30.09.2020 - 17:44 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weidener Förderverein verärgert: Affront des Stadtpfarrers?

Die Außensanierung der Kirche St. Sebastian ist abgeschlossen. Doch jetzt ist die Tür verschlossen. Der Förderverein "Rettet St. Sebastian", der die Sanierung maßgeblich finanzierte, spricht deshalb von einem "Affront" des Stadtpfarrers.

Die Eingangstür von St. Sebastian bleibt auch nach der erfolgreichen Außensanierung geschlossen. Dies sorgt beim Förderverein "Rettet St.Sebastian" für erhebliche Verärgerung.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Bei der Mitgliederversammlung des Fördervereins "Rettet St. Sebastian" gibt stellvertretender Vorsitzender Falk Knies einen ernüchternden Rückblick. Mit deutlichen Worten kritisiert er das Verhalten von Stadtpfarrer Markus Schmid, der nie ein Freund des Kirchleins gewesen sei und nun dafür sorge, dass die Kirchentür verschlossen bleibe. "Dies sehe ich als Affront gegen alle, die in der Kirche Einkehr halten wollten, besonders gegen die zahlreichen Unterstützer, die rund 216 000 Euro für die Außensanierung gespendet hatten, und gegen uns als Förderverein."

St. Sebastian werde vom Stadtpfarrer permanent ignoriert. "St. Sebastian existiert für ihn nicht, wie sich aus verschiedenen Äußerungen ergibt. Auf der Homepage der Pfarrei ist alles Mögliche dargestellt, die Sanierung von St. Sebastian jedoch nicht erwähnt." Knies erwähnt das Vorgehen des Stadtpfarrers gegen den Initiator des Fördervereins, Pfarrer i. R. Egid Mühlbauer, sowie den langjährigen Mesner Werner Wilzek, die er ohne Angabe von Gründen von der Mitarbeit in der Pfarrei ausgeschlossen habe. Auch der Mesner von St. Sebastian wäre weiter bereit gewesen, sich um das Kirchlein zu kümmern. "Auf seine Mitarbeit wurde kein Wert mehr gelegt. "Man hat ihn für uns völlig unverständlich, nicht mehr weiter beschäftigt". Der Stadtpfarrer habe versucht, einen Keil in den Vorstand zu treiben. "Und wir haben versucht, ausgleichend zu wirken."

Da ist der "Wurm" drin

Der Förderverein habe die Unterstützung bei der Innensanierung der Kirche angeboten. "Sie steht derzeit jedoch nicht zur Debatte. Sie wird vom Stadtpfarrer und auch der Kirchenverwaltung für die nächsten, mindestens fünf Jahre als nicht notwendig abgelehnt. Ob eine neue Kirchenverwaltung sich dann mit dem Thema befasst, ist auch völlig offen", stellte der ehemalige Notar fest. Ins Bild passe, dass nach Aussage aus dem Pfarrhof die Tür verschlossen bleibe, weil in St. Sebastian der "Holzwurm" drin sei. Gleichzeitig verweigere man sich der Innensanierung, die offenbar doch nötig sei.

Kirchenverwaltung und Stadtpfarrer haben nun gute Chancen, dass der "stete Stachel im Fleisch" stumpf wird: Der ehemalige Kreishandwerksmeister Karl Arnold hatte als Vereinsvorsitzender am Dienstagabend zur Mitgliederversammlung in die Max-Reger-Halle eingeladen, um die Auflösung des Fördervereins einzuleiten. Dies gelang nur zum Teil: Entsprechend der Statuten des am 24. April 2015 gegründeten Vereins waren mit gut zwei Dutzend nicht genügend der 165 Mitglieder anwesend. Bei der Abstimmung sprach sich nur ein Mitglied für die Fortführung des Vereins aus. Um die Auflösung beschließen zu können, wird für den 27. Oktober eine erneute Mitgliederversammlung anberaumt. Dort genügt dann eine einfache Mehrheit der anwesenden Mitglieder.

Großes Plus in der Kasse

In den Mittelpunkt des Abends stellten Arnold und Knies, aber auch Theo Spieß als Schatzmeister, Initiator Egid Mühlbauer sowie Vorstandsmitglied Hans Kaltenecker den Dank an die Mitglieder und die zahlreichen Spender. Erst durch sie sei es möglich geworden, den Vereinszweck zu erfüllen. Der Dank galt zudem allen am Bau Beteiligten, die "trotz einiger Überraschungen", so Spieß dafür sorgten, dass der Kostenrahmen von 710 000 Euro mit 695 000 Euro sogar unterschritten werden konnte. Mit seiner Auflösung übergibt der Förderverein an die Pfarrei St. Josef über 43 000 Euro mit der verbindlichen Auflage, diese Summe nur für St. Sebastian zu verwenden. Allerdings wurden Stimmen laut, diese Summe nicht St. Josef, sondern kirchlichen, caritativen Organisationen zur Verfügung zu stellen. Dies sei allerdings, so erklärte Knies, aufgrund des Satzungszweckes sowie aus steuerlichen Gründen nicht möglich.

Überraschend ist am Mittwoch die Reaktion von Stadtpfarrer Markus Schmid. Er erklärt gegenüber Oberpfalz-Medien, die Kritik und die massiven Vorwürfe seien ihm nicht bekannt. Niemand habe das Gespräch mit ihm gesucht. Darüber hinaus sei jeder - wie bisher - herzlich eingeladen, die Pfarrgemeinde mitzugestalten und sich in den Sachausschüssen des Pfarrgemeinderates oder den Arbeitskreisen der Kirchenverwaltung einzubringen. "Gerade hier werden die Dinge erarbeitet, auf die sich die Fragen beziehen." Auf konkrete Fragen, warum zum Beispiel die Kirchentür geschlossen ist, ging er nicht ein.

Der Ärger hatte sich bereits angekündigt

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