09.03.2021 - 15:16 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weiden sucht Plan B für Gewerbe-Bauland

Kopf hoch, Blick nach vorn. Der Weidener Stadtrat versucht aus den Bürgerentscheiden zu lernen, die die Planungen für das Gewerbegebiet Weiden-West IB beenden. Er sucht Ersatz für die bislang als alternativlos geltende Fläche.

Das Aktionsbündnis Walderhalt war bei den Bürgerentscheiden erfolgreich. Die Stadt stellt deshalb alle Arbeiten für das geplante Gewerbegebiet West IV ein. Zugleich aber startet der Stadtrat die Suche nach kleineren Flächen, die für siedlungswillige Betriebe intessant sein können. Dabei hilft künftig auch ein "runder Tisch" als Beratungsgremium.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Kopf hoch, Blick nach vorn. Der Weidener Stadtrat versucht aus den Bürgerentscheiden zu lernen, die die Planungen für das Gewerbegebiet Weiden-West IB beenden. Er sucht Ersatz für die bislang als alternativlos geltende Fläche - mit neuen Ideen.

Das Signal der Bürgerentscheide sei eindeutig, bekennen OB Jens Meyer, Baudezernent Oliver Seidel sowie die Sprecher der Fraktionen und Ausschussgemeinschaften, die West IV mitgetragen hatten. Der Stadtrat beschließt am Montag einstimmig, alle Planungen zu stoppen. West IV fliegt aus der Standortalternativenprüfung. Auch der Flächennutzungsplan wird wieder entsprechend geändert. West IV wird es auf lange Sicht nicht geben: Die Bauleitplanung werde komplett eingestellt. Dies unterstreicht Jens Meyer: West IV spiele keine Rolle mehr. Der Bedarf an Gewerbefläche habe sich aber nicht verändert. Beim nötigen Plan B soll ein runder Tisch helfen. Diesen beschließen die Räte ebenfalls einstimmig.

Tief enttäuscht zeigen sich Benjamin Zeitler (CSU) und Roland Richter (SPD) in der Diskussion. Mit dem Scheitern von West IV habe Weiden eine wichtige Entwicklungsperspektive verloren, so der CSU-Fraktionschef. "Wir müssen nach dem Warum dieser Entscheidung fragen, über die tieferen Gründe reden. Wie wollen wir denn künftig noch Großprojekte umsetzen?" Nun seien in Weiden nur noch kleine Gewerbebauflächen möglich. "Ein Flickwerk." "Und wir dürfen uns nicht wieder viele Jahre Zeit nehmen. Bitte nicht wieder ein theoretisches Konzept."

2,2 Millionen Euro abschreiben

Die Stadt müsse 2,2 Millionen Euro "Vorhaltekosten" für West IV abschreiben, gesteht SPD-Fraktionssprecher Richter. "Wir bekommen eine Alternativenprüfung, die nicht den besten Standort aufzeigt." Gleichwohl gelte es nach Flächen zu suchen, zu klären, welche Restriktionen und Besitzerstruktur sie aufweisen, wo Brachflächen revitalisiert, wo Altlasten beseitigt, oder interkommunale Gewerbegebiete geschaffen werden könnten. "Wir wollen nicht wieder eine Endlosplanung", warnt Richter. Die wichtigste Erkenntnis sei aber, dass die Stadt ihre Bürger bei ihren Planungen mitnehmen müsse.

Helmut Schöner (DÖW) und Karl Bärnklau (Grün.Bunt.Weiden), die das Aktionsbündnis Walderhalt unterstützten, danken den Wählen und sprachen von guten Entscheidungen, die zeigten, dass Weiden die Weichen für eine ökologische Wirtschaftsweise stellen müsse. "Wir müssen strukturell etwas ändern", fordert Bärnklau. Bernhard Schlicht (Freie Wähler) und Manfred Schiller (AfD) betonen die Bedeutung von Gewerbebauflächen für die Stadtentwicklung und wollen, dass nach dem Ausfall von West IV, die zweit- oder drittbeste Alternative angepackt wird.

Lösung mit der Region

Kleinteilige Gewerbegebiete könnte nicht die großen Probleme der Stadt bei Betriebserweiterungen oder -ansiedlung lösen, bekennt Bürgermeister Lothar Höher (CSU). Um das Gewerbesteueraufkommen zu stabilisieren, brauche die Stadt neben den Dienstleistern deutlich mehr Industriebetriebe. Er sei vor zehn Jahren "verprügelt" worden, als er von der Schaffung eines Großlandkreises Nordoberpfalz sprach, erinnert er. Aber ohne engere Zusammenarbeit mit Neustadt und Tirschenreuth könne die Stadt ihre Aufgaben als Oberzentrum nicht erfüllen. "Mit 45000 Einwohnern können wir das niemals stemmen. Allein sind wir ein Fliegenschiss auf der Landkarte, gemeinsam aber größer als Luxemburg!"

Auf Nachfrage von Christian Deglmann (Bürgerliste) bestätigt Baudezernent Seidel, dass die "Ertüchtigung" der Einmündung der Dr.-Müller-Straße in die B 470 im Fokus bleibe. Hildegard Ziegler (SPD) deutet an, dass sich die Stadt stärker auf dem Grundstücksmarkt engagieren müsse. "Wir müssen an Dinge ran, die wir bisher nicht gemacht haben." Dazu Bärnklau: Flächeneigentümer könnten mit Wohnbauland "entschädigt" werden: "Immobilie gegen Immobilie".

Das erfolgreiche Aktionsbündnis Walderhalt unterstützt die Stadt Weiden bei der Flächensuche

Weiden in der Oberpfalz

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.