14.08.2019 - 16:36 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Vierlingsturm auf dem Fischerberg bei Weiden feiert 95. Jubiläum

Es war ehrgeiziges Projekt, das viele Hürden überwinden musste. Heute ist der OWV Weiden froh, dass vor 95 Jahren mutige Männer den Bau des Vierlingsturms in Angriff nahmen. Zum Jubiläum wird am Sonntag, 18. August, gefeiert.

Der Vierlingsturm steht seit 95 Jahren auf dem Fischerberg.
von Reinhard KreuzerProfil

Auf dem Fischerberg (633 Meter ü. NN) gibt es ein Jubiläum zu feiern. Vor 95 Jahren wurde der Vierlingsturm fertiggestellt. Seine Grundsteinlegung war bereits vor 105 Jahren. An beide historische Ereignisse möchte der Oberpfälzer Waldverein, Zweigverein Weiden, erinnern und lädt am Sonntag, 18. August, zum Jubiläumsturmfest ein. Um 10 Uhr findet auf dem Platz vor dem Turm ein Festgottesdienst statt. Die Messe wird von Pfarrer i.R. Monsignore Andreas Uschold und dem Männergesangverein Pirk unter Leitung von Josef Frischholz gestaltet.

Im Anschluss an die Eucharistiefeier wartet ein Frühschoppen mit Weißwurst und Brezen auf die Besucher. Ab 13.30 Uhr ist rund um die Strobelhütte Festbetrieb mit Kaffee und Kuchen und Grillspezialitäten. Es spielt die „Wirtshaus-Musi“.

Die Überlieferungen im Oberpfälzer Waldverein, der aus dem Verschönerungsverein hervorging, besagen, dass bereits in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts Pfarrer Burgglocher den Turmbau angeregt haben soll. Doch gelang es ihm nicht, die Durchführung seiner Idee zu verwirklichen. Er zog aus Weiden weg und das Projekt wurde vergessen.

Wann die Idee wieder aufgegriffen wurde, lässt sich aus den Protokollen des OWV Weiden ermitteln. Die ersten Aufzeichnungen hierüber finden sich in der Niederschrift einer Ausschusssitzung vom 27. März 1906. Kommerzienrat Otto, Direktor der Firma Bauscher war es, der den Plan wieder aufgriff und Zustimmung fand.

Vierlingsturm: Der Bau beginnt

Als nächster Schritt wurde bei der Jahreshauptversammlung am 4. April 1906 ein Turmbaukomitee gewählt, dessen Vorsitz Otto übernahm. Der Verein stellte 250 Mark zur Verfügung. Bereits nach einem Jahr war diese Summe durch Spenden bereits auf 2040 Mark angewachsen. Der Kostenvoranschlag für den Bau des Turmes belief sich aber auf 6500 Mark. So mussten die Pläne von Jahr zu Jahr hinausgeschoben werden und drohten wieder in Vergessenheit zu geraten. In einer außerordentlichen Versammlung am 8. Oktober 1913 wurde beantragt, die Turmbaupläne wegen der fehlenden Finanzen ganz einzustellen. Man einigte sich jedoch nach langer Diskussion doch, ein neues Turmbaukomitee unter der Leitung von Dekan Dr. Pfeiffer zu bilden. Außerdem waren Rechtsanwalt Wening als Schriftführer, Lehrer Wirner, Sekretär Mühlhofer, Ingenieur Leonhard und Sekretär Landgraf als Beisitzer mit dabei. Die Spenden flossen wieder reichlicher und schon am 19. Februar 1914 wurde der Antrag von Dekan Pfeiffer, den Turm mit einem Kostenaufwand von 5500 Mark und mit einer Höhe von 20,5 Metern zu bauen, angenommen.

Der Name des Turmes wurde auch schon festgelegt. Auf einer Tafel sollte die Widmung stehen: „Dem Andenken des vielgeliebten Prinz-Regenten Luitpold von Bayern vom Verschönerungsverein Weiden gewidmet – Anno 1914“.

Den notwendigen Baugrund erwarb man vom Gastwirtsehepaar Lukas in Tröglersricht, das sich verpflichtete, dem Käufer zu gestatten, auf seinem Grundstück kostenlos so viele Steine brechen zu lassen, wie zur Erbauung des Aussichtsturmes notwendig seien. Die Eröffnung war für 12. Juli 1914 geplant.

Aber der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zerstörte die Hoffungen. Im April 1915 übernahm Pfeiffer die Leitung des Vereins. Den Turmbau konnte er aber trotz aller Anstrengungen in dieser harten Zeit nicht weiterführen. Das unvollendete Werk blieb lange Jahre stehen.

In der Presse zur Generalversammlung am 17. März 1922 im Hotel Post stand zu lesen: „Der ursprünglich geplante Bau kann mit Rücksicht auf die jetzigen Baukosten überhaupt nicht mehr ausgeführt werden, aber auch die neuen Pläne von Herrn Stadtbaumeister Linhardt stoßen mit Rücksicht auf die immer noch beträchtlichen Kosten auf ernste Schwierigkeiten und es besteht hohe Gefahr, dass der begonnene Aussichtsturm zur Schande aller Naturfreunde als Ruine stehen bleibt.“

Im Mai 1922 übernahm Dr. Hermann Vierling die Leitung des Vereins und des Turmbaukomitees, in das außerdem die Herren Fleischmann, Hauer, Linhardt und Strobel gewählt wurden. Nach kurzer Zeit verfügte man über die stattliche Summe von 21 000 Mark. Aber auch das half nichts, weil 1923 die Inflation das Geld abwertete.

1924 wurde beschlossen, mit dem Bau zu beginnen. Der damalige Bauamtmann Linhardt entwarf die Pläne, am 19. Mai wurde die baupolizeiliche Genehmigung eingeholt und am 14. Juli 1924 wurden die Arbeiten von Baumeister Weiß begonnen.

1924 folgt Einweihung

Der Stumpf des angefangenen Turmes hatte schon an die 10 Jahre geruht. Am 27. September 1924 übergab Baumeister Weiß das fertige Werk an den OWV Zweigverein Weiden und am 5. Oktober 1924 wurde der Aussichtsturm in einer Feierstunde der Öffentlichkeit übergeben.

In der Jahresversammlung am 14. März 1925 stellte Paul Schmidt den Antrag, den Turm „Vierlingsturm“ zu nennen, „da Dr. Vierling in zäher Ausdauer, in rastloser Werbung und mit hinreißendem Beispiel sich hohe Verdienste um die glückliche Vollendung des Aussichtsturmes erworben habe.“

Da in den nachfolgenden Jahren der Vierlingsturm immer beliebter wurde, eröffnete bereits 1948 neben dem Aussichtsturm die „Strobelhütte“, damals noch bestehend aus einem ausrangiertem Eisenbahnwagon.

Info:

Der Vierlingsturm

Es ward ein Turm im Oberpfälzergau,

aus Waldesdunkel schaut er in die weite Au.

O Steinpfalz, oft verachtet! Hier zeigt dein Zauber sich.

Wer dich von hier betrachtet, der liebt dich sicherlich.

Von allen Seiten grüßen die Täler und die Höh´n,

o Stadt zu unseren Füßen, o Heimat, bist du schön.

(Dr. Hermann Vierling, 1924, Verschönerungsverein Weiden)

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