(rdo) Mord verjährt nie. Das erfuhren die Gäste bei der kriminalistischen Stadtführung, an Orten in der engeren Innenstadt, an denen Kriminalfälle passierten oder aber sich ermordete Personen aufhielten. So gehörte auch ein Geschäft in der Sonnenstraße dazu, wo sich heute die CSU-Geschäftsstelle befindet.
Vom Bund der Berliner begrüßte Bärbel Strobl die Gäste. Die Organisation übernahm zweiter Vorsitzender Hans Forster, der von den Recherchen der Stadtführerin Eva Ehmann wusste, die dem Verbrechen auf der Spur war. Sie hatte zusammen mit ihrer Freundin Rosa Schaller kriminelle Begebenheiten und schaurige Geschichten in der Innenstadt recherchiert. Erster Halt war am Scharfrichter-Haus, an dem heute im Keller noch zwei Fensteröffnungen zur Folterkammer und zur Gefängniszelle zu sehen sind. Der Stadtrichter musste in Weiden Gericht halten, für sein Ehrenamt ein Pferd besitzen und brauchte dafür keine Steuern zu zahlen.
Wo heute die Pforte der Michaelskirche steht, befand sich in einem Vorgängerbau auf dem Friedhofsgelände eine „Breche“, mit zwei Schandpfählen. Bei sittlichen Verfehlungen konnte der Delinquent hier sogar die Todesstrafe erhalten. „In der Michaelskirche liegen zwei Leichen von Prinzessinnen im Keller“, erzählte Eva Ehmann. Es handelt sich um die zwei Schwestern des Pfalzgrafen Friedrich, der im Vesten Haus residierte und die Friedrichsburg in Vohenstrauß erbaute.
Die Referentin ging auch auf den ungeklärten Mordfall Walter Klankermeier ein, der eine Disko in der Judengasse und ein Erotiklokal gegenüber dem Bahnhof betrieb. Der Mord an dem Rotlichtkönig in einem Waldstück bei Schirmitz nach dem Verlassen seiner Diskothek am 14. Juni 1982 ist noch immer ungeklärt. Noch heute steht die Belohnung von 5000 DM in der Justizkasse aus für Hinweise auf die Frage, wer Klankermeier mit einem Schuss getötet hat. Denn Mord verjährt nie.
Bei Betrug wurden in vergangener Zeit die Gauner an den Pranger am Alten Rathaus gestellt, der heute noch an der Nordostseite zu sehen ist. Das galt als Ehrenstrafe. Die dazu benötigten Halsgeigen gab es in drei Körpergrößen, wie heute noch zu sehen ist. Ein Turm auf einem Wohngebäude wies auf den Galgenberg hin.
Eine Köpfstätte befand sich früher an der Johannisstraße, wo jetzt die Raiffeisenbank residiert. Die Bürger mussten sich alle gemeinsam bei Reparaturen beteiligen. Der Innenhof des Waldsassener Kastens diente als Hinrichtungsstätte des 17. Jahrhunderts. Der als letzter deutscher Henker tätige Johann Reichhart richtete im Mai 1933 einen Mörder dort hin. Insgesamt vollstreckte Reichhart seit 1924 während der Weimarer Republik und der Zeit des Nationalsozialismus 2951 Todesurteile mit der Guillotine und 59 mit dem Galgen. Darunter waren auch die Widerstandskämpfer Sophie und Hans Scholl. Der Waldsassener Kasten diente auch lange Zeit als Gefängnis.
Erschütterung herrschte in Weiden in den 80er Jahren als ein smarter "Selfmade-Man“ seine Frau im Asia-Geschäft „Mandarin“ in der Sonnenstraße ermordete, um die Lebensversicherung zu kassieren. Das Alibi brach aber zusammen, da ein Zeuge belegte, dass der Geschäftsmann sein Auto am Flughafen Nürnberg umgeparkt hatte.
Weiden in der Oberpfalz
09.07.2018 - 12:25 Uhr
Dem Verbrechen auf der Spur
von Autor rdo
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Meistgelesene Artikel
Zum Fortsetzen bitteE-Mail eingeben
Sie sind bereits eingeloggt.
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.













Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.