13.06.2021 - 11:10 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Urlaubswillige müssen sich sputen – Reisebüros: "Kunden lechzen nach Urlaub und Abwechslung"

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Viele Menschen wollen im Urlaub verreisen. Das zeigt eine Umfrage unter vier Reisebüros in Weiden und im Landkreis Neustadt/WN. Für Urlaubswillige gilt es, eine Balance zu finden zwischen Sicherheit und Freiheit – und sich zu sputen.

Strandurlaub ja, aber bitte mit Abstand: Urlaubswillige sehnen sich nach Badeurlaub in Griechenland, wie eine Umfrage in den Reisebüros in Weiden und im Landkreis Neustadt/WN zeigt. Das Bild zeigt einen Strand südlich von Athen im Mai 2020.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

„Explizit für Weiden gesprochen: Wir haben in den letzten drei Wochen eine größere Nachfrage als 2019 zu dieser Zeit – und 2018 und 2019 waren schon gute Jahre“, sagt Christoph Thanner, Verkaufsleiter der DER-Reisebüros in Weiden, Regensburg und Neumarkt. „Die Kunden lechzen nach Urlaub und Abwechslung.“ Viele hätten im vergangenen Jahr Geld gespart, das sie nun ausgeben können. Er stelle zwar sieben Wochen vor Beginn der Sommerferien in Bayern nicht fest, dass bestimmte Ziele bereits komplett ausgebucht seien, rät Urlaubswilligen aber, sich zu sputen.

„Ferienwohnungen sind schon gut gebucht, da kann es eng werden. Je größer die zeitliche Flexibilität, umso besser.“ Zu Beginn der Reisesaison hätten viele auf eine Anreise per Auto und auf Ferienwohnungen in Deutschland oder Österreich gesetzt. „Das weitet sich jetzt auf Italien, Kroatien, Spanien und Griechenland aus“, weiß der Fachmann. „Das Sicherheitsdenken mit Ferienwohnung wandelt sich jetzt Richtung Annehmlichkeiten im Hotel.“ Pauschalreisen seien wieder gefragt. Da es aber noch nicht so viele Flüge gebe, sei es bei einer An- und Abreise auf dem Luftweg ratsam, die Planung nicht auf die lange Bank zu schieben. „Kreuzfahrten kommen auch wieder sehr stark. Hier werden kurzfristig viele neue Touren angeboten“, so Thanner. Nur vereinzelt hätten die Weidener allerdings bisher Urlaub in der Türkei geplant, obwohl er von Veranstaltern wisse, dass das Land stark nachgefragt werde.

Immer mehr Lockerungen

Einen Schub hat die Nachfrage Thanner zufolge durch den Wegfall der Quarantänepflicht bei der Einreise nach Deutschland (außer aus Hochrisiko- und Virusvariantengebieten) bekommen. Auch in den Destinationen gebe es immer mehr Lockerungen. „Spanien ist bisher Vorreiter. Als Genesener oder vollständig Geimpfter darf man ohne Test einreisen.“ In Griechenland dagegen müssen auch vollständig Geimpfte aktuell einen maximal 72 Stunden alten, negativen PCR-Test vorweisen.

Fast jeder Reisende sei bereit, für die von Veranstaltern angebotenen Sicherheitspakete zu zahlen, die je nach Reisepreis zwischen 50 und 120 Euro kosteten. Damit könne man eine Reise bis 14 Tage vor Antritt umbuchen oder stornieren.

Badeurlaub statt Sightseeing

„Man kriegt eigentlich immer überall was“, sagt Nico Koller, Inhaber vom Reiseland Koller in Vohenstrauß. Jedenfalls gelte das jetzt noch. „Es komprimiert sich alles auf drei, vier Monate. Nur wenige planen über den September hinaus.“ Bei Ferienhäusern werde es in den Sommermonaten deshalb langsam dünn, und wenn die Nachfrage in den nächsten Wochen weiter steige, gelte das auch für Hotels. Im Moment sei die Auslastung im Vergleich zu 2020 gut, jedoch nicht mit dem Niveau von vorher zu vergleichen. „Aber es wird von Tag zu Tag mehr.“ Griechenland, Spanien, Italien: Die meisten seiner Kunden wollen in Europa bleiben. „Die Leute wollen mehr Badeurlaub, weniger Sightseeing.“ Das wirke sich auch auf die gut nachgefragte Nord- und Ostsee aus. Aus der Oberpfalz reisten die Menschen aber eher zum Wandern in die Berge oder in Länder mit „Wettergarantie“. Für Spanien und Griechenland seien die Preise schon angezogen, unter anderem, weil es noch keine vollen Kapazitäten in Hotels und bei den Flügen gebe.

Bei den Einschränkungen wegen der Pandemie verkündet Koller Optimismus. Zwar müsse man sich vor Ort an Abstands- und Hygieneregeln halten, aber „es ist alles auf dem Weg der Besserung.“ Es gelte allerdings, bei den Einreisebestimmungen aufmerksam zu sein. Welche Gültigkeit muss ein Test haben? Wie kann ich ihn nachweisen? In welchem Land muss ich mich digital registrieren? Wie fülle ich die Formulare aus? „Es ist teilweise sehr undurchsichtig und ändert sich schnell. Schlimmstenfalls kann es passieren, dass die Reise am Flughafen in Deutschland schon vorbei ist, wenn Dokumente fehlen.“

Petersplatz in Rom ohne Touristen

Kreuzfahrten, Gruppen- und Busreisen sind das Spezialgebiet der Reisewelt Grafenwöhr. Dort läuft die Ausarbeitung der Reisen auf Hochtouren, wie Geschäftsführerin Stella Berlinski berichtet. „Wir haben sehr viel zu tun, sind von einer normalen Planung aber noch weit entfernt. Wir planen ab August mit richtig Vollgas.“ Eine Herausforderung sei der Beratungsaufwand, und bei den Veranstaltern sei es wegen Kurzarbeit häufig noch schwierig, kurzfristig jemanden zu erreichen. Man solle neben Reiselust Geduld ins Reisebüro mitbringen.

„Griechenland, Griechenland und nochmal Griechenland“, antwortet sie auf die Frage nach den beliebtesten Reisezielen. Gefragt sei aber auch Spanien. Bei Fernzielen sei noch nicht so viel zu machen. „Mexiko lässt wieder Leute ins Land, die Dominikanische Republik ist aber jetzt wieder Risikogebiet.“ Ihr Team sei gut damit beschäftigt, die tagesaktuellen Regelungen zu studieren.

„Wir stehen im steten Kontakt zu den Reedereien, und alle sind sich einig: Es ist sicher auf dem Schiff. Die Hygiene- und Sicherheitskonzepte sind besonders ausgegoren. Das Betreten eines Supermarktes ist gefährlicher“, wirbt sie für Kreuzfahrten. So werde man zum Beispiel getestet, bevor man an und von Bord geht. „Wenn man nicht jetzt eine Kreuzfahrt macht, wann dann? Ich war vor 14 Tagen selbst auf einem Schiff. Es gibt freie Flächen, vom Pool aus freie Übersicht, und auf dem Petersplatz in Rom mussten wir nicht anstehen und haben Fotos ohne Touristen drauf gemacht. Es war wunderschön“, schwärmt die Reiseexpertin. Da viele 2020 Geld gespart hätten, könnten sie sich nun eine Kreuzfahrt leisten.

Hausaufgaben gemacht

„Die Leute haben viel nachzuholen. Sie wollen unbedingt weg, von jetzt kurzfristig bis spät in den Herbst. Und sie geben mehr Geld aus, weil der Urlaub letztes Jahr ausgefallen ist.“ Diese Erfahrung macht auch Nicolas Götz, Geschäftsführer bei Nix wie weg in Parkstein in den letzten Wochen. Seine Kunden konzentrierten sich auf Autoziele: Ostsee, Italien, Kroatien. Aber auch die griechischen Inseln, Ägypten, die Türkei und Mallorca seien beliebt. „Es ist fast so, wie wir es aus normalen Zeiten gewohnt sind.“ Lediglich Fernreisen stünden noch nicht so hoch im Kurs. Götz spricht wie Stella Berlinski von einem deutlich erhöhten Beratungsaufwand. „Aber die meisten lassen sich nicht abschrecken. Viele würden sogar in Quarantäne gehen. Vor allem die Rentner sagen, ,Dann bleibe ich halt nach dem Urlaub zwei Wochen daheim‘.“

Von seinen bereits verreisten Kunden höre er, dass sie sich im Urlaub sicher fühlten. „Im Süden spielt sich ja alles draußen ab. Und Länder wie Spanien haben ihre Hausaufgaben gemacht. Das ist top organisiert und unkompliziert. Und auch in den Flugzeugen herrscht gute Stimmung. Alle sind happy, dass sie wegkommen.“ Viele buchten die bereits genannte Sicherheitspakete für kurzfristige Stornierungen und Umbuchungen, für manche Urlaubswillige sei dies der entscheidende Faktor.

Nachgefragt seien nach wie vor Ferienwohnungen, aber nicht mehr ganz so stark wie im Vorjahr. Er stelle zudem fest, dass im Urlaub mehr Wert auf private Pools gelegt werde, um für sich zu sein. „Der große Profiteur ist die Ostsee, die ist heuer super gebucht, auch wenn das Wetter dort nicht ganz so sicher ist wie im Süden. Da oben werden die Plätze knapp.“ Viel Bewegung gebe es auch bei den Flugplänen. Götz rät daher wie seine Kollegen zuvor, sich rechtzeitig zu kümmern.

Aufatmen in Reisebüros

Dass viele Nordoberpfälzer durchatmen wollen, bedeutet auch ein Aufatmen für die Beschäftigten in der Reisebranche. „Wir sind noch in Kurzarbeit, da sind die vielen Anfragen kaum zu stemmen. Aber die Kurzarbeit wurde von 15 Prozent Arbeitszeit auf 70 Prozent hochgestuft. Es freut uns, dass wir so angenommen werden“, sagt Christoph Thanner vom DER-Reisebüro, und es schwingt Erleichterung mit. Er blickt bis in den Herbst hinein optimistisch in die Zukunft. Danach beginnt die Wintersaison, in der vor allem Fernreisen gefragt seien. Momentan könne man nur abwarten, wie es dann weitergehe.

Weidener Reisefotograf lässt sich durch Pandemie nicht vom Reisen abhalten

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Weltweite Risiko- und Virusvariantengebiete (Beispiele)

Einstufung laut Robert-Koch-Institut (Stand 4. Juni). Bei Einreise nach Deutschland aus Risiko- und Virusvariantengebieten besteht unter anderem eine Anmelde- und Quarantänepflicht.

  • Kein Risikogebiet: Bosnien und Herzegowina, Griechenland (Nördl. Agäis und Peloponnes), Italien inklusive Vatikanstadt, Kanada, Kroatien (mit Ausnahmen), Österreich (gesamt), Portugal (Madeira), Tschechien, Schweiz (Bern und Thurgau), Serbien, Ukraine, USA, Zypern.
  • Hochrisikogebiete (Inzidenz über 200, weitere Risikofaktoren möglich): Ägypten, Costa Rica, Ecuador, Iran, Malaysia, Malediven, Mongolei, Namibia, Paraguay, Peru, Seychellen, Sri Lanka, Tunesien.
  • Einfache Risikogebiete (Inzidenz über 50, weitere Risikofaktoren möglich): Algerien, Bahamas, Belgien, Dänemark (außer Färöer und Grönland), Dominikanische Republik, Frankreich (ausgenommen u. a. Korsika), Georgien, Teile Griechenlands , Indonesien, Kanada, Katar, Kroatien (einige Gespanschaften ausgenommen), Mexiko, Niederlande (mit Ausnahmen), Teile Österreichs (siehe oben), Portugal (Azoren und Lissabon), Schweden, Schweiz (mit Ausnahmen), Slowenien, Teile Spaniens, Türkei.
  • Virusvariantengebiete (große Verbreitung einer in Deutschland nicht verbreiteten Mutation mit besonderem Risiko): Brasilien, Indien, Nepal, Südafrika, Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland, Isle of Man und Kanalinseln.

Gut zu wissen: Wer mit dem Flugzeug einreist, muss unabhängig vom Abflugland ein negatives Testergebnis, einen Impfnachweis oder einen Genesenen-Nachweis vorlegen.

 

 

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