20.12.2018 - 19:46 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weidener bauen neue Schwebefähre in Rendsburg

Die Schwebefähre über den Nord-Ostsee-Kanal ist das Rendsburger Wahrzeichen. Seit einem Unfall vor zwei Jahren liegt sie beschädigt auf dem Betriebshof des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes. Die Fähre soll wieder fahren - mit Hilfe aus der Oberpfalz.

Die Hochbrücke mit der Schwebefähre über den Nord-Ostsee-Kanal bei Rendsdurg.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Seit einem Unfall vor zwei Jahren ist die mehr als 100 Jahre alte Schwebefähre von Rendsburg nicht mehr zu gebrauchen. Eine Reparatur ist nicht möglich. Trotzdem soll die Fähre ab dem Jahr 2020 wieder die beiden Ufer des Nord-Ostsee-Kanals verbinden. Den Zuschlag zum Bau einer neuen erhielt ein Weidener Maschinenbauunternehmen: die Hermann GmbH Maschinenbautechnologie. Den millionenschweren Auftrag erteilte das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt in Kiel-Holtenau. Auf rund elf Millionen Euro veranschlagt das Amt die Kosten für den Neubau.

"Eine Schwebefähre kauft man nicht von der Stange. Ich freue mich deshalb sehr, dass wir jetzt mit der Firma Hermann GmbH Maschinenbautechnologie ein erfahrenes und leistungsfähiges Unternehmen beauftragt haben", sagte Rüdiger Schröder vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt laut Mitteilung. Da die Schwebefähre unter Denkmalschutz stehe, müsse das Erscheinungsbild der neuen der alten entsprechen. Das "Filigrane" der alten bleibe erhalten, verspricht das Amt. Die Fähre ist ein Unikat. Das Weidener Maschinenbauunternehmen mit seinen rund 200 Mitarbeitern liefert als "Generalunternehmer" den Stahlbau, Maschinenbau, Elektrotechnik und die Nachrichtentechnik.

Gegen drei Mitbewerber durchgesetzt

Hermann hatte sich nach Unternehmensangaben gegen drei Mitbewerber durchgesetzt. Vergabe, Planung und Entwurf dauerten demnach insgesamt 19 Monate. Es nicht der erste Auftrag, den die Oberpfälzer im Norden an Land ziehen. Vor knapp zehn Jahren hatte sich das Unternehmen den Auftrag zum Bau der neuen Kaiserschleuse in Bremerhaven gesichert. Die Tore, 58 Meter lang und 2200 Tonnen schwer, bewegen sich dank der Weidener.

Um solche Massen geht es bei der Schwebefähre, die an einer Eisenbahnbrücke hängend den Nord-Ostsee-Kanal überquert, nicht: Sie hat ein Gesamtgewicht von rund 85 Tonnen. Der Oberwagen, der mit seinen vier Antrieben über die Eisenbahnbrücke rollt, und an dem die Fährbühne hängt, wiegt rund 40 Tonnen. Die 14 mal 6 Meter große Bühne wiegt rund 40 Tonnen und kann bis zu vier Autos und 100 Personen transportieren. Sie soll im Juli 2020 fertiggestellt sein.

Seit 1914 in Betrieb

"Gemeinsam werden wir die Kanalufer unter der Eisenbahnhochbrücke für die Menschen in der Region wieder miteinander verbinden", sagte Schröder. Die Schwebefähre war im Jahr 1914 wegen der Eisenbahnhochbrücke erforderlich geworden. Damals war der Bahnhof Osterrönfeld wagen des nach oben auf die Brücke verlegten Gleises nicht mehr ans Bahnnetz angeschlossen. Die Schwebefähre sorgte dafür, dass der Bahnhof in Rendsburg für die Menschen südlich des Kanals erreichbar wurde. Sie wurde täglich von rund 1700 Fußgängern und Radfahrern genutzt. Am 8. Januar 2016 war sie mit einem Frachter zusammengestoßen.

Die Arbeiten zur Erneuerung der durch Abnutzung verschlissenen Schwebefährenschienen laufen laut der Kanalbehörde auch im Winter weiter. Die Erneuerungsarbeiten auf der Brücke umfassen ein Volumen von rund 5,5 Millionen Euro. Ausgetauscht werden der Unterbau der Schienen, die Schienenträger und die Konsolen, mit denen dieser an der Brücke befestigt ist. Diese Arbeiten sollen laut Schifffahrtsamt mit der Inbetriebnahme der neuen Schwebefähre abgeschlossen sein. Die alte Schwebefähre ist auf dem Bauhof der Kanalbehörde in Rendsburg sicher verwahrt. Das Amt zeigte sich offen für Vorschläge, wie die alte Schwebefähre verwendet werden könne.

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