03.12.2021 - 14:04 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weidener Flieger wehren sich: „Nicht länger kommentarlos im Kreuzfeuer der Kritik“

Die Piloten sieht er als "uneinsichtige Hobbylärmmacher" verunglimpft. In der Diskussion um Lärmbelästigung meldet sich jetzt der Chef der Flugschule zu Wort – und nennt Argumente pro Flugplatz.

In einem offenen Brief nimmt Anton Moll Stellung zu den Vorwürfen gegen die Motorflieger am Flugplatz in Weiden-Latsch. Moll betreibt die Flugschule A. M. Flugwelt GmbH.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Die Forderungen reichen mittlerweile von geänderten Flugrouten über weniger Starts bis hin sogar zur Stilllegung des Flugplatzes in Latsch. Die Diskussion um Lärmbelästigungen durch Motorflieger gewann jüngst an Fahrt, nachdem das Thema auch im Weidener Stadtrat aufschlug. Jetzt melden sich die Flieger selbst zu Wort. In einem offenen Brief an Oberbürgermeister, Bürgermeister und Stadträte wehren sie sich dagegen, als "uneinsichtige Hobbylärmmacher" an den Pranger gestellt zu werden. "Wir haben in der Öffentlichkeit lange zu den Befindlichkeiten, Vorhaben und auch Vorwürfen der Bürgerinitiative Fluglärm (...) geschwiegen", erklärt Anton Moll, Inhaber der A.M. Flugwelt GmbH Weiden. Zugleich hätten die Flieger aber auch konstruktiv an Lösungen mitgearbeitet.

Das Thema Fluglärm sei der Flugschule durchaus bewusst, schreibt Moll. "Es wird sogar in der Pilotenausbildung offiziell thematisiert. So halten wir zum Beispiel alle unsere Flugschüler, Charterer, Pilotenkollegen und Gastpiloten stetig an, bereits kurz nach dem Start die Motordrehzahl zu reduzieren – sofern in punkto Flugsicherheit möglich." Ebenso seien auch außerhalb der Platzrunde gestaffelte Mindesthöhen beim Überfliegen von Ortschaften vorgeschrieben. Diese dienten neben der Flugsicherheit auch der Lärmvermeidung.

Nie direkt über Frauenricht

Vielen sei offensichtlich nicht bewusst, dass ortsansässige Piloten die Platzrunde in Weiden seit Jahren ohnehin abweichend von der offiziellen Fluglinie flögen, "um Frauenricht nicht nur am Rande nicht zu überfliegen (...), sondern komplett zu meiden." Je nach Flugsituation sei dies "nicht immer zu 100 Prozent möglich", erklärt der Flugschulbetreiber. Dass jedoch direkt über Frauenricht abgeflogen werde, wie oft behauptet, "können wir von unserer Seite definitiv ausschließen". Moll hält zudem fest, dass die Flugschule, Vereine und Piloten bereits nach dem ersten "Runden Tisch" mit der Stadt Weiden ein Konzept für alternative Platzrunden vorgelegt haben. Das Dokument sei der Stadt auch übermittelt worden.

Moll räumt ein, dass der Flugverkehr seit Ansiedlung der Schule 2019 zugenommen hat. Die Stadt berichtet von einen Anstieg von 7000 auf 20.000 Flugbewegungen, die BI spricht gar von 25.000. "Wir gehen unserem Gewerbe nach, und das bedeutet Flugbetrieb", schreibt der Chef der "Flugwelt". Und: "Fliegen lernen heißt in erster Linie Landen lernen, und hierzu führt kein Weg an Platzrundenflügen vorbei." Zur Vermeidung von übermäßigem Lärm sei man bereits seit längerem darauf bedacht, Landeübungen vermehrt auch an externen, umliegenden Flugplätzen durchzuführen. Dass Flugbewegungen 2020 und 2021 zu bestimmten Zeiten geballt auftraten, begründet Moll mit der Corona-Pandemie: Jeweils kurz nach Lockdowns, in denen "teils in der besten Saisonzeit" gar nicht geflogen werden konnte, hätten viele Flugschüler und Ausbilder, Privat- und Sportpiloten die Gelegenheit zum Neustart ergriffen und unter anderem Sicherheit trainiert.

Freude für viele

Apropos Sicherheit: Brand-Überwachungsflüge würden auch vom Flugplatz Weiden aus vorgenommen, "sowohl seitens der Flugschule als auch durch andere am Platz ansässige Vereine und Piloten". Zahlreiche Waldbrände, Flächenbrände, Unfälle und dergleichen würden regelmäßig lokalisiert. Jeglicher Flugverkehr trage, besonders in den heißen Sommermonaten, zur allgemeinen Sicherheit bei. Und nicht nur die Flieger hätten Freude am Flugplatz in Latsch: "sondern auch zahlreiche Rundfluggäste, Besucher, Spaziergänger, Familien die mit ihren Kindern voller Freude die Fluggeräte inspizieren, Flüge beobachten und zur Begeisterung sowohl der Kinder als auch der Eltern, tolle Erinnerungsfotos machen". Terrassenplätze bei der Pizzeria seien heiß begehrt. Anton Moll verweist zudem unter anderem auf bestens besuchte "Tage der offenen Tür" am Flugplatz, Flugtag für krebskranke und benachteiligte Kinder und Nikolausfliegen, dessen Reinerlös an den Neunkirchener Kindergarten ging.

Beim Thema Finanzen erkennt der Verfasser einen Denkfehler bei der BI. Die empfahl die Stilllegung des Areals, um Kosten zu sparen. Moll: "Logisch betrachtet kommen am Flugplatz Weiden nur durch Flugbetrieb auch Einnahmen für die Stadt herein – sowohl in Sachen Gewerbesteuer als auch in Sachen Landegebühren. Wie sich seitens der BI diesbezüglich Forderungen zum einen nach weniger Flugbetrieb und zum anderen aber nach mehr Geldeinnahmen vereinbaren lassen, erschließt sich uns nicht."

Mit dem offenen Brief wolle er keine endlose Konfrontation weiter befeuern, versichert Anton Moll. Die Flieger sähen es nicht mehr ein, nur mit dem Rücken zur Wand zu stehen, und wollten nun auch Argumente für den Flugplatz aufzeigen. "Wir sind jedenfalls nicht länger bereit, uns ständig dem Kreuzfeuer an Kritik kommentarlos hinzugeben, und appellieren sowohl an die Stadt Weiden als auch an die Bürgerinitiative, das Gespräch mit uns zu suchen und realistische (!) Lösungen anzustreben." Moll betont, das Schreiben explizit im Namen seiner "Flugwelt" verfasst zu haben. Er wisse aber, dass auch viele andere hinter den Argumenten stünden.

Die Bürgerinitiative Fluglärm Weiden erläutert ihre Ziele

Weiden in der Oberpfalz

Das Thema im Weidener Stadtrat

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Neue Diskussion um Fluglärm nach zwei Unfällen

  • 2019: Die Flugschule A. M. Flugwelt nimmt den Betrieb in Latsch auf. Die Flugbewegungen steigen immens.
  • August 2021: Zwei Flugunfälle innerhalb von nur einer Woche, einer davon tödlich, befeuern den Protest von Anwohnern.
  • September: Die Bürgerinitiative Fluglärm Weiden formiert sich. Nach eigenen Angaben zählt sie rund 110 Mitglieder.
  • Oktober: Mit einem "Sondierungsgespräch" (BI) bereitet die Stadt einen "Runden Tisch" von Flieger- und BI-Vertretern sowie anderen Beteiligten vor.
  • November: In der Diskussion um die angespannte Finanzlage der Stadt regt die BI die Stilllegung des Flugplatzes aus Kostengründen an.
  • November: Die Fraktionen SPD und Grün.Bunt.Weiden bringen das Thema Fluglärm in den Stadtrat. Das Gremium will aber Ergebnisse des Runden Tisches abwarten.

 

 

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