27.05.2020 - 16:10 Uhr
AmbergOberpfalz

Anmeldungen für Gymnasien: Ein großer Gewinner, ein großer Verlierer

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Die Anmeldefrist ist gelaufen – jetzt steht fest, für welche weiterführenden Schulen sich die übertrittswilligen Viertklässler entschieden haben. Bei den Amberger Gymnasien gibt es Gewinner und Verlierer.

Das Gregor-Mendel-Gymnasium ist der große Gewinner: Ab September gibt es mindestens 111 neue Fünftklässler. Vor einem Jahr hatten sich im Vergleich dazu lediglich 76 Mädchen und Buben für das GMG entschieden.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Die Corona-Pandemie hat den ansonsten üblichen Infotagen und -abenden der Gymnasien einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Angemeldet werden mussten die aktuellen Viertklässler dennoch. Diese Frist ist mittlerweile vorbei. Dieter Meyer, Leiter des Herzog-Christian-August-Gymnasiums (HCA) in Sulzbach-Rosenberg, hat die aktuellen Zahlen auf dem Tisch, die er zunächst fast nicht glauben konnte: Statt der üblichen rund 100 Kinder wie im Vorjahr haben sich heuer lediglich 67 für einen Wechsel ans HCA entscheiden – ein Minus von 33 Prozent, das sich selbst bei der Aufnahme der beiden Schüler im Probeunterricht nicht wesentlich reduziert. Die Schulleitung sei gerade damit beschäftigt herauszufinden, woran das liegt. „Wir sind noch in der Findungsphase“, sagt Meyer und fügt hinzu: „Vielleicht müssen wir uns auch an die eigene Nase fassen."

Meyer: "Möglichkeiten besser nutzen"

Meyer geht davon aus, dass es für das Minus von 33 Prozent bei den Anmeldungen nicht nur einen Grund gibt: "Wir sind das einzige Gymnasium im Landkreis. Wir müssen schauen, dass wir unsere Möglichkeiten besser nutzen." Er meint damit das Schulprofil. Das HCA sei eine von bundesweit nur 300 Schulen, die sich MINT-EC Schule nennen darf. Dahinter verbirgt sich das nationale Excellence-Netzwerk für die Bereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Meyer sagt offen: "Das ist für uns ein Vorteil und ein Etikett. Das müssen wir aber auch leben." Auch auf die Sanierung der Höllerer-Realschule, die nun noch attraktiver werde, kommt er zu sprechen und denkt dabei an das HCA, bei dem ebenfalls Bedarf bestehe: "Bei uns fehlt noch ein Konzept." Das werde er nun mit dem Landkreis besprechen.

MRG: Abwärtstrend hält an

Noch stärker vom Abwärtstrend betroffen ist von den fünf Gymnasien der Region nur das Amberger Max-Reger-Gymnasium. Dort haben sich laut stellvertretendem Schulleiter Georg Meyer lediglich 43 künftige Fünftklässler angekündigt, maximal acht könnten nach dem Probeunterricht hinzukommen. Zum Vergleich: Zu Beginn des aktuellen Schuljahres waren es 74 Fünftklässler. Georg Meyer tut sich mit einer Erklärung schwer: „Einmal hatten wir fast 100 Anmeldungen, 2018 waren es zum Beispiel auch nur knapp über 50.“ Eine mögliche Ursache für das Absacken um etwa 42 Prozent hat Georg Meyer dennoch parat: „Wir sind die Schule, die am meisten vom Infotag profitiert, weil dieser viele Bedenken oder gar Ängste abbaut. Das war heuer nicht möglich.“ Da es sich beim MRG um ein musisches Gymnasium handelt, hätten viele Viertklässler und deren Eltern Informationsbedarf, wie genau sich diese Ausrichtung im Alltag darstellt. Zudem dienten die Infotage dazu, Instrumente auszuprobieren, um sich danach festlegen zu können. Auch diese Chance gab es wegen Corona nicht: „Einige haben sich vielleicht deswegen für ein anderes Gymnasium entschieden.“

GMG: Welnhofer freut sich

Der große Verlierer kommt also aus Amberg, der große Gewinner aber auch: Peter Welnhofer, Direktor des Gregor-Mendel-Gymnasiums (GMG), meldet 111 Neuzugänge für September , so viele wie schon lange nicht mehr. Zum Vergleich: Aktuell gibt es 76 Fünftklässler.

„Für uns ist das schon ein sehr, sehr erfreuliches Ergebnis“, sagt Welnhofer, der weiß, dass die Gymnasien Schwankungen unterworfen sind, aber selten so extremen wie jetzt. Normalerweise spielten Argumente wie familiäre Traditionen und Wohnortnähe bei der Wahl der weiterführenden Schule eine entscheidende Rolle, doch damit allein ließe sich das Plus von 35, das angesichts von sechs Schülern im Probeunterricht noch größer ausfallen könnte, nicht begründen.

Drei mögliche Gründe für den Anstieg am GMG

Welnhofer hat auch drei mögliche Erklärungen für den gewaltigen Anstieg von 76 auf 111 Anmeldungen für die 5. Klasse. Variante eins: "Die Infoveranstaltungen sind ja weggefallen." Folglich hätten sich Interessenten im Internet umgesehen und dort informiert: "Ich glaube, dass unser Internetauftritt sehr, sehr gut ist. Da haben wir gepunktet." Hinzu komme das Angebot von drei Ausbildungszweigen (wirtschaftswissenschaftlich, naturwissenschaftlich-technologisch und sprachlich). Die Schule sei da wesentlich breiter aufgestellt als die Mitbewerber. Zudem werde der Bereich Wirtschaftsinformatik in der Region nur am GMG angeboten. Auch die Tatsache, dass am Gymnasium vier Fremdsprachen unterrichtet werden (Englisch, Latein, Französisch, Spanisch), habe Kinder und Eltern überzeugt.

Schwesternschule ebenfalls im Minus

Erklärungsbedarf besteht auch am Dr.-Johanna-Decker-Gymnasium (DJDG), wo Schulleiter Günter Jehl ebenfalls mit einem Minus leben muss: Nur 40 Mädchen haben sich für die neuen 5. Klassen angemeldet, nach dem Probeunterricht, der in dieser Woche stattfindet, könnte die Zahl auf 44 steigen. Im Vorjahr gab es 54 Neuzugänge. Auch Jehl hätte gern den Infotag genutzt. Wenn man mit den Interessenten reden, ihnen das Schulhaus zeigen und Angebote vorstellen kann, habe das schon Wirkung: „Das hat heuer sicher auch eher etwas zu unserem Nachteil nicht stattgefunden.“

Ohne Ursachenforschung kann derzeit nur Karl Bösl, der Chef des Erasmus-Gymnasiums, über die Anmeldungen reden: Mit künftig 63 Fünftklässlern liege das EG knapp über dem normalen Wert von um die 60: „Das liegt absolut im Bereich der Vorjahre. Wir sind da sehr zufrieden.“

Das Herzog-Christian-August-Gymnasium zählt bei den Neuanmeldungen zu den Verlieren. Die Zahl der künftigen Fünftklässler schrumpft um 33 Prozent. Noch stärker ist in der Region nur das Max-Reger-Gymnasium betroffen.
Info:

So sieht es an den anderen weiterführenden Schulen aus

Schönwerth-Realschule

Direktor Matthias Schall spricht aktuell von rund 110 künftigen Fünftklässlern. Das sei weder ein Ausreißer nach oben noch nach untern: „Bis auf fünf Schüler hin oder her sind die letzten drei Jahre gleich.“

Dr.-Johanna-Decker-Realschule

Laut Schulleiter Günter Jehl sind die Zahlen der Neuzugänge relativ konstant. Vor einem Jahr waren es inklusive Probeunterricht 74 Kinder, die sich für die Schule interessieren. In diesem Jahr sind es 71.

Walter-Höllerer-Realschule

Befürchtungen, die Sanierung könnte sich negativ auf die Anmeldungen auswirken, haben sich laut Konrektor Markus Hochholzer nicht bewahrheitet. Im Vorjahr gab es 97 Interessenten, heuer sind es 104.

Wirtschaftsschule

Verlässliche Zahlen kann stellvertretender Schulleiter Günter Simmerl jetzt noch nicht liefern, da sich Kinder im Prinzip noch bis zum Beginn des neuen Schuljahres anmelden können.

Fachober- und Berufsoberschule

Hier gibt es im Vergleich zu den Vorjahren kaum Veränderungen. Laut stellvertretendem Schulleiter Josef Eckert gibt es für FOS und BOS zusammen bis jetzt 349 Anmeldungen. Das sei ein normaler Wert.

Lerncoach Jürgen Blumberg gibt Tipps für Homeschooling

Mitterteich

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