13.02.2020 - 12:06 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weiden-West IV: Sichere Planung wichtiger als rascher Baubeginn

Die Argumente für und gegen die Errichtung des Industriegebiets West IV sind längst bekannt. Bei der Informationsveranstaltung über den aktuellen Sachstand prallen sie erneut aufeinander.

Baudezernent Oliver Seidel zeigt die Planungsentwürfe für West IV.
von Siegfried BühnerProfil

Die Diskussion über das geplante Industriegebiet West IV verlief recht erregt. Baudezernent Oliver Seidel und Wirtschaftsförderer Nicolas Lahovnik wurden bei ihren Vorträgen vielfach durch Zwischenrufe und emotional vorgetragene Fragen unterbrochen. „Aktueller Sachstand zu Weiden-West IV“ lautete das Thema, zum dem die SPD Weiden-West/Vorderer Rehbühl eingeladen hatte.

Stadtrat Gerald Bolleininger und Ortsverbandsvorsitzender Herbert Hammer leiteten die Diskussion. Beide waren intensiv damit beschäftigt, damit der Hauptreferent Seidel seinen Vortrag vollständig zu Ende bringen konnte. Gegner und Befürworter von West IV formulierten zum Teil auch emotional ihre jeweilige Position. Helmut Schöner von der ÖDP meinte „das Ökosystem Wald ist nicht ersetzbar“. Andere bezweifelten, dass genügend Interesse von arbeitsplatzschaffenden Betrieben am Erwerb von Industriegelände bestehe. Unternehmerin Marion Bergler verwies auf den Widerspruch zwischen der maximalen Gebäudehöhe im Industriegebiet von 25 Metern und dem allgemeinen „Verdichtungstrend“, der Hochbauten empfiehlt. Hingewiesen wurde auch, dass auch die völlig neu gestaltete Verkehrsführung im Zugangsbereich mit zwei Straßenebenen das zusätzliche Verkehrsaufkommen nicht fassen werde.

Artenschutz, Immissionsschutz, Wasserschutz, „Flächenfraß“, Gefährdung der Lebensqualität und Lärmbelästigung sind weitere Beispiele für Stichworte von zahlreichen Gegenargumenten. Vor allem wurde immer wieder gefordert, nach alternativen Flächen für das Industriegebiet auch gemeinsam mit dem Landkreis zu suchen. Zu hören war aber auch „Meine Kinder brauchen Arbeitsplätze“ und "Der betroffenene Wald ist ein einfacher Wirtschaftswald“.

Baudezernent Seidel beschrieb den gesamten Planungsablauf seit 2011 und hofft auf den endgültigen Abschluss von Bauleit- und Flächennutzungsplanung noch in diesem Jahr. Grundsätzlich stellte er fest: „Wir haben einen politischen Auftrag.“ Das Projekt könne eventuell auch schrittweise umgesetzt werden. Anhand von Schaubildern zeigte er die einzelnen Planungsbereiche. „Erst wenn wir Baurecht haben, kann die Erschließung beginnen.“ Dann könne auch der Wald von der Staatsforstverwaltung erworben werden. Die „Objektplanung“ laufe parallel. „Für mich ist das Ergebnis wichtiger als der Termin“, sagte Seidel und betonte: „Wir wollen, dass das Ergebnis belastbar ist."

Seidel begrüßte ausdrücklich die „bestehenden Regelwerke“, denn diese würden „Handlungsgrundlage“ schaffen. Und er versicherte, auch mit Hinweis auf den Artenschutz und die Expertise zahlreiche Fachexperten: „Wir beachten alle Regelwerke.“ Längst sei geprüft, ob alternative Flächen für die geplanten 70 Hektar insgesamt beziehungsweise 58 Hektar Netto-Bauland vorhanden sind. Fast immer scheitere dies an der Verfügbarkeit, ansonsten an den vorhandenen Flächenmaßen.

Wirtschaftsförderer Lahovnik versicherte: „Wir haben mehr als eine zweistellige Zahl konkreter Unternehmensanfragen“, darunter auch solche, die vergrößern wollen, „ansonsten Weiden verlassen müssen“. Der Quadratmeterpreis sei nur ein Argument unter vielen. Stadtrat und Verwaltung „schauen genau hin, wer kommt“. Dafür gebe es längst eine geprüfte Liste. Förster Wolfgang Winter erläuterte die Aufstellung der Nistkästen in der Umgebung als Alternative für die Fledermausarten. Als auch Vorwürfe an die SPD als Partei formuliert wurden, griff SPD-Fraktionsvorsitzender Roland Richter in die Diskussion ein. „Wir fühlen uns der an die 70-prozentige Zustimmung im Bürgerentscheid gebunden.“ Viele falsche Zahlen würden umher schwirren. Auch ein gemeinsames Industriegebiet mit dem Landkreis greife in die Ökosysteme ein. „Wir planen doch nicht, wenn wir nicht sicher über den Bedarf sind.“ Der Stadtrat musste entscheiden, „auch in Abwägung zwischen Natur, Mensch, Tier und Wirtschaftsentwicklung“. Um eine „differenzierte Planung geben wir uns Mühe“. Aber „vom Argument der Wald muss weg, werden wir uns nicht lösen können“.

Baudezernent Oliver Seidel und Wirtschaftsförderer Nicolas Lahovnik erläutern den Planungsstand West IV.
Akteure der Informationsveranstaltung zum Planungsstand West IV sind (von links) SPD-Stadtrat Gerald Bolleininger, Ortsverbandsvorsitzender Weiden-West Herbert Hammer, Wirtschaftsförderer Nicolas Lahovnik, Baudezernent Oliver Seidel, SPD-Stadträtin Sabine Zeitler und Förster Wolfgang Winter.
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