06.04.2021 - 12:45 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weiden als Corona-Modellregion: So stehen die Chancen

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Deutschland diskutiert über einen Bundes-Lockdown. Weiden hofft auf weitere Lockerungen – als Modellregion. Wie realistisch ist das jetzt noch? Die Lage kurz vor der Entscheidung diesen Mittwoch.

Schnelltests in der Tübinger Fußgängerzone. Gibt es demnächst ähnliche Szenen in Weiden? Das soll sich diesen Mittwoch entscheiden.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

In Sachen Lockerungen dürfen die Weidener Geschäfte – dank mehrtägiger Inzidenz unter 100 – in dieser Woche schon mal kräftig üben. Jetzt hoffen die Händler, aber auch Gastronome und andere Geschäftsleute, auf mehr. Diesen Mittwoch soll in München die Entscheidung über die acht bayerischen Modellregionen fallen, in denen durch ein besonderes Schnelltest- und Schutzkonzept umfassende Lockerungen möglich wären. Bekanntlich hat auch die Max-Reger-Stadt dazu kurz vor Ostern ihre offizielle Bewerbung abgegeben. Allerdings gewinnt gerade die Diskussion über einen Bundes-Lockdown an Fahrt. Und sogar in der Vorzeige-Modellstadt Tübingen steht das Projekt angesichts steigender Inzidenzzahlen vor einem vorzeitigen Aus. Traut sich Markus Söder da noch, in ausgewählten Innenstädten Corona-Regeln außer Kraft zu setzen?

Weiden bewirbt sich als Modellregion

Weiden in der Oberpfalz

Landtagsabgeordnetem Stefan Oetzinger ist nichts Gegenteiliges bekannt. Demnach befindet das bayerische Kabinett am Mittwoch ab 10 Uhr über die Modellregionen, bei einer Pressekonferenz ab 13 Uhr soll die Entscheidung verkündet werden. Der Ruf nach insgesamt strengerem Lockdown einerseits und punktuell kontrollierte Öffnungen nach Tübinger Modell andererseits "schließen sich ja nicht aus", meint Oetzinger. "Die Frage ist natürlich, wann das in Kraft tritt." Möglicherweise verschiebe sich der Start der Testphase nach hinten. Ohnehin wäre er frühestens nächsten Montag, 12. April, denkbar. Der CSU-Mann: "Man braucht ja auch einen gewissen Vorlauf, um Teststationen einzurichten."

Hoher Erkenntnisgewinn spricht für Weiden

Die Chancen für Weiden? "Unverändert gut", meint Oetzinger. Wie Bürgermeister Lothar Höher ist er der Ansicht, "dass es nach den Eckdaten eigentlich direkt auf uns zuläuft". Trotz 100 Bewerbungen, aus denen die Staatsregierung auswählt. Der Abgeordnete nennt unter anderem die relativ hohe Impfquote von 15 Prozent und das Alleinstellungsmerkmal von 80 Prozent Arbeitsplätzen im Dienstleistungssektor. "Wenn ich einen hohen Erkenntnisgewinn haben will, muss ich möglichst unterschiedliche Städte in den Regierungsbezirken untersuchen." Ein Kriterium lautet, dass die Inzidenz zwischen 100 und 150 liegen soll. Könnte es Folgen haben, dass Weiden die Grenze seit Gründonnerstag an fünf Tagen in Folge unterbot? Oetzinger glaubt das nicht. Zumal der Dienstagswert auch wieder die 100er-Marke riss. Und entscheidender als die Schwankungen seien ohnehin die "Eckdaten insgesamt".

Umfangreiche Bewerbung

Diese hat die Stadt in ihrer Bewerbung zusammengefasst, die der amtierende Bürgermeister Höher in Abstimmung mit Oberbürgermeister Jens Meyer erarbeiten ließ. Zu den Angaben zählt eine Beschreibung der Umgrenzung der Innenstadt, auf die sich Geltungsbereich des Modellprojekts bezieht: die gesamte Fußgängerzone vom Wittplatz bis zum Schlörplatz, dazu die südlichen Gassen bis zum Park sowie im Norden alles bis zur Allee und zur Goethestraße. Die Bewerbung enthält zudem unter anderem Test- und Schutzkonzepte, Standortkriterien, mögliche Strategien zur Kontaktnachverfolgung sowie Protokolle von Sitzungen der beteiligten Arbeitsgruppen.

„Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung haben alles gegeben, damit wir noch vor Ostern mit unserem Antrag als Modellregion fertig geworden sind", wird Lothar Höher in einer Pressemitteilung zitiert. "Zudem laufen im Hintergrund bereits Vorbereitungen, wir haben eine Task Force eingerichtet und bereiten uns etwa auf den Betrieb von Teststationen vor. Weiden ist bereit für die Entscheidung der Landesregierung am kommenden Mittwoch.“

Künstlerischer Appell zum Impfen

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Weidener Bewerbung als Modellregion

  • Konzept: Eintritt überall nur mit tagesgenauem Test, Bestätigung der
    überstandenen Krankheit oder Impfnachweis.
    Teststationen unter anderem am Alten Rathaus, beim Unteren Tor und am Oberen
    Markt.
  • Tests: Die Mindestkapazität von rund 4000 Schnelltests pro Tag könne sichergestellt werden. Zusätzlich zum Testzentrum seien "Filialen" mit einer täglichen Testkapazität von jeweils bis zu 1200 denkbar. "Zwischen den Betreibern des NOC und der Firma Synlab wird eine Kooperation entstehen mit 750 bis 1.000 Testungen." Die Malteser böten sechs Testeinheiten à 200 Testungen am Tag an. Die Stadt habe zusätzlich im Bauhof 50.000 Tests eingelagert.
  • Erweitertes Hygienekonzept des Handels: Zutrittskontrolle mit beglaubigtem Schnelltest, Reduzierung der Kundenanzahl (ein Kunde pro 20 Quadratmeter Verkaufsfläche), Selbsttests der Mitarbeiter.
  • Digitale Kontaktpersonendatenerfassung per "Luca-" oder "Darf-ich-rein-App" in Vorbereitung. Das Gesundheitsamt könne die Nachverfolgung bei einer Inzidenz zwischen 100 und 150 garantieren.
  • Tägliche Berichterstattung über das Infektionsgeschehen in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt.
  • Impfzahlen: In Stadt und Landkreis waren zum 31. März insgesamt 22.654 Bürger erst- und 7289 zweitgeimpft.
  • Struktur der Wirtschaftszweige in Weiden: Schwerpunkt auf Handel, Gastronomie und Dienstleistungen mit fast 80 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in diesem Bereich.

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