07.02.2021 - 12:40 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weiden: Planung für Pestalozzi-Mittelschule passt

Planer und Baudezernat durchkämmen alle Posten, um die Bausumme beim Projekt Pestalozzischule zu senken. Detailliert tragen sie die Ergebnisse dem Bauausschuss vor. Und der entscheidet dann ganz anders als erwartet.

Im Süden stellt sich der 84 Meter breite und fast 14 Meter hohe Erweiterungsbau vor die Pestalozzi-Schule. Der Neubau erhält eine robuste hellbraune Klinkerfassade, die als besonders wartungsarm gilt.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Geduld und eine gehörige Portion Sitzfleisch fordert die Diskussion um die Einsparvorschläge für die Generalsanierung und Erweiterung der Pestalozzischule im Bau- und Planungsausschuss. Im Juni 2020 hatten die Stadträte das Baudezernat sowie das Planungsteam beauftragt, Einsparvorschläge zu erarbeiten. Ein halbes Jahr lang wurde jeder Posten geprüft, quasi jeder Stein umgedreht, um diesen Auftrag zu erfüllen.

Kosten gut geschätzt

Nun stellen Baudezernent Oliver Seidel sowie Angelika Greßmann und Silvia Jäger vom Regensburger Planungsbüro dp-Architekten Greßmann Söllner Partnerschaft mbB die Ergebnisse vor. "Wir haben die ganze Planung nochmal durchforstet und dabei alles auf den Kopf gestellt", betont Angelika Greßmann. Zugleich erläutert sie mit Silva Jäger die Entwurfsplanung.

Sieben Vorschläge mit einen Einsparpotenzial von insgesamt 472 000 Euro liegen schließlich vor. "Wir haben viel mehr untersucht, sind aber auch schnell an die Grenze des Möglichen gestoßen, wenn man die Funktion der Schule erhalten will", betont Seidel. Er erklärt, dass die kleine Differenz zwischen Kostenschätzung von 36 617 409 vom Sommer 2020, mit der Kostenberechnung von nun 37 441 700 Euro von einer sehr zielorientierten Planung zeuge. Denn allein die Baupreissteigerung führe zum Plus vom 437 409 Euro. Die tatsächlichen Mehrkosten lägen also nur bei 386 882 Euro. Bei anderen Projekten läge die tolerierbare "Streuung" zwischen Kostenschätzung und -berechnung bei bis zu 30 Prozent.

Eigener Strom

Die tatsächlichen Mehrkosten hatten sich zum Beispiel dadurch ergeben, dass Leckagen im Dach des Bestandsbaus entdeckt wurden, die behoben werden müssen. Auch muss die Turnhalle eine neue Ausstattung erhalten. Bisher war vorgesehen, sie aus den vorhandenen Beständen einzurichten.

In der Diskussion folgt eine Überraschung auf die andere: Schon beim ersten großen Posten, dem Wegfall der Photovoltaik-Anlage, der eine Einsparung von 373 000 Euro gebracht hätte, wollen die Stadträte nicht mitgehen. Hier hatte die Verwaltung argumentiert, dass man die Anlage als eigenständiges Projekte nachziehen könne. Schließlich spricht sich nur Stefan Rank dafür aus, die Dächer an eine Strom-Bürgergenossenschaft für eine PV-Anlage zu vermieten. Alle anderen folgen dem Vorschlag von Fachplaner Andreas Kastl (Büro Heitzer, Regensburg), die rentabelste Variante zu wählen und alle Dächer -bis auf das der Mensa - mit PV zu belegen. Einschließlich Stromspeicher und Brandschutz fallen dafür 255 000 Euro an, die sich aufgrund der Eigeneinspeisung in 18 Jahren amortisieren.

Elf Millionen Eigenmittel

Hans Sperrer (CSU) leitet den großen Stimmungsumschwung ein, indem er auf die Berechnungen der Planer und des Baudezernats verweist, dass die Stadt mit etwa 11 Millionen Euro Eigenanteil das Projekt Pestalozzischule stemmen kann. Mussten sich die Planer bisher stets mit kritischen Nachfragen auseinandersetzen, wird nun von Hildegard Ziegler, Gerald Bolleininger (SPD), Alois Lukas (CSU), Stephan Rank (Bürgerliste) und Gisela Helgath die tolle Arbeit der Regensburger Architekten gelobt.

Schnell ist der Wille, zu streichen und die Kosten zu drücken, über Bord geworfen. Weitere Sparvorschläge, die Arbeit eines halben Jahres, werden abgelehnt.

Paradebeispiel für Beschäftigung

Nach einem guten Dutzend Wortmeldungen reißt schließlich auch der Geduldsfaden von Oberbürgermeister Jens Meyer. Der Auftrag, Einsparpotenziale zu suchen und darzustellen, habe sich zu einem Paradebeispiel dafür entwickelt, wie die Stadträte die Stadtverwaltung beschäftigen, weil ihnen das Vertrauen in die Planer fehle. "Ich frage mich wirklich, warum wir diese Schleife gemacht haben!"

Die Planer erfüllten für die Stadt eine treuhänderische Funktion, unterstreicht abschließend Baudezernent Oliver Seidel. Jeder der am Projekt Beteiligten nehme das Thema Kostensteuerung sehr ernst. Die Kostenkontrolle, die etwa Stefan Rank mehrmals angemahnt habe, sei in den Aufgaben der Architekten enthalten.

Das Projekt rollt nun doch weiter: Die Planungen werden - auf Basis des vorgestellten Entwurfes - mit der Ausführungsplanung, der Vorbereitung der Vergabe und der Mitwirkung bei der Vergabe von den Architekten fortgeführt.

Hintergrund:

Lange Bauphase

  • Bis weit ins Jahr 2027 müssen Schüler und Lehrer der Pestalozzi-Mittelschule mit der Baustelle leben. Die Nutzfläche der Schule wird nach Meinung des Bauausschusses nahezu verdreifacht.
  • Im ersten Bauabschnitt werden die Übergänge und Anschlüsse für den Erweiterungsbau im Süden des Bestandsgebäudes geschaffen.
  • Von März 2022 bis Juni 2024 wird er Erweiterungsbau erstellt
  • Von Sommer 2024 bis Anfang 2027 wird der über 80 Jahre alte Bestandsbau saniert.
  • Zwischen 2024 und 2026 ist der Neubau der neuen Turnhallen vorgesehen.
  • Den Abschluss des Großprojekts bilden der Abbruch der noch bestehenden Turnhalle sowie die Gestaltung der Außenanlagen.
  • Die Gesamtkosten liegen (derzeit) bei über 37 Millionen Euro.

Die Planer legen einen umfangreichen Einsparplan vor

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