17.07.2019 - 14:05 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weiden: Urlaub nehmen für die Stromtrasse

Mit rund 2300 Einwendungen gegen den Süd-Ost-Link befasst sich die Bundesnetzagentur nächste Woche in Weiden. Die betroffenen Bürger dürfen vorbeischauen. Doch wann genau – das wissen sie nicht.

BI-Mann Josef Langgärtner kritisiert das Verfahren zum Süd-Ost-Link als nicht transparent.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Dass der Süd-Ost-Link umstritten ist, lässt sich schon allein an dieser Zahl ablesen: 2300. Ungefähr so viele Einwendungen und Stellungnahmen seien zum "Abschnitt C des Süd-Ost-Links" eingegangen, teilt die Bundesnetzagentur mit. Kein Wunder - es geht immerhin um ein Gebiet von Hof bis Schwandorf. Und Bedenken gegen das Projekt gibt es entlang der 140-Kilometer-Strecke viele: wegen Eingriffen in die Land- und Forstwirtschaft, möglicher Gesundheitsrisiken oder der Angst, dass Immobilien an Wert verlieren.

All das gelangt auf den Prüfstand, wenn die Bundesnetzagentur zunächst am Dienstag, 23. Juli, in der Max-Reger-Halle mit den Vorhabenträgern Tennet und "50 Hertz" sowie den Bedenkenträgern zusammenkommt. Das Treffen ist nicht-öffentlich, doch teilnehmen und sich äußern darf jeder, der eine Stellungnahme abgegeben hat. Theoretisch.

In der Praxis wird's für den Einwender schwierig, genau dann anwesend zu sein, wenn sein Anliegen an der Reihe ist. Völlig unklar ist nämlich, in welcher Reihenfolge und wie zügig die 2300 Stellungnahmen erörtert werden. Wie die Sprecherin der Bundesnetzagentur, Ulrike Platz, erklärt, würden die Einwendungen thematisch zusammengefasst. Es sei "nicht abschätzbar, wie viele Redebeiträge je Thema erfolgen werden". Beginn ist um 9 Uhr, das Ende offen. Und: Die Bundesnetzagentur behält sich vor, die Erörterung bei Bedarf am 24.. 25. und 26. Juli fortzusetzen.

Was bedeutet das für einen Einwender? Eigentlich müsste er für vier Tage Urlaub nehmen, sich ab Dienstag tagtäglich in die Max-Reger-Halle setzen - und geduldig auf seinen Einsatz warten. "Eine Zumutung", schimpft Josef Langgärtner von der "Bürgerinitiative Landkreis Neustadt/WN und Weiden gegen die Monstertrassen". Seiner Meinung nach führt der geplante Ablauf die Öffentlichkeitsbeteiligung ad absurdum. Dem Erörterungstermin mangle es an Transparenz. "Wie dem gesamten Verfahren."

BI-Mann Langgärtner selbst will dem Treffen am Dienstag bis Mittag beiwohnen, "dann habe ich einen beruflichen Termin". Bereits um 8 Uhr steht er mit Gleichgesinnten vor der Halle, um zu demonstrieren. Der Protest zielt dabei auch auf das Drumherum des Erörterungstermins ab: Zwei Eltern mit Transparent sollen beispielhaft für Hunderte andere stehen, "die für heute keinen Urlaub nehmen konnten".

Nach Langgärtners Ansicht verpassen die allerdings auch nicht viel. "Wir glauben nicht, dass auch nur ein einziger Einwendungspunkt berücksichtigt wird", bekennt der Parksteiner. Bundesnetzagentur und Tennet seien "ein Herz und eine Seele", obwohl erstere doch Bürgerinteressen schützen sollte. Die Bürgerinitiative kämpfe nun dafür, dass sich der hinsichtlich der Stromtrassen der "politische Wille ändert". Und sie will alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen. Ein Ansatzpunkt: Die Variante "Stromtrasse an der Autobahn" sei im Verfahren nicht ausreichend geprüft worden.

Sicher ist auch das Gegenstand von mindestens einer der 2300 Einwendungen. Übrigens erwartet die Bundesagentur nicht annähernd so viele Teilnehmer in Weiden: Bisher hätten sich gerade mal 100 angemeldet.

Erörterungstermin Süd-Ost-Link:

Keine Anmeldung nötig

Am Erörterungstermin am Dienstag, 23. Juli, kann jeder teilnehmen, der für den Abschnitt C des Süd-Ost-Links (Raum Hof – Raum Schwandorf) eine Stellungnahme abgegeben hat. Zwar rief die Bundesnetzagentur zur Anmeldung auf. Zur Teilnahme reicht allerdings das Vorzeigen des Personalausweises in der Halle aus. Der Erörterungstermin für Träger öffentlicher Belange und Vereinigungen folgt eine Woche später am 30. Juli. (rg)

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