08.02.2020 - 06:05 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Nach Urteil vor Amtsgericht: Polizist wird aus Dienst entfernt

Für den Polizisten bedeutet dies das Ende seiner Polizeikarriere. Das Amtsgericht verurteilte den 48-Jährigen zu 1 Jahr und 3 Monaten Haft. Er hatte einer Fahrerin (25) bei einer Kontrolle Straferlass gegen sexuelle Handlungen angeboten.

Sein Fehlverhalten bei einer Polizeikontrolle ist einem Polizeibeamten (48) zum Verhängnis geworden.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Dem nicht genug: Als sich die Tschechin weigerte, forderte er sie auf, ihm ihren Körper zu zeigen "und zwar alles". Erst dann dürfe sie weiterfahren. Sie zog daraufhin für einige Sekunden Kleid und BH hoch. Vor dem Schöffengericht war der Polizeibeamte geständig, anders als im Ermittlungsverfahren. Das Geständnis rettete ihn vor der Haft, machte Richter Hubert Windisch deutlich. Aber auch so werde die Tat für den Beamten "verheerende Folgen" haben: Ab einem Jahr Freiheitsstrafe wird er automatisch vom Dienst entfernt. "Wenn ich schon bei verheerenden Folgen bin: Die gleichen verheerenden Folgen hat die Tat auf das Ansehen der Polizei", sagte Windisch. Verurteilt wurde der Familienvater letztlich wegen Bestechlichkeit und versuchter Strafvereitelung im Amt.

Der 48-Jährige ist an einer Entlassung aus dem Polizeidienst schon einmal haarscharf vorbeigeschrammt: 2008 hatte er auf dem Weidener Großparkplatz eine Heranwachsende sexuell genötigt, die er in der Nacht davor im Dienst kennengelernt hatte. Damals gab es mit neun Monaten Haft auf Bewährung eine letzte Chance. Der Freistaat Bayern stufte ihn zurück und versetzte ihn nach Regensburg.

Elektroschocker entdeckt

Nach fünf Jahren in Regensburg kam er 2015 zur Polizeiinspektion Eschenbach. Hier ereignete sich an einem Dienstagmorgen im Mai 2019 die folgenschwere Kontrolle. Die 25-Jährige hatte bei Grafenwöhr eine Baustelle umfahren wollen und dazu einen nicht für den Verkehr freigegebenen Forstweg benutzt. Am Ende der Strecke wartete die Streife.

Bei der Kontrolle des Autos kamen zwei Teleskop-Schlagstöcke und Elektroschocker, getarnt als Taschenlampe, zum Vorschein. Der Equalizer ist in Deutschland eine verbotene Waffe. Die Tschechin, damals Kellnerin, hatte die Gegenstände am Asiamarkt zu ihrem eigenen Schutz gekauft.

Der 48-jährige Polizeibeamte stellte eine Strafe von rund 600 Euro in Aussicht. Aber die 25-Jährige könne ihm "etwas Gutes tun" und sich in zwei Stunden mit ihm treffen. Dazu machte der Polizist eindeutige Gesten. Die Tschechin sagte mehrfach, dass sie das nicht machen werde, lieber zahle sie. Als er sie aufforderte, sich nackt zu zeigen, habe sie dies letztlich gemacht: "Ich dachte, dann ist es in ein paar Sekunden vorbei, sonst hält er mich noch länger fest. Ich habe doch keine Chance gegen die deutsche Polizei." Die Schlagstöcke und den Elektroschocker behielt der Polizist ein.

Die Tschechin, die in Deutschland arbeitet, rief auf der Heimfahrt weinend ihre Schwester in Tschechien an, die sie zur Polizeiinspektion Waldsassen brachte. Ab diesem Zeitpunkt lief die Maschinerie: Eine Beamtin des Landeskriminalamtes, Interne Ermittlungen, übernahm. Sie wartete eine Nachtschicht ab, ob der Beamte den Vorgang doch noch im Computer anlegen würde. Als dies nicht erfolgte, leitete sie Durchsuchungen in der Dienststelle und im Privathaus in die Wege. Die Schlagstöcke und der Teaser wurden nie gefunden.

Der Tschechin ist die Erinnerung unangenehm. "Er war sehr unappetitlich." Der Vorfall habe ihr Vertrauen in die Polizei verloren. "Ich hatte mich in Deutschland immer sicher gefühlt. Jetzt ist das nicht mehr der Fall." Eben dies kreidete Staatsanwalt Peter Frischholz dem Angeklagten besonders an: "Die allergrößte Mehrzahl von Polizeibeamten leistet sehr gute Arbeit. So etwas treten Beamte wie der Angeklagte mit Füßen." Frischholz forderte 1,5 Jahre Haft.

Folgen für jungen Kollegen

Viel sagte der 48-Jährige, seit neun Monaten bei vollen Bezügen beurlaubt, nicht. Als Windisch den Angeklagten auf die Beendigung des Dienstverhältnisses hinwies, meinte er: "Es ist sehr, sehr schwierig für mich." Das Geständnis ließ er über Anwalt Werner Buckenleib erklären. Dieser plädierte aufgrund der "erheblichsten Konsequenzen" auf elf Monate für den zweifachen Vater, der neben seiner Frau eine Lebensgefährtin hat. Der 48-Jährige befindet sich nach eigenen Angaben wegen einer "Störung der Persönlichkeit" in psychiatrischer Behandlung. An die Geschädigte richtete er: "Ich wollte mich bei Ihnen entschuldigen für mein Fehlverhalten."

Mit hineingeritten hat er seinen 20 Jahre jüngeren Streifenpartner. Die Tschechin nahm den jungen Polizisten in Schutz. Dieser habe die Anzüglichkeiten erst nach einer Weile begriffen und sich dann entfernt, "um sich das nicht anhören zu müssen", so ihr Eindruck. Der 27-Jährige wollte und musste nicht aussagen: Sein Strafverfahren ist vorläufig eingestellt, ein beamtenrechtliches Verfahren läuft noch.

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