26.05.2019 - 22:18 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Wahlvolk hört auf die Kinder

Die Grünen sind die Sieger der EU-Wahlen. Auch in Weiden. Kreischefin Gisela Helgath und Fraktionschef Karl Bärnklau stoßen zwar bei der Wahlparty im Neuen Rathaus auf den Wahlerfolg an. Doch feiern wollen sie nicht.

„Frustrierend“ nennt Oberbürgermeister Kurt Seggewiß das Ergebnis seiner SPD. Sie verliert in Weiden 12 Prozentpunkte und muss sich bei der Europawahlen 2019 mit 13,1 Prozent der Stimmen zufrieden geben.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Knapp und klar ist die Analyse von Gisela Helgath, warum die Grünen in Weiden um 6,3 Prozentpunkte zulegen und nun mit 14,8 Prozent sogar vor der SPD (minus 12 Prozentpunkte auf 13,1 Prozent) liegen. "Das Wahlvolk hat endlich auf seine Kinder gehört. Aber es ist traurig, dass es erst so weit kommen musste, dass die Kinder auf die Straße gehen müssen. Sie haben kein Wahlrecht, aber sie haben ihre Eltern sensibilisiert. Ich würde mich freuen, wenn jetzt endlich in Europa eine Politik gemacht würde, die den kommenden Generationen gerecht wird. Wir Grünen werden darauf drängen." Dazu brauche der Kreisverband neue, engagierte Mitglieder.

Die Ergebnisse aus der Oberpfalz

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Ein Wechselbad der Gefühle durchlebt die starke Abordnung der AfD, die Landtagsabgeordneter Roland Magerl anführt. "Heut' Abend hat hier keiner was zu lachen", prophezeit er schon vor der ersten Prognose. "Die etablierten Parteien werden kräftig Federn lassen." Er nimmt die AfD aus, hofft auf 13,5 Prozent.

"Mediales Schlachtfest"

Dass seine Partei am Wahlabend lange bei unter 10 Prozent rumkrebst, kann er erklären. Gerade die "alten Parteien" hätten "ein mediales Schlachtfest gegen uns veranstaltet". Die AfD-Truppe nimmt dann noch die leichten Zugewinne in Weiden (plus 0,2 Prozentpunkte auf 10,7 Prozent) lachend zur Kenntnis und zieht sich geschlossen zum Grillabend des Kreisverbandes nach Mantel zurück.

Die Fahne der CSU vertritt Bürgermeister Lothar Höher im Rathaus. Die Verluste sind mit 0,2 Prozentpunkten minimal. Die CSU liegt mit 40,7 Prozent weit vorn: "Ein hervorragendes, stabiles Ergebnis der CSU. Das der CDU hätte heute besser sein können. Die proeuropäischen Parteien haben gut abgeschnitten. Das ist mir wichtig. Das ist ein klares Bekenntnis zum vereinten Europa. Ich bin glücklich."

"Sehr zufrieden" ist auch JU-Kreisvorsitzende Maria Sponsel, die auf Platz 20 der CSU-Landesliste für Brüssel kandidierte. "Die CSU hat ein Superergebnis. Und der befürchtete Rechtsruck hat nicht stattgefunden. Das alles stimmt mich sehr positiv."

Bürgermeister und OB-Kandidat Jens Meyer (SPD) zeigt sich überrascht, dass die Genossen so stark verloren haben. "Im Hinblick auf die OB- und Stadtratswahlen 2020 lasse ich mir aber deshalb keine grauen Haare wachsen. Dort werden - anders als bei der Europawahl - Köpfe und Persönlichkeiten gewählt, also Menschen, die sich einbringen in Stadt und Gesellschaft. Und da kann die Weidener SPD wirklich eine hervorragende Liste bieten." Klingt stark nach Wahlkampf.

Als "sehr frustrierend" wertet OB Kurt Seggewiß das Abschneiden "seiner" SPD. "Da sind in der großen Politik, in Brüssel und Berlin, große Fehler gemacht worden. Wir haben einen riesigen Nachholbedarf an Glaubwürdigkeit. Ich bin gespannt, was dieses verheerende Ergebnis bei der Parteispitze auslösen wird. Unsere Partei verliert komplett an die Grünen. Zumindest hat die AfD nichts dazugewonnen." Erfreulich sei auch die hohe Wahlbeteiligung. Die vielen Aktionen "pro Europa" hätten die Bürger erreicht. Kurz nach der Bekanntgabe des letzten Ergebnisses aus den Weidener Briefwahlen löst sich gegen 19.50 Uhr die Wahlparty im Neuen Rathaus auf.

Prost auf ein sensationelles Ergebnis für die Grünen bei der Europawahl 2019. Im Weidener Rathaus stoßen Karl Bärnklau, Gisela und Stefan Helgath (von links) an.
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