17.12.2018 - 17:47 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Auf dem Weg zum Abitur über die Alpen

"Plötzlich sind die Gipfel vor Dir weg." Für Schülerin Luisa Spöth vom Kepler-Gymnasium Weiden war das der besondere Moment bei der Alpenüberquerung, an dem sie realisiert hat, dass sie es geschafft hat.

von Uwe Ibl Kontakt Profil

Die 17-Jährige aus der Q 12 war dabei, als 15 Kepler-Gymnasiasten mit den Lehrern Daniela Müller-Baltzer und Christoph Hegenbart im P-Seminar Sport von Oberstdorf nach Bozen wanderten. Aluflaschen, zwei bis drei Kilogramm Verpflegung, mehrere Messer, Rettungsseil, Klamotten auch für kaltes Wetter - "zwei Wochen vor der Tour hat es in den Bergen geschneit" - hatte Aaron Kapornyai auf dem Rücken. Der Altenstädter lief die ersten Etappen immer am Ende der Gruppe. "Ich hatte den mit 16 Kilogramm schwersten Rucksack, Schmerzen beim Aufstehen und beim Laufen." Den Freunden und Verwandten zu Hause erzählte er nach der Tour, dass er unterwegs seine Grenzen erfahren habe. Und auch, dass es von Tag zu Tag besser gegangen sei. "Die Abende waren sehr schön."

Ähnlich erlebte auch Nils Niemann die Alpenüberquerung. "Ich habe meine Grenzen gefunden und wie es ist, sie zu überschreiten." Nach drei Tagen fühlt sich der 18-jährige Irchenriether kraftlos. "Dann habe ich immer mehr Kraft bekommen und hätte am Ende noch weiterwandern können." Super sei schließlich die Feier am Abschlussabend in Bozen gewesen.

Nach sieben bis acht Stunden auf engen Kammpfaden, durch Geröllfelder und auf breiten Almwegen spürt Luisa ihre Muskeln beim Treppensteigen in der Hütte. "Der Körper regeneriert sich über Nacht." Fasziniert war es zu erfahren, wie gut man am nächsten Tag trotzdem weiter läuft und sieht, "zu was man fähig ist."

Ganz knapp unter der 3000-Höhenmeter-Marke erreicht die Gruppe am Pitztaler Jöchl den höchsten Punkt der sieben Etappen. Als sie oben auf diesem Berg stehen, ahnen die Kepler-Wanderer noch nicht, dass sie an diesem Tag erst nach zwölfeinhalb Stunden den Rucksack absetzen würden. Proviant für die Übernachtung auf einer Selbstversorgerhütte wollten die Oberpfälzer eigentlich unten bei der Taldurchquerung kaufen. Dafür ist es zu spät, die Tagesetappe schon absehbarer länger als die veranschlagten neun Stunden.

"Die Strecke an diesem Tag war eine Qual", erinnert sich Niels Niemann. "Mehr als zehn Stunden möchte ich nicht mehr gehen. Da ist man nur noch am Meckern." Man sehe, wie schnell man an seine Grenzen kommt, stimmt Luisa zu. Aber auch, nach wie kurzer Zeit man sich wieder zusammenraufe: "Wir haben auf einer Hütte kurz vor dem Ziel gegessen und dort eine Ziege angemeckert, weil alle so schlecht drauf waren", beschreibt die Weidenerin lachend die Situation.

"Macht ihr wirklich eine Alpenüberquerung?" ernteten die Schüler schon auf der Zugfahrt nach Oberstdorf anerkennende Fragen für ihr Vorhaben, mit dem sie auf extra gedruckten T-Shirts warben. Der Nieselregen am Beginn der Tour schmälert in keiner Weise die Aussage von mega gutem Wetter unterwegs. Ein junger Wanderer hält trotz vieler Blasen und geschwollenem Fuß bis zum Ende durch. "Er hat getapt und jeder hat mit Gels, Salben und Aaron mit Schwedenkräutern ausgeholfen", beschreibt Luisa den Zusammenhalt in der Gruppe.

"Kuschelig" nennt sie die Hüttenübernachtungen. "Das ging echt super. Da hat sich niemand gezofft."Als Vegetarierin war die Weidenerin positiv überrascht vom Essen in den Bergen. "Wir hatten eine Veganerin dabei, die hat auch überall etwas bekommen." Spätestens um 23 Uhr war Ruhe. "Da war man so platt." Die Nacht endete um 6 Uhr, Abmarsch war zwischen 7 und 8 Uhr.

Die Lehrer hätten unterwegs gewirkt wie Mitschüler. "Es lief alles auf persönlicher, fast freundschaftlicher Basis", berichtet Luisa. Die Schüler seien zuverlässig, kameradschaftlich gewesen. "So wie man es sich wünscht", geben Hegenbart und Müller-Baltzer das Kompliment zurück.

"Es war hart. Aber ich würde das nochmal machen", zieht Aaron ein persönliche Fazit, dem auch die anderen zustimmen. Für den 17-Jährigen ist die Alpenüberquerung Ansporn, sich nun auch in anderen, nicht sportlichen Bereichen anzustrengen und Grenzen zu überwinden. "Man sieht Bergsteiger im Fernsehen und denkt: Ich sterbe nach zwei Stunden", schmunzelt Nils. "Dann stehst Du selbst am ersten Gipfel und erzählst es den Freunden." Die konnten das kaum glauben. "Du schaffst das? Du liegst doch sonst dauernd nur rum?" Die, die dabei waren, sind sich einig: "Super, toll, hat Spaß gemacht." Statt einem Klassentreffen wollen sie die Tour in 10 oder 20 Jahren noch einmal zusammen gehen.

Abschlussabend:

Über die Erlebnisse bei der Überquerung der Alpen berichten die Schüler des P-Seminars bei einem Abschlusspräsentationsabend am Freitag, 11. Januar, um 19 Uhr im Kepler-Gymnasium.

Kommentar:

Auf Du junger Wandersmann

Wer in die Berge geht, trifft zahlreiche junge Leute auf den Pfaden und in den Hütten. Wer im Elbsandsteingebirge wandert, findet viele Studenten und Jugendliche, die zu Fuß unterwegs sind und die Tradition des Boofens, des Schlafens in der Natur unter freiem Himmel, pflegen. Wer in der Fränkischen Schweiz läuft, sagt auf Wegen und an Kletterfelsen nicht überwiegend zu Mitfünfzigern „Grüß Gott“, sondern zu einem großen Teil auch zu 20- bis 30-Jährigen.
Die nördliche Oberpfalz mit den angrenzenden Mittelgebirgen ist ein fantastisches Outdoor- und Trekkingrevier. Außerhalb der bekannten Pfade wie Waldnaabtal und Doost ist der Wanderer oft alleine unterwegs. Begegnet man anderen, sind es allerdings überwiegend Menschen, die den 50. Geburtstag bereits hinter sich haben. Bei jüngeren Leuten scheint das Sofa in der Region noch immer eine weit größere Anziehungskraft auszuüben, als die Wanderschuhe zu schnüren.
Umso positiver ist die erfolgreiche Initiative am Kepler zu sehen, die Jugend durch die Alpenüberquerung erfolgreich für das Wandern zu begeistern. Zuständig dafür wäre auch der OWV. Einige Ortsvereine tun das. Doch im großen und Ganzen erscheint der Waldverein als Zusammenschluss vieler Mitglieder, die mit ihm gealtert sind, statt als Initiative, die die Begeisterung für Natur, Heimat und gesundes Bewegen vor der Haustür auch beim Nachwuchs fördert.

Von Uwe Ibl

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