04.10.2021 - 13:44 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Volks- und Raiffeisenbank: Aufsichtsrat als Ratgeber statt als Aufpasser

Mit einem „Aufpasser“ oder „Abnicker“ hat das Bild eines Aufsichtsrats Volks- und Raiffeisenbank in der Realität wenig gemein. Er muss sich vielmehr als Moderator und Ratgeber sehen. Ein Interview mit Josef Kürner.

Die Fahnen hängen vor dem Gebäude der Volksbank und Raiffeisenbank Nordoberpfalz in Weiden.
von Clemens FüttererProfil

Bis zum November 2020 lenkte Josef Kürner entscheidend die Entwicklung der ehemaligen Volksbank Weiden zur späteren Volksbank Raiffeisenbank (VR) Nordoberpfalz. Die heute mit Abstand größte VR Bank der Oberpfalz trägt die Handschrift des 64-jährigen Unternehmers aus Erbendorf (Kreis Tirschenreuth).

ONETZ: Fast drei Jahrzehnte, davon 20 Jahre als Vorsitzender, ehrenamtlich im Aufsichtsgremium einer großen Regionalbank: Warum nimmt man solch eine Aufgabe auf sich?

Josef Kürner: Weil mich der ehemalige Volksbank-Direktor Ernst Fischer damals gefragt hat. Unser Familienunternehmen – früher Panzer Ladenbau, heute Panzer Shopconcept – war übrigens schon lange Zeit mit der Volksbank verbunden. Ich habe die Berufung als großen Vertrauensbeweis und Ehre empfunden: Auch wenn ich, ehrlich gesagt, nicht wusste, was genau auf mich zukommt. Die Rahmenbedingen waren vor drei Jahrzehnten übrigens völlig andere...

ONETZ: Was der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt ist: Als Aufsichtsrat einer Genossenschaft haften Sie in gewissem Sinne für die Geschäfte mit.

Josef Kürner: Klar. Die Aufsichtsräte stehen für die Aktivitäten des Vorstands in einer Art Mithaftung. Der Aufsichtsrat trägt zwar nicht die Verantwortung im operativen Tagesgeschäft, aber bei den strategischen Weichenstellungen.

ONETZ: Das Genossenschaftsprinzip wirkte oftmals aus der Zeit gefallen, die Vertreter- und Mitgliederversammlungen oft als „Abnick“-Veranstaltungen. Nun erweisen sich gerade die Volks- und Raiffeisenbanken als der Stabilitätsanker schlechthin…

Josef Kürner: … vor allem für viele Handwerksbetriebe und mittelständische Unternehmen. Die Großbanken vollzogen hier geradezu Kapriolen, sie sorgten für Verwerfungen am Markt und sie zogen sich weitgehend aus der Fläche zurück.

ONETZ: Der Aufsichtsrat stellt ein Kontrollgremium dar. Wie darf sich der Laie die Tätigkeit eines Aufsichtsrats bzw. -vorsitzenden vorstellen?

Josef Kürner: Die Aufgabe setzt gegenseitigen Respekt und riesiges Vertrauen voraus. Auch wenn ich nicht zu viel ausplaudern darf: Der Aufsichtsrat ist immer eingebunden in wichtige Personalentscheidungen, in die Moderation der Vorstände und in Vertragsverhandlungen, gefragt bei Großkrediten oder wenn Kreditnehmer in Schwierigkeiten geraten, und natürlich bei Fusionen. Aufsichtsrat bedeutet auch, als Ratgeber zu wirken.

ONETZ: In der Regel erfolgt die Wahl in den Aufsichtsrat auf Vorschlag des Vorstands, dem er eigentlich auf die Finger schauen soll. Wie geht das zusammen?

Josef Kürner: Dies stimmt so nicht. Formal kommen die Vorschläge aus dem Aufsichtsrat, allerdings in Abstimmung mit dem Vorstand. Es ist beileibe nicht so, dass sich der Vorstand selber seinen Aufsichtsrat aussucht. Ich kann Ihnen versichern, dass ich als Aufsichtsrat bei allen wichtigen Entscheidungen aktiv mitwirkte. Ein vernünftiges Miteinander ist ein Erfolgsfaktor bei der VR Nordoberpfalz. Das ist nicht bei allen Banken selbstverständlich.

ONETZ: Die Fusionswelle bei den Volks- und Raiffeisenbanken rollt und rollt. Jedes Jahr verringert sich die Zahl der selbstständigen Genossenschaften. Ein Ende scheint nicht in Sicht zu sein

Josef Kürner: Ja. Es gibt immer noch kleinere Banken, die kaum noch in der Lage sein dürften, die überbordende Regulatorik allein zu stemmen. Jede Fusion für sich stellt eine Herausforderung dar.

ONETZ: Beim Mega-Zusammenschluss der Volksbank Nordoberpfalz mit der Raiffeisenbank Weiden und der Raiffeisenbank im Stiftland spielten Sie eine entscheidende Rolle im Hintergrund.

Josef Kürner: Ich glaube schon. Da verstand ich mich gewissermaßen als Taktgeber und Moderator, der viel redete und Überzeugungsarbeit leisten musste. Bei einem mehr, beim anderen weniger… Wir gingen mit sieben Vorständen und 18 Aufsichtsräten in die Fusion. Wir sind ja keine Debattierclubs, sondern Entscheider. Heute sind es vier Vorstände, und neun Aufsichtsräte (inklusive drei Arbeitnehmervertreter).

ONETZ: Wie sehen Sie als Insider die Entwicklung der regionalen Bankenlandschaft von 1991 bis 2021 über drei Jahrzehnte hinweg?

Josef Kürner: Die Volksbank war schon immer stark im Kreditgeschäft engagiert, vor allem in Handwerk und Mittelstand. Wir haben das Kundenportfolio ständig erweitert. Die Fusion in der Fläche hat dies wunderbar ergänzt. Qualität und Kompetenz setzen sich in der langfristigen Strategie durch. Die VR Nordoberpfalz verwaltet das Geld der Kunden nicht, sondern gibt es der Region zurück. So muss es sein.

ONETZ: In jedem kleineren Ort eine Bankfiliale: Lässt sich die Präsenz der Volks- und Raiffeisenbanken in der Fläche aufrecht erhalten?

Josef Kürner: Die Filialen werden zunehmend automatisiert und es kommt auch zu gemeinsamen Geschäftsstellen im Time-Sharing mit den Sparkassen. Andere Filialen werden zu Beratungscentern. Die Kunden stimmen mit den Beinen ab; es kommt heute kaum noch jemand wegen einer Überweisung in die Bank. Panzer Shopkonzept entwickelt derzeit ein Konzept für die Sparda Bank in Hamburg. Es hat mit herkömmlichen Filialen nichts mehr zu tun. Geschäftsstellen werden zu Begegnungsstätten. Ich bin überzeugt: Wo Bedarf besteht, werden die Volks- und Raiffeisenbanken auch in Zukunft in der Fläche vertreten sein.

ONETZ: Die VR Nordoberpfalz ist heute mit Abstand die größte Volks- und Raiffeisenbank der Oberpfalz. Wächst damit das Gewicht der Region im Vergleich zum Süden mit dem Raum Regensburg?

Josef Kürner: Ich möchte keine Konkurrenz mit dem Süden der Oberpfalz herauf beschwören. Die VR Nordoberpfalz ist auf ihr Geschäftsgebiet Weiden-Neustadt-Tirschenreuth fokussiert. Jede Volks- und Raiffeisenbank sollte in ihrem Marktgebiet bleiben, auch wenn das Regionalprinzip bei Immobilienfinanzierungen etwas aufgeweicht wird.

ONETZ: Was empfinden Sie rückblickend als emotionalsten Moment in den drei Jahrzehnten als Aufsichtsrat?

Josef Kürner: Die jüngste Dreier-Fusion und die Nachfolge-Regelung im Vorstand: ein Meilenstein mit dem damaligen Vorstandvorsitzenden Rudolf Winter. Wir stellten die Weichen für die nächste Generation. Die Zeit als Aufsichtsrat betrachte ich auch als persönlichen Gewinn. Ich kann den Unternehmern nur raten, mit Maß und Ziel zu investieren – und sich nicht abhängig zu machen. Von niemandem.

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Josef Kürner
Hintergrund:

Auszeichnung

  • Der Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern, Dr. Jürgen Gros, kommt heute Abend zur Volksbank Raiffeisenbank Nordoberpfalz, um Josef Kürner auszuzeichnen. Außerdem erfolgt eine Ehrung der ehemaligen Aufsichtsräte Liane Birner und Johann Ziegler.

 

 

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