Muss Kultur unbedingt "Berlin-like" sein? "Sündikat"-Sprecher Lukas Höllerer sieht solche Bezeichnungen äußerst skeptisch. Berlin koche nämlich auch nur mit Wasser, meinte er bei der Podiumsdiskussion zum "Lighthouse"-Festival am Wochenende. Städte ähnlicher Größe und Voraussetzungen sollte man ohnehin nicht miteinander vergleichen, was das Kulturleben betreffe. Am Beispiel der beiden Hochschulstädte Weiden und Passau machte er deutlich, dass die Max-Reger-Stadt einfach nur die ungünstigeren "Settings" bei den Studiengängen habe. Wie Höllerer in der Vergangenheit feststellte, sind Weidens Studenten "gar nicht so krasse Konsumenten dessen, was wir hier machen". Außerdem pendelten viele.
Weiden könne sich trotzdem über ein reges musikalisches Kulturleben freuen, meinte Höllerer. Neben seiner "Sünde" feierten auch das "Parapluie" und der Jazz-Zirkel mit ihren Formaten Erfolge. Leider fehle der Stadt das "Salute". Am Ende gehe es doch immer nur ums liebe Geld und um den entsprechenden Zugang dazu.
Freistaat als Veranstalter
In Kooperation mit dem "Sündikat" ging das "Lighthouse-Festival" über die Bühne. Dabei handelte es sich um ein Indoor-Festival, das sukzessive in allen Regierungsbezirken veranstaltet wird und die bayerische Kulturszene unterstützen soll. Finanziert werden diese Festivals aus Mitteln des Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst. Vor der Live-Musik am Abend wurde unter Moderation von Andreas Olschar vom Verband für Popkultur in Bayern bei einem Netzwerktreffen das Thema "Weiden als Kulturstandort" diskutiert.
Die Kultur habe unter Corona stark gelitten, stellte FDP-Landtagsabgeordneter Christoph Skutella fest. Die Staatsregierung habe das Problem erkannt und immerhin einen Bayerischen Pop-Kulturpreis ausgelobt. "Wir müssten schauen, dass wir in Weiden ein freiverfügbares Kultur-Budget herbekommen", sagte er. In dieser Hinsicht ist er sich mit Grünen-Stadträtin Laura Weber einig. "Wir haben hier sehr starre, tradierte Haushaltsposten, die irgendwo alle ihre Berechtigung haben. Die Meisterkonzerte profitieren davon." Obwohl er selber aus der Klassik komme, glaubt Skutella, dass in der Weidener Politik auch andere Musikrichtungen Wertschätzung verdienten. Natürlich sei die Haushaltslage angespannt. "Wir hatten auch schon mal eine schöne Diskussion über ein Kulturhaus in Weiden, nur rausgekommen ist dabei nichts."
"Alles ist Ehrenamt"
"Alles, was wir hier diskutieren, ist schlussendlich Ehrenamt", unterstrich Skutella. Was auch Sabine Guhl beteuerte. Sie fühlte sich bei der Podiumsdiskussion in ihrer Funktion als Leiterin der Regionalbibliothek als Vertreterin der Stadt. Es sei nicht Sache der Verwaltung, wie sich kulturelle Dinge entwickelten. "Wenn jemand etwas machen will, dann findet er auch die nötigen Räumlichkeiten." Persönlich glaubt sie, dass die Zahl an engagierten Leuten in der jüngeren Vergangenheit deutlich abgenommen habe. Nur noch wenige erklärten sich etwa bereit, Vernissagen in der Regionalbibliothek musikalisch zu begleiten. Früher sei das anders gewesen.
Stadträtin Weber bedauerte, dass es heute im Jugendzentrum nicht mehr den musikalischen Freiraum gebe wie noch vor 20 Jahren. "Da hat sich viel Angst breitgemacht vor etwaigen Unterwanderungen." Die Alte Post mutiere hingegen zur neuen Kultureinrichtung, erklärte Michael Kutscher. Dort befänden sich mit dem Magischen Projekt, der "Abteilung 36" und dem "Raum Traum" gleich drei Einrichtungen unter einem Dach. Kutscher hofft, dass die Formate beim Entwicklungsplan für das Bahnhofsviertels Berücksichtigung fänden. Gedacht sei an öffentliche Heizkosten- und Mietzuschüsse. Eine Umsetzung sei schwierig, weil die Alte Post in Privatbesitz sei, hieß es. Kutscher: "Uns ist es zunächst ein Bedürfnis, uns überhaupt sichtbar zu machen."














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