01.06.2020 - 09:45 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Übertritt in Corona-Zeiten: Viele neue Gymnasiasten in Weiden und im Landkreis Neustadt/WN

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Gymnasium? Realschule? Eltern und Schüler in Weiden und dem Landkreis Neustadt/WN mussten sich entscheiden. Heuer freuen sich die Schulleiter der Gymnasien über viele neue Schüler. Nur die Gewinner vom letzten Jahr verlieren Anmeldungen.

Das Kepler-Gymnasium in Weiden verzeichnete heuer den meisten Zuwachs bei den Neuanmeldungen: 97 neue Schüler wollen im Schuljahr 2020/21 dort zur Schule gehen. Das sind elf mehr als im Vorjahr.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

Rund drei Jahre nach der Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasiums (G9) in Bayern scheinen sich für das kommende Schuljahr 2020/21 wieder mehr Schüler für den Übertritt ans Gymnasium zu entscheiden. Die Schulleiter in Weiden und dem Landkreis Neustadt/WN sind mit den Zahlen fast ausnahmslos zufrieden. Aber auch an den Realschulen ist kein Abwärtstrend erkennbar. Nur die Gewinner des Vorjahres, das Augustinus-Gymnasium und die Lobkowitz-Realschule, verzeichnen einen leichten Rückgang.

Kepler-Gymnasium: Wieder Zuwachs

Nach einem Einbruch im vergangenen Jahr hat die Zahl der Neuanmeldungen am Kepler-Gymnasium in Weiden wieder zugenommen: 97 Neuanmeldungen gab es für das kommende Schuljahr. Das sind elf mehr als 2019. "Wir sind sehr zufrieden", freut sich Schulleiterin Sigrid Bloch. Am Infoabend wurden die Eltern über anstehende Sanierungsmaßnahmen, die auch Baulärm mit sich bringen, informiert. "Wie man an den Zahlen sehen kann, hat das die Entscheidung der Eltern nicht negativ beeinflusst", erklärte Bloch. Auch die Umstellung von G8 zurück auf das G9 sei längst kein Thema mehr bei der Entscheidung: "Die G9-Klassen sind im nächsten Schuljahr bereits in der 8. Jahrgangsstufe, das spielt keine Rolle mehr." Am Kepler-Gymnasium sollen im Herbst vier 5. Klassen gebildet werden.

Augustinus-Gymnasium: Unter 100

Während das Augustinus-Gymnasium im vergangenen Jahr das einzige Gymnasium mit Zuwachs war (109 Anmeldungen), sinken die Anmeldezahlen für das Schuljahr 2020/21 wieder unter die 100-Schüler-Marke: 96 Schüler meldeten sich neu am "Augustinus" an. Schulleiter Ulrich Winter erklärt, dass kleinere Schwankungen in den Anmeldezahlen normal seien. Jeder vierte Schüler habe Latein als erste Fremdsprache gewählt. Schulleiter Winter meint: "Ausgehend von der Zahl der aktuellen Neuanmeldungen sind im kommenden Schuljahr gute Voraussetzungen dafür geschaffen, dass wir am Augustinus unsere Schüler in überschaubaren und spezifischen Lerngruppen fördern können."

So liefen die Anmeldungen an den Amberger Schulen

Amberg

Elly-Heuss-Gymnasium: 52 neue Schülerinnen

Am Elly-Heuss-Gymnasium für Mädchen ist die Zahl der Neuanmeldungen stabil geblieben: Mit den 52 neuen Schülerinnen (2019: 51) sollen zwei Klassen gebildet werden. "Wie auch die Kollegen der Nachbargymnasien sind wir mit den Zahlen sehr zufrieden", erklärt Schulleiter Reinhard Hauer. Welchen Einfluss die Coronakrise auf das Anmeldeverhalten gehabt hätte, könne erst später eruiert werden. Das G9 sieht Hauer nicht mehr als Einflussfaktor bei der Schulwahl.

Seitdem der Elternbeirat auf den baulichen Zustand der Schule aufmerksam gemacht hatte, wurden Stimmen laut, dass es im Winter zu kalt und im Sommer zu heiß sei. Schulleiter Hauer meint dazu: "Das ist seit der Errichtung des Gebäudes so und hat Generationen von Schülerinnen begleitet. Natürlich gibt es Ansätze zur Verbesserung. Das Problem war besonders in den beiden heißen Sommern spürbar. Im Winter ist es nicht so schlimm." Dass der Zustand der Gebäude mögliche Interessenten abgeschreckt haben könnte, glaubt Hauer nicht. "Es wird die Atmosphäre an der Schule geschätzt, und die Mädchen fühlen sich sehr wohl."

Anmeldezahlen Gymnasien Weiden und Neustadt/WN 2020.

Gymnasium Eschenbach: Leichter Zuwachs

Das Gymnasium in Eschenbach hat sechs Anmeldungen mehr als im Vorjahr zu verzeichnen. Mit den 109 neuen Schülern werden voraussichtlich vier Klassen gebildet. Warum die Entwicklung positiv verläuft, dafür gibt es laut Schulleiter Peter Schobert verschiedene Gründe: "Man kann das nie so genau sagen. Aber ich denke, dass den Realschulen mit der Einführung des G9 das Argument, es gebe keinen Nachmittagsunterricht, wegfällt. Auch am Gymnasium gibt es jetzt erst in den höheren Stufen Unterricht am Nachmittag." Das Gymnasium in Eschenbach befinde sich zudem im ländlichen Raum, wo viel auf Mund-zu-Mund-Propaganda geachtet werde. Schulleiter Schobert glaubt nicht, dass viele Schüler zu Weidener Gymnasien abwandern. "Vielleicht gehen ein paar Mädchen an das Elly-Heuss-Gymnasium. Aber ich denke nicht, dass wir uns gegenseitig Schüler wegnehmen."

Gymnasium Neustadt: Musische Klasse

Das Gymnasium in Neustadt fügt sich in den Aufwärtstrend der Anmeldungen ein: Hatte es im Vorjahr 62 Anmeldungen gegeben, waren es für das kommende Schuljahr rund 13 Prozent mehr (70). Das freut Schulleiter Anton Hochberger aus einem Grund besonders: "20 Schüler haben sich für den musischen Zweig entschieden. Damit können wir endlich wieder eine komplette Klasse mit musischen Schülern bilden." In den vergangenen Jahren hatte es zwischen den Schulzweigen gemischte Klassen gegeben. Als Erklärung für die gestiegenen Anmeldungen der künftigen Fünftklässler sieht Hochberger den Abschluss der Generalsanierung am Gebäude: "Ich denke schon, dass sich das nun positiv ausgewirkt hat." So sieht's an den Realschulen aus

So sieht's an den Realschulen aus:

• Mit den 81 neu angemeldeten Schülern an der Realschule Vohenstrauß will Schulleiter Andreas Meier wohl drei 5. Klassen zusammenstellen: "Wir sind zufrieden mit der Zahl der Anmeldungen." Hätte es doch in den vergangenen Jahren erhebliche – teils unerklärliche – Schwankungen gegeben (2018: 82 Anmeldungen; 2019: 52 Anmeldungen).

• Die Lobkowitz-Realschule in Neustadt ist auch heuer der Spitzenreiter unter den Anmeldungen – trotz eines Rückgangs im Vergleich zum vergangenen Jahr. Während im Jahr 2019 149 Schüler dorthin wechseln wollten, sinkt die Zahl für das Schuljahr 2020/21 leicht nach unten. Schulleiterin Irene Sebald freut sich trotzdem über 136 Anmeldungen und die positive Entwicklung der vergangenen Jahre: "Wir bleiben auf wachsendem Kurs." Deswegen wird auch in modernen Containern unterrichtet.

• An der Sophie-Scholl-Realschule in Weiden bleiben die Anmeldungen auf niedrigem Niveau: Im vergangenen Jahr hatte die Schule eine deutliche Abnahme bei den Neuanmeldungen verkraften müssen (2018: 84; 2019: 64). Im kommenden Schuljahr gibt es einen leichten Zuwachs: 69 Schülerinnen wollen ab Herbst in Weiden auf die Realschule gehen. Nach Meinung von Schulleiterin Susanne Genser spielt die Diskussion um eine Sanierung der Gebäude bei den Eltern keine Rolle, da die Stadt eine Instandhaltung der Gebäude zugesichert habe.

• Michael Meier, Schulleiter der Hans-Scholl-Realschule für Jungen in Weiden, sieht das etwas anders. Für ihn ist die Konkurrenzsituation zu Neustadt sehr wohl ein Faktor bei der Wahl der Eltern und Schüler: "Neustadt ist saniert. Ich denke, dass das für den einen oder anderen schon eine Rolle spielt." Bis jetzt gibt es 67 Neuanmeldungen an der Hans-Scholl-Realschule. Das sind sieben mehr als im Vorjahr, als die Zahlen stark gesunken waren (2018: 75; 2019: 60). Auch Schüler mit einer Eignung für das Gymnasium würden kommen: "Bei uns hat man eben die Möglichkeit, einer zweiten Fremdsprache aus dem Weg zu gehen, und es ist etwas praxisorientierter."

Anmeldezahlen Realschule Weiden und Neustadt/WN 2020.
Kommentar:

Testlauf für die Zukunft

Was die Kritiker der „digitalen Schule“ für unmöglich hielten, wurde während der Coronapandemie in kürzester Zeit Realität und bewahrte das System Schule vor dem vollständigen Kollaps: Virtueller Unterricht, Lern-Apps & Co. Irgendwo zwischen Coronavirus und Home-School hat die deutsche Schullandschaft im Jahr 2020 tatsächlich die Vorteile der digitalen Lehre entdeckt. Endlich! Denn für das digitale Lernen stand über vielen Schultüren lange ein imaginäres Schild mit: „Ich muss leider draußen bleiben.“ Kein Wunder, dass sich in der Krise deshalb auch schnell die Defizite zeigten: Nicht alle Schüler verfügten über die technische Ausstattung, die diese Form des Unterrichts mit sich brachte. Musste wirklich erst ein Virus kommen, damit endlich klar wird, dass es Sinn macht alle Schüler und Schulen mit Tablets, Computern, nötiger Medienkompetenz und innovativen Lernmethoden auszustatten? Bleibt zu hoffen, dass die künftigen Fünftklässler an Gymnasien und Realschulen nicht nur von Hygienekonzepten profitieren, sondern auch von einem technischen Fortschritt an den Schulen, dessen Notwendigkeit in den vergangenen Wochen deutlich wurde.

Kathrin Moch

Auch am Gymnasium Eschenbach gab es mehr Anmeldungen als im Vorjahr: 109 Schüler wollen im kommenden Schuljahr dort zur Schule gehen.

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