25.08.2019 - 18:25 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Mein Tortenalbtraum

Ich habe als Schülerin Jeans verkauft und beim Friseur gejobbt - alles kein Problem, doch die Sonntage in einer Konditorei waren für mich eine Herausforderung.

Fast drei Jahrzehnte später halte ich in der Konditorei Fißl nochmal eine Torte in Händen - diesmal deutlich entspannter.
von Michaela Lowak Kontakt Profil

Gleich vorneweg, an einem richtig anstrengenden Ferienjob in der Fabrik habe ich mich nie versucht. Doch mein Ausflug hinter die Ladentheke der Weidener Konditorei Fißl in den 90er Jahren brachte mich ganz schön ins Schwitzen.

Einen Sommer lang arbeite ich jeden Sonntagnachmittag mit einem weißen Schürzchen um den Bauch bei Fißl. Ich muss die Gäste im Straßencafé bedienen, zwischendrin Geschirr spülen und zu meinem Leidwesen im Laden auch Torten verkaufen. "Bitteschön, was darf's denn sein?", frage ich die Kundin. "Ich hätte gerne zwei Stück von der Schwarzwälder Kirsch und dann noch ..." Ich muss die Dame unterbrechen. "Wie viele Stücke werden es denn?", frage ich, denn danach entscheide ich, in welcher Größe ich den Pappteller wählen muss. "Ja, so sechs bis acht werden's schon", antwortet die Kundin. "Hilfe, so viel!" Ich stöhne innerlich. Acht Tortenstücke so zu platzieren, dass sie nicht umfallen und auch noch gut aussehen, wenn sie die Kundschaft zu Hause auspackt, waren für mich der absolute Horror.

Ich schiebe und drücke - ganz vorsichtig, quäle mich von Stück zu Stück. Irgendwann stehen Schokosahne, Buttercremetorte, Eierlikörschnitten und Erdbeerkuchen fein säuberlich in einer Reihe. Papier herum, Geld kassiert, der Kundin überreicht - puh, geschafft! Mir fällt ein Stein vom Herzen. Zehn Minuten später stöhnt die Chefin: "Wer hat bei der Schokosahne die Deko abgeräumt?", sagt sie und holt die Torte aus der Vitrine. Dem Gebäck fehlt komplett die Verzierung, die jetzt verschmiert an der Glasvitrine klebt. "Das war ich", gebe ich kleinlaut zu. Aus Unachtsamkeit und mangelnder Berufspraxis bin ich mit der Torte beim Zurückstellen in die Theke zu nah am Glas vorbeigeschrammt. Der Laden ist für mich erstmal Tabu, stattdessen spüle ich Geschirr hinten in der Küche. Mein Verhältnis zu Kuchen & Co. hat sich seitdem nicht wirklich gebessert. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal eine Torte gegessen hätte - das ist locker 20 Jahre her.

Übrigens: Meine anderen Nebenjobs haben mehr Spaß gemacht. Ich habe beim Friseur den Kunden den Umhang umgelegt, die Haare gewaschen und eine Kopfmassage verpasst. Scheinbar mit Erfolg, denn dafür gab's sogar manchmal sogar Trinkgeld.

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