03.05.2021 - 11:01 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Volieren im Max-Reger-Park: Weidener Vogelparadies braucht Sanierung

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Die Vogelvolieren im Weidener Max-Reger-Park sind Heimat von unzertrennlichen Agaporniden, Wellensittichen und kalifornischen Schopfwachteln. Vier Züchter kümmern sich um Vögel und Volieren. Doch sie stoßen an ihre Grenzen.

Martin Eisenreich setzt einen jungen Wellensittich im Vogelvoliere aus.
von Helmut KunzProfil

Martin Eisenreich hat den Hitchcock-Thriller "Die Vögel" nie gesehen. Entsprechend angstfrei tritt er seinen Vögeln gegenüber. Man kennt sich schließlich. Den Fremden erinnert ein Besuch in der Voliere schon ein klein wenig an den Horrorklassiker aus dem Jahr 1963. Denn dort empfiehlt sich eines: Kopf einziehen, wenn die aufgeschreckten Bewohner mit viel Gezwitscher und Flügelschlag ihr Revier gegen den Eindringling verteidigen.

Die Vogelvolieren am Stadtmühlbach im Max-Reger-Park existieren hier seit rund 25 Jahren, erklärt der 45-jährige Züchter. "Früher waren die Käfige über den kompletten Park verteilt. Dort wurden auch Tauben gehalten." Der Vogelliebhaber ist einer von vier Privatpersonen, die den Mini-Zoo neben der Zufahrt zum Finanzamt mit viel Liebe und Leidenschaft betreuen. Vorher hatte sich der Kanarienzuchtverein um die Anlage gekümmert. "Der hat sich aber mehr oder weniger aufgelöst. Es gibt nicht mehr viele Mitglieder."

Vier Züchter kümmern sich

Bei der Stange geblieben sind Konrad Kraus und Detlef Schönig aus Weiden sowie Klaus Kreische, der wie Eisenreich in Luhe-Wildenau wohnt. "Jeder von uns hat seine Abteilungen." Die vier Züchter sehen ihre Aufgabe eher als Hobby, denn als Arbeit. "Andererseits tun wir das aber auch für die Bürger der Stadt Weiden", sagt Eisenreich. "Hier sind viele Spaziergänger unterwegs, die auch unsere Vögel bewundern." Ein Ausflug, der sich besonders in der aktuellen Coronazeit wirklich lohnt. Vor allem für Eltern mit Kindern.

Eisenreich bedankt sich besonders bei der Stadt Weiden. Die stelle die Volieren dem Quartett kostenlos zur Verfügung, trage auch die Aufwendungen für das Futter der rund hundert Vögel sowie die Unterhaltskosten für Strom und Wasser. "Wir sind für das Füttern verantwortlich, halten die Volieren sauber, streuen Sand und kümmern uns um neue Äste in den Käfigen."

Renovierungsbedürftige Käfige

Was die Instandhaltung der Gesamtanlage betreffe, stehe die Stadt seit Jahren auf der Bremse. Die letzten Renovierungsmaßnahmen seien noch unter Hans Schröpf als Oberbürgermeister durchgeführt worden, erinnert sich der Vogelwart. Damals hatte sich die Stadt auch um den jährlichen Austausch von Sand gekümmert. "Das machen jetzt wir. Weiden muss halt Kosten sparen." Inzwischen gammle das Dach vor sich hin. "Das wird auch nicht mehr vom Laub gesäubert." Die Bodenplatten auf dem Gehweg vor den Käfiggittern hätten sich längst zur Stolperfalle entwickelt. "Da kann man sich die Beine brechen." Es gebe viel zu tun, betont Eisenreich. Ein niederer vierstelliger Eurobetrag würde reichen.

Damit sich die Käfige den Weidenern gegenüber einigermaßen schmuck präsentierten, hätten sich seine Kollegen und er mit Pinsel und Farbe selbst beholfen und die äußeren Gitter grün gestrichen. Auch der Sockel habe eine neue Farbe bekommen, was über den Gesamtzustand etwas hinwegtäusche. "Ich verbringen täglich wenigstens 30 bis 45 Minuten in den Volieren. Es gibt viel Arbeit. Vor allem im Innenbereich, den man von außen gar nicht einsehen kann."

Unbeobachtetes Papageienpärchen

Dem Besucher präsentiert sich hier ein kleines Lagerhaus. Backstage stapeln sich Zuchtboxen, Futtersäcke und Werkzeuge. Auch ein Netz zum Einfangen der Vögel ist vorhanden. Wie Eisenreich betont, befindet sich hier das Rückzugsgebiet der Vögel. Hier lebt unbeachtet von der Öffentlichkeit auch ein Papageienpärchen, das fremdelt und sich unliebsame Gäste mit viel Gekreische und Geflatter vom Leibe hält.

Jeder der vier Vogelfreunde bringe in dem ihm zugewiesenen Vogelkäfig Exemplare aus eigener Zucht unter. "Wir züchten daheim und hier stellen wir unsere Vögel dann zur Schau, sobald sie selbstständig geworden sind." Natürlich könne man die Vögel auch kaufen. "Das kommt vor. Bei uns weiß man, wer der Züchter ist und wie alt die Vögel sind. Wir geben auch Futtertipps." Interessenten seien Privatleute, aber auch andere Züchter. "Wir fahren auf Vogelbörsen und organisieren auch Ausstellungen. Zur Zeit natürlich nicht."

Eisenreich begeistert sich seit seiner Kindheit für Vögel. "Mein Vater hielt sich schon Waldvögel." Seit er 25 ist, betreibt er sein Hobby intensiv. Vor neun Jahren wurde er sogar Deutscher Meister mit seiner Agaporniden-Zucht. Inzwischen fänden hier schon wieder die Nachkommen seiner prämierten bunten "Unzertrennlichen", wie die Tiere auf deutsch heißen, ein Zuhause. Zu sehen gibt es außerdem Nymphensittiche, Wellensittiche, Sonnensittiche, Kanarienvögel, Amazonen, Zebrafinken, kalifornische Schopfwachteln und einige Exoten. Keine Waldvögel, weil das verboten wäre. "Wir stellen die Breite aus." Die Allwetter-Vögel lebten das ganze Jahr über im Park. Auch in den Wintermonaten. Selbst bei tiefsten Minustemperaturen finde man sie im Außenbereich. "Innen ist beheizt."

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Weiden in der Oberpfalz

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