02.08.2020 - 11:58 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Umweltfrevel hoch drei": Abgemähte Blühwiese in Weiden sorgt für Ärger

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Nichts ist mehr übrig vom bunten Treiben auf einer Blühwiese in Weiden-West. Wo zuvor noch verschiedene Blüten ein Zuhause und Bienen Nahrung fanden, ist nun eine kahl gemähte Fläche. Die Stadt Weiden räumt einen Fehler ein.

Viel zu früh setzte die Stadt der Blühwiese in Weidener Westen in diesem Jahr ein Ende. Sehr zum Ärger einiger Naturliebhaber.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

"Dieser Kahlschlag ist ein Umweltfrevel hoch drei", beschwert sich eine Leserin bei Oberpfalz-Medien. Die Rede ist von einer abgemähten Blühwiese entlang des Spazierwegs rund um die ehemalige Bauschuttdeponie im Weidener Westen nahe des Waldfriedhofs. Viel zu früh sei die Fläche in diesem Jahr abgemäht worden. Laut Auskunft der Stadt dient die Ansaatfläche zur Böschungssicherung des Deponiekörpers und übernimmt bau- und verkehrstechnische Funktionen.

Kein Feingespür für Artenvielfalt

Auch Edgar Niklas aus Weiden ist "von der Stadt Weiden sehr enttäuscht, die ein Feingespür zum Thema Artenvielfalt und Naturschönheit vermissen lässt". Er erklärt: "Die ökologisch richtige Mähzeit für solche Flächen ist der frühe Herbst." Betroffen sei laut Niklas eine Fläche von rund einem Hektar entlang einer Fußwegstrecke von rund einem Kilometer.

Aus einem Acker bei Schmidmühlen wird eine Blühwiese

Winbuch bei Schmidmühlen

Auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien bestätigt Stadt-Pressesprecher Norbert Schmieglitz: "In diesem Jahr wurde der Bereich versehentlich bereits im Juli gemulcht. Dabei wurden verschiedene Wildkräuter schon während der Blüte abgeschnitten." Für Edgar Niklas ist damit eine "beispielhafte Wildblumenpracht, die ein Eldorado für seltene Insekten und eine Augenweide für Spaziergänger ist", für heuer zerstört.

So sah die Blühwiese vor der Mähaktion der Stadt aus.

Künftig Mäharbeiten im Spätsommer

Die Stadt teilt mit, dass bei der Wahl des Pflegezeitraums auch darauf geachtet werden müsse, die Flächen nicht zu spät zu schneiden, andernfalls könne sich das Schnittgut nicht mehr zersetzen und eine Verfilzung der Fläche begünstigen. "Die ursprüngliche vorhandene Vegetation kann dann nicht richtig austreiben, was entsprechend negative Folgen für die Artenvielfalt der Blühfläche hat. Zudem kann das auf der Fläche verbliebene Schnittgut auch die Entwässerungseinrichtungen der Deponie verstopfen."

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Weiden in der Oberpfalz

Doch die Stadt gelobt auch Besserung für kommende Jahre: Künftig sollen "die Böschungen unter Berücksichtigung von Aspekten der Anlagen- und Verkehrssicherheit erst im Spätsommer gemäht und, wo möglich, das Mähgut entfernt werden". So soll auch den einjährigen Blühpflanzen die Samenreife und Verbreitung ermöglicht und damit ein Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt geleistet werden.

Der Weg zur eigenen Blumenwiese:

Der Bund Naturschutz gibt Tipps

  • Möglichkeit eins: Schnitt einstellen. Besteht bereits Intensivrasen, die Düngung einstellen, den Schnitt auf wenige Male im Jahr umstellen, Schnittgut entfernen und so langsam den Nährstoffgehalt des Bodens senken. Das dauert aber, da die Zuwanderung wiesentypischer Kräuter vom Samenflug abhängt.
  • Möglichkeit zwei: Impfung. Der Rasen wird punktuell entfernt und dort werden gezielt die gewünschten Blütenpflanzen ausgesät oder vorgezogene Kräuter eingepflanzt.
  • Möglichkeit drei: Vertikutieren. Den Rasen im Herbst oder im zeitigen Frühjahr kräftig vertikutieren, so dass nur noch löchrige Grasstoppel übrig sind, und hier mit der Einsaat beginnen.
  • Neuanlage: Für die Neuanlage der Blumenwiese im Frühjahr reichen fünf bis zehn Gramm Saatgut je Quadratmeter. Die Samen werden nur einige Millimeter tief eingerecht und per Walze oder Fußbrett gefestigt. In den ersten Wochen sollte der Boden feucht gehalten werden.
  • Mahd: Mahdhäufigkeit und -termine hängen von den Entwicklungszielen der Wiese ab. Bei nur einer jährlichen Mahd sollte diese nach der Samenreife von Gräsern und Kräutern im September stattfinden, wer sich an der klassischen zweischürigen Wiesennutzung orientieren möchte, mäht Ende Juni oder August.

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Kommentare

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Luis Servus

Genau wie die Stadt Weiden am stadrfriedhol täglich Vögel sterben lässt weil sie nicht fähig sind Bilder am leichenhaus anzubringen das die Vögel nicht dagegenfliegen hoffe wird bald was unternommen lg luis Servus

02.08.2020