14.09.2020 - 18:40 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Tod im Flutkanal gibt Rätsel auf

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Am Montagnachmittag steht es fest: Der 22-Jährige, den Taucher am Samstag aus dem Flutkanal bargen, ist definitiv ertrunken. Doch andere Fragen sind längst nicht so schnell zu klären.

Zwei Tage danach ist der Flutkanal schon wieder eine trügerische Idylle. Etwas flussabwärts des Stadtbadwehrs entdeckten Taucher der Weidener Wasserwacht am Samstagabend ein Leiche.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Es war eine vierköpfige Gruppe, die Freitagabend bis tief in die Nacht hinein in Weiden unterwegs war. Dem Vernehmen nach sollen die jungen Leute aus dem Raum Sulzbach-Rosenberg stammen. Irgendwann setzte sich ein 22-Jähriger von den anderen ab. Am nächsten Tag bringen Rettungskräfte die traurige Wahrheit ans Tageslicht: Der Mann verlor in der Nacht im Flutkanal sein Leben.

Die Fragezeichen dahinter: Warum sendeten seine Freunde erst am Samstag und nicht schon am späten Freitagabend einen Notruf ab? Hätte der 22-Jährige dann eventuell schneller gefunden und gerettet werden können?

Obduktionsergebnis liegt teilweise vor

Warum und wo geriet der junge Mann in den Flutkanal? Anzeichen für Gewalteinwirkung fanden sich nach einer Obduktion am Montagnachmittag zunächst nicht. "Alkohol war sicher im Spiel", bestätigt Leitender Oberstaatsanwalt Gerd Schäfer. Wie viel Promille der Tote im Blut hatte, war jedoch noch offen. Auch von einer Suizidankündigung oder einem vorangegangenen Streit ist nichts bekannt.

Nähere Hintergründe versucht die Kripo Weiden zu klären. Den Wasserwachteinsatz am Samstag leitete Wolfgang Heibl. Wie er berichtet, wurde die Leiche in der Nähe des Stadtbadwehrs ein Stück Richtung Brücke über die Friedrich-Ebert-Straße gefunden. Das Wasser dort ist 2,10 Meter tief und etwa 15 Grad kalt. Ob es auch die Stelle ist, wo der Tote zuvor ins Wasser gekommen war, ist unklar.

Kein Hochwasser, keine tückische Uferböschung

Übermäßig gefährlich ist der Flutkanal an dieser Stelle außer bei Hochwasser nicht. Das bestätigen sowohl Heibl als auch Marcus Rudnik vom Verein "Kanu Weiden", der das Gewässer gut kennt. Lediglich im Bereich der Befestigung im Abschnitt Max-Reger-Park sei es schwierig, an der Mauer einen Ausstieg zu finden. Ansonsten habe der Fluss weder eine besonders steile noch tückische Uferböschung.

"Allerdings können immer weniger Leute schwimmen", gibt Heibl zu bedenken. War dies das Verhängnis des Amberg-Sulzbachers?

Im Bereich der Kreiswasserwacht ist der 22-Jährige der zweite Tote innerhalb weniger Tage. Wie erst jetzt bekannt wurde, ertrank am Donnerstag ein 79-Jähriger beim Angeln im Mantelweiher bei Speinshart. Wie genau, wird noch untersucht. Der Mann galt als gesundheitlich stark vorbelastet.

HIntergründe zur Vermisstensuche am Samstag

Weiden in der Oberpfalz
Info:

Immer wieder Großeinsätze am Flutkanal

  • Junger Mann vermisst: 80 Einsatzkräfte vom BRK über die Wasserwacht, die Feuerwehr und die Polizei suchen in der Nacht zum 22. Oktober 2017 einen jungen Mann. Die Polizei fürchtet, der 22-Jährige ist im Bereich des Max-Reger-Parks ins Wasser gestürzt. Am frühen Morgen wird der Gesuchte wohlbehalten bei Verwandten gefunden.
  • Tauchaktion der Polizei: Eine Einsatzeinheit der 16. Bereitschaftspolizeihundertschaft aus Nürnberg taucht am 16. März 2017 im Flutkanal nach Diebesgut. Mit Erfolg. Ein Taucher findet unter anderem vier Überwachungskameras vom Parkhaus gegenüber im Kanal. Ein 16-Jähriger steht unter Verdacht wegen Sachbeschädigung.
  • Kind in Kanal gestürzt? In der Nacht zum 31. August 2016 suchen Einsatzkräfte den Flutkanal nach einem Kind ab, nachdem ein Notruf eingegangen war, wonach ein Kind beim mittleren Wehr am Flutkanal ins Wasser gefallen sei. Gefunden wird niemand, vermisst gemeldet auch nicht. Am Ende vermutet die Polizei, der Anrufer habe wohl nachts ein Tier im Wasser gesehen, dennoch sollen Bürger bei gefährlichen Wahrnehmungen weiter den Notruf zu wählen.
  • Tod nach Sturz im Flutkanal: Eine Joggerin schlägt am Morgen des 16. November 2007 Alarm, weil ein Mann leblos im Flutkanal treibt. Der erste Polizist vor Ort zögert nicht, springt ins eiskalte Wasser und zieht einen 78-Jährigen aus dem Flutkanal an der Schirmitzer Kreuzung. Der Senior stirbt später im Klinikum. Ermittlungen zeigen, der blinde Mann ist 600 Meter flussaufwärts wohl die schneeglatte Böschung hinab ins Wasser gerutscht.

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