Lebens. Das wäre wie, wenn du ein Haus baust und es plötzlich brennt, und dann stehst du vor dem Nichts. Aber es geht natürlich immer irgendwie weiter."

Es gibt Leute, die fangen an zu weinen, wenn sie mich sehen.

Theresa

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Hintergrund:

Die Diskussion um Tiktok in den USA

Die weltweit vor allem bei jungen Menschen beliebte Video-App Tiktok gehört zum chinesischen Start-Up ByteDance. Sie hat rund 800 Millionen Nutzer und zählt zu den am häufigsten installierten Smartphone-Apps überhaupt. Sie ist auch die erste global erfolgreiche App, die nicht aus den USA, sondern aus China stammt.

Datenschützer und Politiker befürchten, dass Tiktok sensible Daten seiner Nutzer mit der chinesischen Regierung teilen könnte. Beweise für die Befürchtungen gibt es nicht. ByteDance bestreitet einen Zugriff des Regimes.

In Indien ist Tiktok bereits verboten. US-Präsident Donald Trump verordnete per Dekret ein Verbot der App in den USA. Er behauptet, die nationale Sicherheit sei durch die App bedroht und setzt eine Frist bis zum 12. November, eine Woche nach der US-Wahl. Tiktok hat die US-Regierung daraufhin am 31. August vor einem kalifornischen Gericht verklagt.

Ein Ausweg für Tiktok könnte ein Verkauf der US-Version der App sein, allerdings ist noch überhaupt nicht klar, welche Geschäftsbereiche genau verkauft werden könnten. Microsoft oder das Unternehmen Oracle gelten derzeit als wahrscheinlichster Käufer. Als Kaufpreis im Gespräch sind 50 Milliarden Dollar. Möglich ist aber auch, dass sich die ganze Diskussion nach der US-Wahl erledigt hat. Zumal ByteDance selber gar nicht verkaufen möchte.

Service:

Kleines Glossar

  • Beauty: Schönheit ist eine beliebte Kategorie bei Tiktok und Instagram. Nutzer veröffentlichen darunter unter anderem Schmink-Videos. Weitere Kategorien sind zum Beispiel Tanzen, Rezepte, Comedy. Es gibt aber auch seriöse Videos mit Informationen zum Beispiel über Politik oder die Klimakrise.
  • Follower: Abonnenten, die die veröffentlichten Inhalte eines Nutzers regelmäßig gezeigt bekommen.
  • Hashtag: Schlagwort passend zum Inhalt, zum Beispiel #Tanzen. Klickt man das Schlagwort an, sieht man alle Inhalte, die mit diesem Schlagwort gekennzeichnet sind.
  • Influencer: Auf Deutsch etwa: "Beeinflusser". Influencer sind Internetnutzer, die sehr viele Abonnenten haben und ihre Reichweite teils professionell nutzen. Die erfolgreichsten Influencer verdienen bedeutende Geldsummen damit, im Auftrag von Unternehmen Produkte zu bewerben.
  • Instagram: App von Facebook, auf der vor allem Fotos und kurze sogenannte Storys - Zusammenschnitte aus Fotos, Videoschnipseln, Text, Stickern und Emoticons (Smilies und andere Symbole) - veröffentlicht werden.
  • Likes: Zustimmung, meist geäußert durch ein Klick auf ein Herz- oder Daumen-Hoch-Symbol. Kann auch als "Danke" gemeint sein.
  • Instagram Reels: Mit Instagram Reels hat Facebook eine Art Tiktok-Kopie gestartet. Hier werden Videos mit maximal 15 Sekunden Länge geteilt. Sollte Tiktok in den USA verboten werden, könnten viele User zu Reels wechseln.
  • Viral gehen: Eine enorm hohe Reichweite erzielen. Virale Inhalte wurden deutlich häufiger angesehen als vergleichbare Inhalte.

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