10.08.2018 - 14:40 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weiden auf Stromimport angewiesen

Auch in Zukunft wird der Strom aus der Steckdose kommen, prognostiziert ein Experte. Doch vieles wird sich ändern. Nicht alles wird dem Endverbraucher gefallen. Von dezentraler Energieversorgung ist die Stadt noch weit entfernt.

In Weiden besteht ein großer Bedarf nach zusätzlichen dezentralen erneuerbaren Energien, erläutert der Energiewirtschaftsmanager Thorsten Witzer in seinem Vortrag.
von Siegfried BühnerProfil

(sbü) Stadt- und Kreisverband der Freien Wähler hatten zur Vortrags- und Diskussionsveranstaltung über die zukünftige Energieversorgung in Weiden eingeladen. Die Trends im Energiebereich der Stadt zeigte im Vortrag Energiewirtschaftsmanager Thorsten Witzer auf. Vorsitzender Bernhard Schlicht begrüßte die Gäste im Betriebsgebäude der Stadtwerke Weiden.

Eine zentrale Ausgangsbedingung für die kommenden Jahre formulierte Stadtwerke-Vorstand Johann Riedl: "Die nördliche Oberpfalz muss auch in Zukunft Strom importieren. Deshalb ist der Ausbau der dezentralen Stromerzeugung sehr wichtig." Riedl blickt dabei nicht nur auf den Stromverbrauch, sondern auch auf Heizungswärme und prognostizierte: "Quartierskonzepte werden kommen." Wärmeversorgung für größere Gebäudeeinheiten sei "effizienter als jede Hausheizung". Solarenergie-Nutzung im Privatbereich sollte weiter zunehmen.

1100 dezentrale Erzeuger

Derzeit gibt es rund 1100 dezentrale Erzeuger erneuerbarer Energie im Stromnetzbereich Weiden. Zusätzliche größere Photovoltaik-Parks erwartet Riedl dagegen nicht. Im Expertenvortrag beruhigte Witzer einerseits: "2020 wird die Spitze im Endkunden-Strompreis erreicht sein." Weniger erfreulich für Verbraucher dagegen die Aussage: "Die Preise werden vom Verbrauchszeitpunkt abhängen." Momentan führe an der Strombörse die Überproduktion noch zu negativen Preisen.

Weitere Unbequemlichkeiten für den Verbraucher prognostizierte Witzer, darunter "Lastgangmessung im Tarifkundenbereich ab einem Verbrauch von 6000 Kilowattstunden jährlich" sowie "Fahrverbote für konventionelle Fahrzeuge mit hohem Schadstoffausstoß". Der Stromverbraucher werde zum "Prosumer, der am Energiemarkt agiert" werde. Gezeigt wurde das Bild eines Einfamilienhauses mit Photovoltaik, Solarstromspeicher und Wechselrichter. Eine Energiemanager-Anlage steuert Haushaltsgeräte, Beleuchtung und Elektroauto-Aufladung.

Dieses Verbraucherbild erwartet Witzer bereits in der nach seiner Definition derzeit laufenden zweiten von vier Umstellungsphasen auf den Endzustand "100 Prozent erneuerbare Energie". Auf jeden Fall müsse Produktion und Stromverbrauch stärker in Übereinstimmung gebracht werden ("Überschüsse gehen in Verkehrssektor und Speicher"). Zusammenfassend besteht für Witzer die Zukunft im Energiemarkt in den Kernelementen Nutzung erneuerbarer Energie, Energieeffizienz und Einsparung sowie der Elektrifizierung des gesamten Energiesystems.

Keine Energieautonomie

In der Diskussion wurde die Städte Weiden und Neumarkt verglichen. In Neumarkt spricht man regelmäßig von "eigener Energieautonomie" und meint damit, dass wertmäßig die Summe der im Stadtbereich dezentral erzeugten regenerativen Energie dem gesamten örtlichen Energieverbrauch entspreche. Rainer Sindersberger, Verwaltungsrat der Stadtwerke Weiden, bezog sich auf OTH-Professor Magnus Jäger, der für Weiden einen Anteil der regenerativen Energie lediglich von 20 bis 30 Prozent errechnet habe.

Sindersberger erinnerte daran dass "das Projekt sieben Windräder für Weiden" nicht realisiert werden konnte. Lob gab es von Sindersberger für die Stadtwerke ("ein Glücksfall"). Die Gewinne würden an die Bevölkerung zurückgegeben. Wenn es voraussichtlich ab dem Jahr 2025 bei den Elektroautos einen "Sprung nach oben gebe", brauchen die Stadtwerke "das intelligente Netz". Dass die Stadtwerke eine andere Ausrichtung hätten "als große Aktiengesellschafter und Industrieversorger" bestätigte Vorstand Riedl.

Der Vorsitzende der Freien Wähler, Bernhard Schlicht (links), bedankte sich bei Thorsten Witzer (Mitte) für den Vortrag. Mit dabei auch der Verwaltungsrat der Stadtwerke, Rainer Sindersberger, der den Abend organisiert hatte.

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