25.08.2021 - 14:54 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Warten auf Covid-Medikamente: Tobias Reiß sauer auf Jens Spahn

Vierte Welle, Mutationen, Spätfolgen von Covid-Infektionen: Vor diesem Hintergrund versteht ein Oberpfälzer CSU-Mann die Passivität mancher Politiker nicht. Parteifreunde in der „Unionsfamilie“ eingeschlossen.

Tobias Reiß , Parlamentarischer Geschäftsführer der CSU.
von Clemens FüttererProfil

Eigentlich kennt die Öffentlichkeit den Parlamentarischen Geschäftsführer der CSU-Landtagsfraktion, Tobias Reiß, als konzilianten und freundlichen Abgeordneten. Jetzt ringt Reiß nach den passenden Worten, um seiner Enttäuschung über Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nicht freien Lauf zu lassen. Der Landtagsabgeordnete aus dem Stimmkreis Tirschenreuth hatte gemeinsam mit seinem Kollegen, dem CSU-Gesundheitspolitiker Bernhard Seidenath, bei Spahn um Unterstützung geworben, bei Arzneimitteln gegen Covid-19 endlich in die Gänge zu kommen. Reiß: „Die Antwort aus Berlin ist nicht zufriedenstellend.“

In seinem Schreiben räumt der Bundesgesundheitsminister zwar ein, dass Arzneimittel zur Behandlung von Covid-19-Erkrankungen derzeit „noch begrenzt zur Verfügung stehen“. Spahn verweist dabei auf den „koordinierten Ansatz“ zur Entwicklung eines Therapeutikums bei Forschung, Entwicklung, Genehmigung, Produktion und Beschaffung in der EU. Die Europäische Kommission sei bestrebt, dass bis Oktober 2021 drei neue Arzneimittel sowie gegebenenfalls zwei weitere bis Ende des Jahres 2021 in der EU zur Verfügung stehen. Der Bedarf werde fortlaufend „geprüft“. Beim Einsatz des Medikaments Ivermectin beim Coronavirus „beobachte“ das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte „die Evidenzlage engmaschig“.

"Spahn hat die Dringlichkeit nicht erkannt"

Wie berichtet, initiierte MdL Tobias Reiß maßgeblich eine Reihe von Förderprogrammen zur Entwicklung eines Medikaments zur Covid-19-Therapie. Über die Bayerische Therapiestrategie erhalten aktuell mehrere Biotechnologie-Unternehmen 58 Millionen Euro Fördergelder zur Medikamentenentwicklung in Bayern. Auch die EU zog hier nach. Besonders engagiert sich Reiß für die Verwendung bereits vorhandener Medikamente wie des „seit Jahrzehnten bewährten“ Arzneimittels Ivermectim, das in Kombination mit anderen Wirkstoffen beim frühzeitigen Einsatz schwere Verläufe verhindern soll. „Der Bundesgesundheitsminister hat die Dringlichkeit offenbar nicht erkannt“, hält Reiß mit seiner Enttäuschung nicht hinterm Berg. Spahn und die Gesundheitsbehörden müssten die weltweiten Behandlungserfolge mit dem Einsatz bereits vorhandener Medikamente nicht nur „beobachten, sondern ernsthaft prüfen“. Reiß: „Deutschland ist in seinen Strukturen gefangen und zu keinerlei Pragmatismus fähig.“ Der aus Berlin und Brüssel vorgegebene Weg sei eindeutig zu langwierig. Es sollte in einer Pandemie eigentlich selbstverständlich sein, bereits vorhandene Therapeutika und Therapieoptionen unverzüglich zu prüfen.

"Wichtigste G fehlt: Gesundheit"

Reiß betont seine Thesen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie: „Die Therapie muss den gleichen Stellenwert besitzen wie das Impfen. Wenn Wissenschaftler davon ausgehen, dass es keine Herden-Immunität geben wird, weil das Virus weiter mutiert und auch Geimpfte sich und andere noch infizieren können, werden wir mit dem Virus leben müssen.“ Bei der Diskussion um die 3G-Regel (Geimpft, Genesen, Getestet) oder gar 2G vermisst der Landtagsabgeordnete das wichtigste „G“: nämlich die Gesundheit. Reiß lässt keine Resignation aufkommen, er hofft unverdrossen auf sein „Netzwerken“ etwa bei den Krankenkassen oder dem Hausärzteverband, „um nicht weitere Zeit zu verplempern“, wie er sagt. „Denn es muss eine Therapie geben, um Menschen nicht in Stich zu lassen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können oder trotz Impfung schwer erkranken.“

Kommentar zum Thema

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Die Corona-Medikamenten-Initiative von Tobias Reiß

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Kommentare

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Martin Pfeifer

Medikamente gegen die Folgen einer Corona-Infektion wurden nicht nur in der Oberpfalz entwickelt. Aus Zeitungsberichten der regionalen Presse ist mir ein weiteres Unternehmen in Braunschweig bekannt, das auch ein Medikament bis zur Zulassungs-Studie gebracht hat. Dafür gab es auch keine Förderung. Es erscheint mir so, das die Verantwortlichen im Bundes-Gesundheitsministerium einseitig auf die Impfung gesetzt haben und immer noch setzen.

Das ein Medikament gegen die Folgen der Corona-Infektion unser Gesundheitssystem entlastet und vor allem den schwer Erkrankten einen langen Aufenthalt in der Klinik und die anschließende Reha erspart, dürfte klar sein.

Mir ist nicht verständlich, warum die Verantwortlichen so einseitig auf die Impfung gesetzt haben. Kamen die Medikamente einfach nur zu spät? Ansonsten war - zumindest verbal - Geld zur Linderung der Folgen der Corona-Pandemie (fast) überall kein Problem.

25.08.2021