12.06.2018 - 16:35 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Vier Stunden pro Streifen

Wolfgang Herzers Hobby füllt ganze Regale in seiner Wohnung. Der ehemalige Stadtrat der Grünen und einer von zwei Vorsitzenden des Kunstvereins zeichnet seit Mitte der 90er Jahre Comics. Derzeit arbeitet er an seinem letzten Werk. Am Mittwoch feiert er seinen 70. Geburtstag.

In Wolfgang Herzers Regalen stapeln sich seine Comics. Zahlreiche gedruckte Bände und Originalzeichnungen finden sich – ein mit Bleistift gezeichnetes Lebenswerk. Angefangen hat alles mit einer Hausordnung, die er für seine Kinder angefertigt hat (im Rahmen).
von Sonja Kaute Kontakt Profil

(jak) Vier Stunden benötigt Herzer für einen Streifen aus drei Bildern. Ganze 21 Comic-Bände hat er inzwischen gezeichnet. Sie alle stammen aus einer Reihe mit dem Titel "Die Lückenknüllerkids - Geschichten aus Everywen." Anfangs bestanden sie aus zehn Bildstreifen, dann wurden die Geschichten komplexer. Heute sind es mehrere Tausend Streifen pro Geschichte.

Herzer arbeitet seit rund zehn Jahren an seinem Comic "Aufstand der Dosen". Er bezeichnet ihn als "letzten Comic in meinem Leben". Bei Fertigstellung sei alles aus seinem Kopf raus, was all die Jahre raus wollte. "Wenn Sie zehn Jahre lang auf eine Sache fokussiert sind, haben Sie immer einen Kieselstein im Schuh, der Ihnen das Gefühl gibt, nicht richtig gehen zu können", erklärt der Herzer, der diesen Mittwoch seinen 70. Geburtstag feiert. "Ich möchte das nicht mehr im Kopf haben. Und ich möchte nicht, dass die Comics ein Ende in der Schublade finden, sondern mich intensiver um eine Leserschaft kümmern." Seine Zeichnungen kann man jetzt schon als Sonderdrucke erwerben.

Start mit Hausordnung

Dabei ist Herzer eher zufällig Comic-Zeichner geworden. "Das war gar nicht gezielt mein Wunsch. Ich war Vater einer Patchwork-Familie und habe eine Hausordnung gezeichnet, um die Unordnung einzugrenzen." Die Wesenszüge der Kernfiguren in der Hausordnung waren an seine Kinder angelehnt. Die "Lückenknüllerkids" heißen bis heute "Melo," "Hier-Soll-Es-Schön-Sein", "No-Nein" und "Hier-Wohne-Ich". "Ich habe Spaß an den Figuren gefunden, weil man damit Lehrgeschichten erzählen kann", sagt Herzer und holt eine gezeichnete Lehrgeschichte zum Pinkeln im Sitzen hervor. "Die Kinder fanden das super, haben teilweise auch selber gezeichnet."

Herzer zeichnete seine Comics früher vor allem nachts, wenn er Ruhe hatte. Er griff familienbiografische Themen auf, aber auch Themen aus der Stadtgeschichte, denn seine Comics spielen in der Stadt "Everywen" - eine Anspielung auf Weiden. Ein wiederkehrendes Thema: die Suche der Stadtpolitik nach einem Alleinstellungsmerkmal, das Weiden bekannter macht. Auch ein Oberbürgermeister spiele eine Rolle, verrät Herzer. "Er ist nicht zu entmutigen. In 'Aufstand der Dosen' beschließt er, das Dosentelefon wieder als Kommunikationsweg einzuführen." Eine kurze Nachfrage ergibt: Der OB ist selbst keine Dose.

Ausschnitt: Die "Lückenknüllerkids" im Video

Zwei Mal hingucken

Die Lückenknüller-Comics sind nicht realistisch, aber "man kann die eigene Realität wiedererkennen", so Herzer. Die Bilder ergeben sich erst beim Zeichnen. Trotzdem erkennt man auf den Bildstreifen so gut wie keine Radiergummi-Spuren. "Bei mir möchte das einzelne Bild als einzelnes Bild wahrgenommen werden. Ich will dem Bild Raum schaffen. Das ist für den Comic normalerweise der Tod. Aber ich bin mit einer anderen Intention an die Sache herangegangen."

Der 70-Jährige weiß: "Man muss zwei Mal hingucken, um herauszufinden, worum es geht und wie die Geschichte Sinn und Bedeutung bekommt. Es geht um das künstlerische Spannungsverhältnis zwischen Text und Bild. Es schwört eine eigene Welt herauf und dazwischen gibt es einen Abgrund, den man mit großen Schritten überquert." Wolfgang Herzer bezeichnet seine Comics als "absolute Außenseiter-Geschichte, weil ich halt so zeichne, wie ich zeichne". Herzer kommt aus der Sparte der Konkreten Kunst. "Da geht es viel um geometrische Formen und ihre Wirkung, weniger um Emotionen. Die Konkrete Kunst soll bei mir wieder laufen lernen. Deshalb habe ich meine Figuren aus Dreiecken, Quadraten und Kreisen entwickelt."

Kommt nach den Comics etwas Neues? "Wer weiß? Ich bin bescheiden und freue mich heute, wenn meine Gesundheit in Ordnung ist." Es gelte nun, den "Aufstand der Dosen" 2018 abzuschließen. "Ich möchte einen Streifen pro Tag schaffen. Aber ich muss jeweils in die Stimmung und Denkform reinkommen, sonst funktioniert das nicht."

Website zu Wolfgang Herzers Comics

Wolfgang Herzer bei "Eins zu Eins. Der Talk", Bayern 2

Mit dieser gezeichneten Hausordnung fing für Wolfgang Herzer das Zeichnen von Comics an.

Seit zehn Jahren arbeitet Wolfgang Herzer an seinem Comic „Aufstand der Dosen“. Dieses letzte Werk möchte er 2018 abschließen. Für einen Bildstreifen wie diesen braucht er rund vier Stunden.

Die Comic-Bände füllen in Wolfgang Herzers Wohnung ganze Regale.

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