11.06.2020 - 17:35 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weiden: 200 Menschen gegen Rassismus

Breit verteilt auf der Wiese vor dem Pavillon im Max-Reger-Park treten Menschen gegen Rassismus ein. Kein abstraktes Thema, wie Redner aus Erfahrung berichten.

von Helmut KunzProfil

„Rassismus führt zum Verlust ihres Mitgefühls“, „Kein Platz für Rassismus“, „No Justice – No Peace“: Mit bunten Fahnen, Transparenten, Schilder und mahnenden Worten setzten am Donnerstagnachmittag 200 mehrheitlich junge und jugendliche Demonstranten vor dem Pavillon im Max-Reger-Park ein Zeichen gegen Ausgrenzung von Menschen anderer Hautfarbe. „Menschen anderer Herkunft werden immer noch beschimpft, bespuckt, geschlagen und als Unterrasse betrachtet“, brachte Sita Kraus vom „Rio Raum" die Stimmung auf den Punkt.

Kraus kritisierte nicht nur Benachteiligung von Menschen mit andersklingenden Namen bei der Job- und Wohnungssuche. Mit Blick auf Amerika: „Was ist normal daran, wenn Polizisten aufgrund von Racial-Profiling Gewalttaten verüben.“ Rassismus werde es immer geben, akzeptieren müsse man ihn aber nicht. Auch die Ignoranz in Teilen der Gesellschaft prangerte sie an.

Verletzende Witze

„Was wäre passiert, wäre der Mord an George Floyd nicht durch alle Medien gegangen?“ Der Fall wäre ohne mediales Interesse im Sande verlaufen. Da ein Wort an der falschen Stelle, hier ein unangebrachter Witz über Ausländer: „Das verletzt“, kam es häufig von der Rednerbühne.

Rednerin Immanuella Leo erzählte davon, wie sehr sie unter dem N-Wort leide. „Wenn die Leute wissen wollen, wo ich herkomme, dann assoziiere ich damit nicht, dass sie wissen wollen, woher ich stamme, sondern: Warum bist du schwarz?“ Der ihr entgegengebrachte Rassismus reiche bis in den Freundeskreis hinein. Oft würden sich Leute dabei gar nichts denken: „Aber das verletzt.“

Auch Hilal Bilge, deren Eltern als Gastarbeiter aus Ankara nach Deutschland gekommen sind, ist strukturellem Rassismus ausgesetzt, der nicht-weißen Personen in Deutschland noch immer das Leben schwer macht. „Auf einer Hochzeit wurde ich als die Quoten-Türkin vorgestellt.“ In der Türkei sei sie Deutschländer, hier in Deutschland Ausländerin. Warum? „Weil ich anders aussehe.“

"Halten Sie dagegen"

Johann Wührl von der Linksjugend: „Wir sind mit unserer Meinung nicht alleine. Wir denken alle das gleiche. Wir kämpfen alle für die richtige Sache.“ Auch Grünen-Stadträtin Laura Weber appellierte an die Anwesenden, ein Zeichen zu setzen. „Halten Sie dagegen, wenn Menschen wegen ihrer dunkleren Hautfarbe verbal angegriffen werden.“

„Ich spüre diesen subtilen Rassismus“, erzählte auch Matan Malka, dessen Vater vor 40 Jahren aus Israel nach Bayern gekommen ist. Als nur eines mehrerer Beispiele nannte er verschärfte Polizeikontrollen, sobald der Blick des Beamten auf sein Aussehen und seinen Ausweis falle. „Dann dauert die Kontrolle eben eine halbe Stunde lang, weil man bei mir Gras oder andere Substanzen vermutet." Dies sei er langsam leid. „Das ist einfach nur noch Schikane“. Organisiert wurde die friedliche Demonstration von Juso-Mitglied Tim Ramm.

Vermeintliche Komplimente wirken auf Snowboarderin Ihedioha rassistisch

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