25.11.2021 - 09:33 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Flugplatz Latsch: Für lärmgeplagte Anwohner noch keine finale Lösung in Sicht

Knapp 20.000 Starts und Landungen pro Jahr auf dem Verkehrslandeplatz Latsch gehen den Anwohnern gehörig auf die Nerven. Eine Bürgerinitiative wird gegründet, ein Runder Tisch einberufen. Jetzt macht das Thema auch im Stadtrat Wind.

Beibehalten, abstufen oder umnutzen, für den Flugplatz Latsch gibt es verschiedene Möglichkeiten, um den Lärmpegel für die Anwohner zu reduzieren.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Um es vorweg zu nehmen. Zu einer Entscheidung, wie der Fluglärm rund um den Flugplatz Latsch künftig auf ein erträglich Maß reduziert werden kann, kam es am Montag im Stadtrat noch nicht. Obendrein musste das Dutzend Zuhörer aus den betroffenen Stadtteilen Frauenricht, Neunkirchen bis Weiden-West und der Bürgerinitiative "Fluglärm Weiden" im Saal Geduld mitbringen. Das Thema Lärmbelästigung war erst nach drei Stunden Sitzung an der Reihe. Auf die Tagesordnung hob es ein gemeinsamer Antrag von Ausschussgemeinschaft Grün.Bunt.Weiden und der SPD-Fraktion. Sie erhofften sich von der Verwaltung abstimmungsreife Vorschläge zur Lärmreduzierung und Informationen zu den Auswirkungen auf die Kosten, wenn der Verkehrslandeplatz Weiden beibehalten, abgestuft oder die Flächen umgenutzt würden.

Kosten bleiben bei Abstufung

Zu hören bekamen die Anwesenden ausführliche Erläuterungen von Rechtsdezernentin Nicole Hammerl zur aktuellen Situation und welche Handhabe die Stadt habe. Der Verkehrslandeplatz besteht seit 1962 und zähle zur öffentlichen Infrastruktur. Daraus ergebe sich für die Stadt eine Betriebspflicht mit bestimmten Kosten. Wolle man, wie in der Vergangenheit schon öfters diskutiert, den Platz zu einem Sonderlandeplatz herabstufen, müsste das beim Luftamt Nordbayern beantragt werden. Die Betriebspflicht falle dann weg, woraus sich eine gewisse Flexibilität bei den Öffnungszeiten des Flugplatzes ergeben könnte, so Hammerl. Auch der Fluglärm würde voraussichtlich weniger. Allerdings blieben die Kosten für Flugleitung und den baulichen Unterhalt bestehen, bei gleichzeitig weniger Einnahmen. Eine weitere Möglichkeit wäre die Auflassung. "Das ist aber schwierig, da die Bedeutung von Latsch für die nördliche Oberpfalz groß ist", sagte die Rechtsdezernentin.

Mit der Abänderung der Platzrunde in nordwestlicher Richtung weg von der Wohnbebauung und der Verlegung des Anrollpunktes beim Start habe die Stadt schon an ein paar Stellschrauben zur Lärmminderung gedreht. Sie selbst hoffe auf die Beibehaltung des Rundes Tisches von Anwohnern und Stadt, der am 6. Oktober das erste Mal stattfand. "Ich hatte den Eindruck, dass bei allen Beteiligten viel Verständnis da ist", sagte Hammerl. Auch wenn die lärmgeplagten Anwohner viel aushalten müssten, so führe eine subjektive Wahrnehmung noch lange nicht zu einer rechtlichen Handhabe. Sie setze auf die Bereitschaft, freiwillig etwas zu ändern.

Bärnklau: Angaben zu wenig konkret

"Zu wenig konkret", bemerkte Karl Bärnklau (Grün.Bunt.Weiden) zu den Ausführungen der Rechtsdezernentin. Er hätte sich mehr Ernsthaftigkeit und detailliertere Aussagen gewünscht, auch zu einer Umnutzung der Flächen zum Beispiel mit Photovoltaikanlagen oder als Gewerbegebiet. Neu sei ihm, wie er sagte, dass nach Abstufung zum Sonderlandeplatz die Stadt trotzdem auf den Kosten sitzen bleibe. "Das höre ich zum ersten Mal."

Die Kosten, die durch den Betrieb des Flugplatzes anfallen, ließen sich nicht wegdiskutieren. Der Lärm aber auch nicht, sagte Roland Richter (SPD). Die Bürgerinitiative habe an einem Tag im Juni 153 Starts innerhalb von acht Stunden gezählt. "Da fliegt alle 3 Minuten ein Flugzeug über die Terrasse." Der rege Flugbetrieb durch die Flugschule seit 2019 habe zwar das Defizit des Verkehrslandeplatzes gesenkt, aber zu Lasten der Bürger, wie Richter betonte. Der Runde Tisch sei eine gute Sache und sollte unbedingt fortgesetzt werden.

Für CSU-Chef Benjamin Zeitler stehen die Fragen nach der Sicherheit des Platzes, die Reduzierung des Lärms und die Kosten ("Wir müssen alles hinterfragen") im Fokus. Auch er wünschte sich von der Verwaltung noch mehr Infos. "Was heißt das zum Beispiel, wenn bei einer Abstufung des Platzes gewährte Fördermittel zurückzuzahlen sind?"

Für eine Rückstufung zu einem Sonderlandeplatz sprach sich Rainer Sindersberger (FW) aus. "Die Forderung ist ja nicht neu. Sie würde Kosten sparen und Lärm reduzieren. Wir könnten den Platz rückstufen, verpachten und so die Öffnungszeiten selbst bestimmen." Für Sportflieger sei Latsch wichtig, aber als überregionaler Verkehrslandeplatz habe er keine Bedeutung.

Für eine Schließung plädierte Sonja Schumacher (Ausschussgemeinschaft Demokratisch-Ökologisch-Weiden). Sie hätte nur Vorteile und Latsch belaste nicht mehr andere Leute. Die Idee, die Flächen für Photovoltaik zu nutzen, fanden Wolfgang Pausch (CSU) und Hans-Jürgen Gmeiner (CSU) überlegenswert. So oder so müssten die Betreiber der Flugschule und die betroffenen Anwohner noch viel miteinander reden, bemerkte Bürgermeister Lothar Höher. Der Runde Tisch sei dafür ein gutes Instrument. Doch irgendwann müsse der Stadtrat eine Entscheidung treffen.

Bürgerinitiative will Flugplatz Latsch schließen

Weiden in der Oberpfalz
Info:

Das fordert die Bürgerinitiative

  • Der Betrieb des Flugplatzes unter den bisherigen Bedingungen ist grundsätzlich in Frage zu stellen, eine Stilllegung wird favorisiert
  • Einschränkung des Flugbetriebs
  • Umsetzung der Luftlandeplatz-Lärmschutzverordnung
  • Streichung von Schulungsflügen an Sonn- und Feiertagen
  • Verbindliche Einhaltung der Platzrunde oder noch besser: eine Verlegung derselben

 

 

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