Weiden in der Oberpfalz
03.01.2019 - 11:53 Uhr

Der Traum vom Matterhorn

Für Uwe Dressel liegen Tennisplätze nicht hoch genug. Für die Bezwingung des Schweizer Alpinisten-Mythos hat sich der Vorsitzende der TG Neunkirchen akribisch vorbereitet. Und der Gipfelstürmer hat noch weitere hohe Ziele.

Am Ziel seiner Träume: Der Weidener Uwe Dressel stand am 31. Juli 2018 zusammen mit Bergführer Alex Scherl aus Augsburg auf dem Matterhorn-Gipfel. Bild: privat
Am Ziel seiner Träume: Der Weidener Uwe Dressel stand am 31. Juli 2018 zusammen mit Bergführer Alex Scherl aus Augsburg auf dem Matterhorn-Gipfel.

(lst) Das Matterhorn gilt als der Berg der Berge. Es ist ein Mythos und ein Emblem für Alpinisten und Fotografen - eben das Wahrzeichen und Symbol der Schweiz. Das Matterhorn zieht Alpinisten magisch an. So auch den Weidener Uwe Dressel, im "normalen Leben" Vorsitzender der Tennis-Gemeinschaft (TG) Neunkirchen und staatlich geprüfter Tennislehrer, der im Juli vergangenen Jahres den Aufstieg wagte und schaffte.

"Eine Bergtour ist eigentlich eine Qual. Sie gibt einem aber auf der anderen Seite wieder enorm viel Kraft", beschreibt der 53-Jährige seine Leidenschaft, die nicht von ungefähr kommt. Schon immer war Dressel quasi als Ausgleich zum Alltag in den Alpen unterwegs - zu Fuß, mit dem Mountainbike oder beim Skifahren. Nachdem er 2013 seinen sechsten und letzten Marathon gelaufen war, kamen ihm die Hochgebirgstouren in den Sinn.

Neue Herausforderungen

"Ich brauche jedes Jahr eine sportliche Herausforderung, für die es zu trainieren gilt. Das hält mich fit und hilft auch bei meiner Tätigkeit als Tennislehrer", sagt der TGN-Vorsitzende, der schon vor seinem ersten Hochalpen-Trip viele Klettersteige gegangen war. So folgte 2014 als Einstieg die Besteigung des österreichischen Großglockners mit seinen 3790 Metern - ein für Dressel unvergessliches Erlebnis, das Appetit auf mehr machte. "Das war eine neue Erfahrung und wunderschön. Bei Dunkelheit die Hütte verlassen und die relative Einsamkeit am Berg, dort den Sonnenaufgang zu erleben und über Fels und Eis auf den Gipfel zu gehen, sind einfach unvergessliche Erlebnisse", blickt er zurück.

Erlebnisse, die Lust auf mehr machten. 2015 folgte schließlich die Besteigung und Überschreitung des Mont Blanc (4810 Meter) gemeinsam mit dem Bergführer und Everest-Bezwinger Helmut Kritzinger aus Völs am Schlendern. "Mit einem Freund, der dann leider krankheitsbedingt absagen musste, bereiteten wir uns unter anderem mit Waldläufen am Fischerberg vor", erinnert sich der 53-Jährige. So unternahm er mit Kritzinger die Mont-Blanc-Tour über den Mont Maudit mit Abstieg über den Bosses-Grat. Zur Akklimatisation wurde der Rochefort-Grat bestiegen.

Im Jahr 2016 folgte schließlich der Aufstieg auf den Piz Bernina (4048 Meter) über den berühmten Bianco-Grat mit anschließender Überschreitung des Piz Palü (3901 Meter), erneut mit Kritzinger und einem Freund. "Im September 2015 waren wir wegen zu starker Schneefälle daran noch gescheitert. Auf 3600 Meter Höhe mussten wir damals umkehren", erzählt Dressel. Ebenso erging es ihm im August 2016 beim ersten Versuch, das Matterhorn zu bezwingen. "Die Bedingungen mit starkem Schneefall, heftigen Winden und rund minus acht Grad Kälte waren einfach zu gefährlich", so der Weidener.

Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben: 2017 diente die Watzmann-Überschreitung als Training für die Jungfrau- und Mönch-Besteigung mit Bergführer Alex Scherl, Inhaber der Alpinschule Augsburg und mit Verbindungen nach Weiden. Denn er ist der Lebensgefährte von Anja Reger, der Tochter des TGN-Vorstandsmitglieds Franz Reger. Abgeschlossen wurde das Jahr 2017 im August noch mit der Überquerung des Ortler über den Hinter-Grat mit Kritzinger.

"Allerdings ließ mich der Traum vom Matterhorn nicht mehr los", sagt Dressel. 2018 sollte es dann schließlich soweit sein: Nach Akklimatisations-Touren mit dem Altenstädter Uli Güntner am Weißmies, auf das Allalinhorn und auf das Lagginhorn sowie der drei Tage lang dauernden Akklimatisierung auf über 3000 Meter oberhalb von Saas Fee stand Dressel am 31. Juli bei besten Bedingungen gemeinsam mit Scherl auf dem schweizerischen Berg-Symbol.

Traumwetter am Gipfel

"Wir hatten auf dem Hinweg 1200 und auf dem Rückweg 2000 Höhenmeter zu bewältigen. Für den Aufstieg benötigten wir fünfeinhalb Stunden. Aber es hat sich gelohnt", so der TGN-Vorsitzende. "Ich bin bei einem Traumwetter am Matterhorn-Gipfel angekommen. Uli hatte einen Tag später nicht so viel Glück. Bei richtig schlechtem Wetter mit einem Gewitter beim Abstieg kam er dennoch oben an." Dressel erinnert sich noch an ein besonderes Erlebnis am Matterhorn: "Auf dem Gipfel war mit dem Schweizer Andres Steindl ein Extremsportler mit Turnschuhen vor Ort. Der joggte das Matterhorn hinauf - unglaublich. Und das in drei Stunden und zehn Minuten ..."

Piz Palü zu Ostern

Die Lust, weitere Berge zu bewältigen, ist bei Dressel mit dem Erreichen des Matterhorn-Gipfels aber bei weitem noch nicht gestillt. Zu Ostern 2019 plant er drei Ski-Touren im Gebiet rund um Pontresina im schweizerischen Oberengadin. Dabei soll unter anderem der Piz Palü mit seinen 3900 Metern bezwungen werden. Und ansonsten: "Im Sommer habe ich aktuell noch keine größere Tour geplant. Mal sehen, was sich aber so ergibt", sagt Dressel. Und wer ihn kennt, der weiß, dass sicherlich bald der nächste Hochgebirgs-Gipfel auf seiner To-Do-Liste abgehakt sein wird.

So kennt man Uwe Dressel: als Vorsitzenden der TG Neunkirchen und staatlich geprüften Tennislehrer. Bild: Stephan Landgraf
So kennt man Uwe Dressel: als Vorsitzenden der TG Neunkirchen und staatlich geprüften Tennislehrer.
Nichts für schwache Nerven: Beim Aufstieg zum Matterhorn sind Konzentration und Trittsicherheit gefragt. Bild: privat
Nichts für schwache Nerven: Beim Aufstieg zum Matterhorn sind Konzentration und Trittsicherheit gefragt.
Mit dem Altenstädter Uli Güntner (rechts) – hier auf dem Allalinhorn – bereitete sich Dressel 2018 auf die Matterhorn-Tour vor. Bild: privat
Mit dem Altenstädter Uli Güntner (rechts) – hier auf dem Allalinhorn – bereitete sich Dressel 2018 auf die Matterhorn-Tour vor.
Auf dem Weg zum Mont Blanc (im Hintergrund) im Jahr 2015 musste der schmale Rochefort-Grat überstiegen werden. Bild: privat
Auf dem Weg zum Mont Blanc (im Hintergrund) im Jahr 2015 musste der schmale Rochefort-Grat überstiegen werden.
Glücksgefühle pur: 2015 bejubelt Uwe Dressel (rechts) zusammen mit Helmut Kritzinger die Besteigung des Mont Blanc. Bild: privat
Glücksgefühle pur: 2015 bejubelt Uwe Dressel (rechts) zusammen mit Helmut Kritzinger die Besteigung des Mont Blanc.
 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.