25.03.2020 - 12:41 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Trotz Pandemie: Spargelernte in Weiden scheint gesichert

Gute Nachrichten vom Spargelhof Brunner: Die Ernte scheint gesichert. Es haben sich schon zehn Deutsche gemeldet, die auf dem Feld aushelfen wollen.

Wird Helga Brunner heuer deutsche Erntehelfer an ihrer Seite haben, wenn sie den Spargel sticht? Zehn Interessenten haben sich nach Angaben ihres Mannes Reinhard schon gemeldet.
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Erntehelfer aus dem Ausland sind derzeit praktisch nicht zu bekommen. Entweder weil deren Regierungen einen Riegel vorgeschoben haben und sie nicht nach Deutschland reisen lassen oder weil sie selbst angesichts der Corona-Pandemie im Moment nicht nach Deutschland möchten.

Reinhard Brunner - Betreiber des gleichnamigen Spargelhofs in Neubau - blickt trotzdem optimistisch in die Zukunft. Warum? "Weil sich sehr viele Deutsche angeboten haben", erzählt er im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Mindestens zehn Personen - vom Studenten über den Physiotherapeuten bis zur Lehrerin - haben sich bei ihm gemeldet.

Entscheidung fällt nächste Woche

Nächste Woche will er entscheiden, welche Kräfte er anheuert. Bis dahin gebe es noch viele Fragen, wie Rentenversicherung undsoweiter - zu klären. Außerdem weiß er dann auch definitiv, ob seine bewährten Helfer aus der Slowakei kommen dürfen oder nicht.

Angesichts der kühlen Temperaturen im Moment rechnet Brunner damit, dass die Spargelernte etwa am 10. April beginnen kann. Vier bis fünf Vollzeitkräfte braucht er am Tag dafür. Dazu kommen noch zwei bis drei Erdbeerpflücker am Tag. "Wir bauen im Tunnel an und verkaufen die gepflückten Beeren dann in der Schale." Etwa ab Muttertag, 10. Mai, dürfte es nach seinen Worten so weit sein.

Ernte ab Anfang Juni

Erst ab Anfang Juni rechnet Anton Baumann mit erntereifen Früchten. Der Erdbeerbauer aus Pfreimd betreibt Felder im Raum Weiden, zum Beispiel bei Schirmitz, Nabburg und Schwandorf. Die Pflanzen sind nicht abgedeckt und werden deshalb später reif.

Erntehelfer benötigt Baumann nicht. Er bietet die Erdbeeren zum Selberpflücken an. Deshalb macht er sich Gedanken darüber, ob die Bürger dann auch auf seine Felder dürfen. "Wenn nicht, dann fällt die Ernte aus und ich habe heuer kein Einkommen." Trotzdem will er sich nicht verrückt machen. "Ich bin optimistisch, dass sich die Situation bis dahin ändert." Seine Überlegung ist außerdem: Wenn die Leute einkaufen gehen dürfen, dürfen sie womöglich auch aufs Feld. "Dann sind sie wenigstens an der frischen Luft."

Helfer per Flugzeug holen

Helfende Hände könnte Hermann Bösl dagegen jetzt schon brauchen. Der Erdbeerbauer aus Erbendorf hat rund 15 Hektar mit Erdbeeren angepflanzt. In Erbendorf, Störnstein, Speichersdorf, Hirschau und im Landkreis Wunsiedel. Ein Teil davon ist zum Selberpflücken. Für den Rest benötigt er Unterstützung. Und das jetzt schon.

"Aktuell steht die Pflege an." Allein dafür sind vier Vollzeitkräfte nötig. Seine üblichen Helfer aus Tschechien können nicht kommen. Jetzt überlegt er, wie er an andere Kräfte ran kommt. Sein Erzeugerverband erwägt bereits Helfer aus Rumänien per Flugzeug zu holen. "Deutsche haben sich bei mir noch nicht gemeldet." Trotzdem bleibt der 65-Jährige relativ gelassen. "In meinem Alter sehe ich das nicht so dramatisch."

Auch Landwirt Hans Beutner aus Etzenricht, der mit seinem Obst und Gemüse immer auf dem Weidener Bauernmarkt vertreten ist, macht sich noch keine Sorgen. Bei ihm startet die Ernte erst im Juni und dauert bis August. "Warten wir erst mal acht Wochen ab und schauen, wie sich das entwickelt." Er hofft, dass seine bewährten Helfer aus Rumänien bis Juni wieder auf dem Landweg einreisen können. "Alle, die in Italien waren, sind momentan in Quarantäne. Das ist nach acht bis zehn Wochen Ernteeinsatz natürlich nicht angenehm."

Bauernverband unterstützt Mitglieder mit Hinweisen:

Dringende Waldarbeiten sind erlaubt

Was Erntehelfer betrifft, wird der Bauernverband eigentlich nicht um Rat gefragt. "Das machen die Landwirte über ihre jeweiligen Erzeugerverbände", erklärt Ulrich Härtl. Überhaupt sei die Situation derzeit noch sehr unaufgeregt, berichtet der Geschäftsführer der BBV-Kreisverbände Weiden-Neustadt/WN und Tirschenreuth. "Die Lieferketten funktionieren noch. Aber man weiß nicht, wie sich das entwickelt."

Wenn derzeit das Telefon in der BBV-Geschäftsstelle klingelt, dann drehen sich die Fragen in der Regel um Waldarbeiten im Zusammenhang mit dem Coronavirus. "Erlaubt sind dringende Arbeiten, wie beispielsweise die Aufarbeitung von Windwurf und Käferholz", sagt Härtl. Und Fachberater Klaus Gieler fügt an: "Was notwendig ist, darf getan werden. Ich selbst bekomme jetzt 200 Waldpflanzen, die muss ich setzen und einen Zaun bauen." Dabei gelte wie überall die Regel, zu nahen zwischenmenschlichen Kontakt zu vermeiden.

Diese Informationen würden per Fax auch an die Mitglieder verschickt und seien im Internet unter www.bayerischer-bauernverband.de nachzulesen.

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