01.05.2022 - 11:50 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weidener Literaturtage: Begnadete Wortkünstler beim Poetry-Slam

Neue Location, neues inhaltliches Konzept, gewohnter Publikums-Andrang: Der Poetry-Slam der Literaturtage lockt jede Menge Fans und Interessierte an – diesmal in ein altes Kino.

von Holger Stiegler (STG)Profil

Die Kooperation zwischen den Weidener Literaturtagen und dem Sündikat machte es möglich: Erstmals ging dieser literarische Wettbewerb im – natürlich ausverkauften! – ehemaligen Ring-Kino über die Bühne, die besondere Optik verlieh der Veranstaltung einen ganz eigenen Charme. Durchs Programm führte der in Weiden bestens bekannte Felix Römer, der seine Begeisterung über die Location auch gar nicht erst verbergen wollte.

Poetry-Slam bedeutet soviel wie „Autorenwettstreit“ – in der Praxis war es aber ein großes Miteinander, das da über die Bühne ging. Als „Slammer“ trat nicht nur Römer selbst auf, sondern auch Szene-Größe Eva Matz aus Bremen und mit Wolf Hogekamp einer der „Schrittmacher“ des Poetry-Slam in Deutschland. Ebenfalls dabei war Sängerin Marisabelle, die Römer spontan mitgebracht hatte. Musik war überhaupt sehr wichtig an diesem Abend, denn es handelte sich um einen Jazz-Slam, bei dem die vorgetragenen Texte musikalisch untermalt wurden – und das spontan arrangiert zwischen den Slammern und der dreiköpfigen Live-Band „Nachtfarben“. Mal zurückhaltend, mal mit Wumms – auf alle Fälle kam es beim Publikum sehr gut an.

Die Texte des Abends brachten als das zum Ausdruck, was guten Poetry-Slam ausmacht: Poesie, Lyrik, Humor, Gesellschaftskritik. Hogekamp trug beispielsweise einen erfindungsreichen dystopischen Text mit den Nachrichten vom 30. April 2032 vor, Felix Römer sinnierte über den „verhinderten Helden“. Ein Höhepunkt des Abends war Eva Matz‘ „Ich will nicht laut sein müssen nur um gehört zu werden“. Ein Text, von dem sie sagte, es sei besser, wenn er nicht hätte geschrieben werden müssen. „Ein Text, gewidmet allen weiblich gelesenen Menschen und allen sich weiblich lesenden Menschen. Ein Text, gerichtet an das Patriarchat“, stellte sie fest. Viel Applaus bekam auch Sängerin Marisabelle, die unter anderem ihren veröffentlichen Song „Niemals“ vorstellte – mit einem authentischen Text, der ohne Zweifel auch Poetry-Slam-würdig ist.

Ein Wettbewerb braucht in der Regel auch Gewinner. Das waren an diesem Abend schlichtweg alle: die Slammer, die Location, die Veranstalter – und vor allem auch das Publikum.

Hintergrund:

Neues Konzept für Poetry-Slam

  • Weidener Literaturtage kooperieren erstmals mit dem Kulturverein "Das Sündikat", der unter anderem für Beleuchtung und Bühnenbild sorgt
  • Ort des Poetry-Slam: das Ring-Kino, zuletzt Schauplatz der Konzertreihe "Die Sünde"
  • Musikalische Untermalung: Die Texte der Slammer begleitet die Live-Band "Nachtfarben"
  • Besonderer Gast: Sängerin Marisabelle
 
 

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