27.11.2018 - 19:32 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weidener Bergsteiger knacken ihren ersten 7000er

Noch nicht ganz das Dach der Welt, aber schon mindestens die oberste Etage: Ein etwas anderer Pärchenurlaub bringt Bettina Gruber und Philipp Jander ganz hoch hinaus.

Der Gipfel: Bettina Gruber und Philipp Jander auf dem 7126 Himlung Himal. Im Hintergrund der 8000er Dhaulagiri.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

7126 Meter ist der Himlung Himal hoch, Bettina Gruber und Philipp Jander haben den Riesen im Himalaya trotzdem bestiegen Für den Aufstieg benötigten die beiden Weidener Bergsteiger noch nicht einmal künstlichen Sauerstoff. 25 Tage dauerte die Expedition, die Vorbereitung deutlich länger. Nachdem das Paar bereits auf mehreren 5000ern und 6000ern in Afrika und Südamerika stand, ging es nun um "den nächsten Schritt", wie Jander erklärt. Und dieser Schritt wollte gut vorbereitet sein. "Vor anderthalb Jahren haben wir begonnen, ein passendes Ziel zu suchen", sagt der 35-Jährige.

"Wir haben uns im kirgisischen Tian Shan, im pakistanischen Karakorum und im Himalaya umgesehen", ergänzt Gruber. Das nepalesische Gebirge sei dabei nicht der Favorit gewesen. Doch für die beiden Alternativen öffnet sich das Zeitfenster für Besteigungen von Juli bis August. Weil Philipp Jander sein Geld als Pilot verdient, gab es in der Hauptferienzeit schlicht nicht genug Urlaub.

Doch auch in Nepal fand sich schließlich ein lohnendes Ziel. "Wir wollten eine Expedition mit einer lokalen Agentur, mit kleinem, flexiblem Team. Und wir wollten in eine Region, in der es keinen Massentourismus gibt", erklärt Gruber. Auch wenn der Himalaya unter Bergsteigern längst als überlaufen gilt, gibt es auch dort solche Ziele, etwa den Himlung im Norden Nepals nahe der tibetanischen Grenze.

Mit zwei polnischen Bergsteigern und einem siebenköpfigen Team von Einheimischen startete die Expedition. Von Kathmandu ging es zwei Tage mit dem Geländewagen nach Nordwesten bis auf 2600 Meter Höhe. Im Ort Koto begann das Abenteuer zu Fuß. Eine Vier-Tage-Tour durchs Nar-Phu-Tal führte zum Basislager auf 4900 Meter. Das Tal ist für Touristen nur mit Genehmigung zugänglich, entsprechen unberührt präsentiert sich die Landschaft.

15 Tage Zeit

15 Tage blieben der Expedition für den Gipfel, so lange war das Lager gebucht. Die Sherpas richteten zunächst zwei Hochlager auf etwa 5400 und auf 6100 Metern ein, Jander und Gruber bereiteten sich mit Akklimatisierungstouren auf den Gipfelversuch vor. Um sich an die dünne Luft zu gewöhnen, ging es auf umliegende Hügel und zu den Hochlagern. "Wir haben dabei mehrfach Bergsteiger getroffen, die uns von gescheiterten Gipfelversuchen berichteten", erzählen die beiden. Extreme Kälte und starker Wind sorgten in diesem Herbst für ungewöhnliche Probleme. "Einige Bergsportler mussten wegen Erfrierungen sogar mit Helikoptern nach Kathmandu ausgeflogen werden", erzählt Gruber.

Die beiden Oberpfälzer verfolgten ihr Ziel trotzdem wie geplant: Am 24. Oktober begann der Aufstieg zum Gipfel. Nach einer Nacht in Lager eins und einer weiteren in Lager zwei ging es am 26. Oktober um 1:30 Uhr bei klarem Wetter in Richtung Gipfel. Nach zwei Stunden mit wenig Höhengewinn erreichten die beiden mit einem Sherpa auf 6400 Meter den Einstieg in die etwa 45 Grad steile Nordwestwand des Himlung. Etwa 500 Meter geht es auf Firn und Eis steil nach oben. Sherpas hatten in den Vortagen Seile angebracht. "Wegen eines Schneesturms am Vorabend war von den Fixseilen aber nichts mehr zu sehen", beschreibt Jander die Situation.

Weil Umkehren keine Option war, entschied das Paar, die ersten Meter in der Wand seilfrei zu gehen. Etwa 200 Meter unter dem Gipfel war die Wand bezwungen. Hier flachte der Aufstiegsweg ab. Die letzten 50 Höhenmeter waren in steilerem Gelände dann noch einmal die Eispickel gefragt. 10:32 Uhr zeigte die Uhr, als Philipp Jander den Gipfel erreichte, dicht gefolgt von Bettina Gruber und dem Sherpa. "An diesem Tag erreichten keine anderen Bergsteiger den Gipfel", erzählt Jander. Die beiden polnischen Kollegen mussten ihren Aufstieg bei minus 30 Grad und heftigem Wind abbrechen.

Lieber im Alpinstil

Nach 20 Gipfel-Minuten begann der Abstieg, gegen 16:30 Uhr war Lager zwei erreicht. Nach einer weiteren Nacht auf 6100 Metern ging es am folgenden Tag ins Basislager, am 1. November waren die beiden zurück in Kathmandu. In den Stolz des Gipfelerfolgs mischen sich aber zweifelnde Gedanken, gesteht Jander. "Wir sehen diese Art der Bergsteigerei mit Fixseilen durchaus kritisch." Das Bergsteigen "mit fremder Hilfe" sei unflexibel, man mache sich abhängig von den Sherpas. "Insgesamt fühlen wir uns im Alpinstil mit unserem eigenen Seil wohler."

Das gute Gefühl der gelungen Himlung-Expedition könne dieser Eindruck aber nicht trüben. Schließlich sei ihnen der Gipfel nicht geschenkt worden. "Vor allem wegen der Kälte war der Himlung ein sehr fordernder Berg", sagt Jander. Das zeige schon die große Zahl von Bergsteigern, die in dieser Herbstsaison gescheitert sind. "Wir sind beide sehr stolz, dass wir unter diesen Bedingungen unseren ersten 7000er geschafft haben."

Fitness und viel Vertrauen:

Die Fitness stimmt bei Bettina Gruber und Philipp Jander, langjähriger Ausdauersport sei Dank. Um sich auf die Expedition vorzubereiten setzten die beiden vor allem auf Radfahren und Laufen, im Winter Langlauf. Jander vergleicht den Aufwand mit der Vorbereitung eines Mitteldistanztriathlon. "Sehr wichtig sind Kräftigungsübungen für die Rumpfmuskulatur, damit der Rucksack keine Probleme macht."

Das bergsteigerische Know-how holten sich Gruber und Jander vor Jahren bei einem einwöchigen Ausbildungskurs. Wann immer möglich, verbringen sie seither Zeit in den Bergen, Erfahrung lässt sich durch nichts ersetzen. "Zu 95 Prozent gehen wir in einer Seilschaft, so klettern wir auf ähnlichem Niveau, kennen die Grenzen des anderen." Auf sehr anspruchsvollen Touren leisten sich die beiden einen Bergführer. "Da kann man meistens auch noch sehr viel dazulernen."

Ein Faktor sei die Höhe, auf diese könne man sich kaum vorbereiten. "Das Risiko einer Höhenkrankheit ist über 5000 Meter immer gegeben." Hier hilft nur die Erfahrung, wie der Körper auf die dünne Luft reagiert und entsprechend Zeit zur Anpassung. "Wir hatten drei Trekkingtage bis zum Basislager eingeplant, haben dann spontan um einen Tag zu verlängert, um die Anpassung zu verbessern.".

Himlung-Expedition von Bettina Gruber und Philipp Jander im Oktober 2018. Auf der Trekking-Tour zum Basislager
Himlung-Expedition von Bettina Gruber und Philipp Jander im Oktober 2018: Auf der Trekking-Tour zum Basislager
Himlung-Expedition von Bettina Gruber und Philipp Jander im Oktober 2018
Himlung-Expedition von Bettina Gruber und Philipp Jander im Oktober 2018. Auf der Trekking-Tour zum Basislager
Himlung-Expedition von Bettina Gruber und Philipp Jander im Oktober 2018. Auf der Trekking-Tour zum Basislager
Himlung-Expedition von Bettina Gruber und Philipp Jander im Oktober 2018. Das Basislager der Expedition.
Himlung-Expedition von Bettina Gruber und Philipp Jander im Oktober 2018
Himlung-Expedition von Bettina Gruber und Philipp Jander im Oktober 2018
Himlung-Expedition von Bettina Gruber und Philipp Jander im Oktober 2018
Himlung-Expedition von Bettina Gruber und Philipp Jander im Oktober 2018: Auf dem Gipfel mit dem 8000er Dhaulagiri im Hintergrund
Himlung-Expedition von Bettina Gruber und Philipp Jander im Oktober 2018
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