Die Stadtarchivarin nahm sich dieser bedeutenden Männer aus der Geschichte Weidens an, nachdem sie im Frühjahr bereits über berühmte Frauen berichtet hatte. Den Vortrag im Maria-Seltmann-Haus verfolgten viele Zuhörer.
Michael Ermweig (1523-1594):
Der Weidener Stadtrichter Michael Ermweig führte ein bedeutendes Handelshaus. Seine Tätigkeit wird dargestellt im Wappen des Grabsteins in St. Michael: Ein gepanzerter Arm und ein Schwert als Symbol des Halsgerichts, dem Recht, über Leben und Tod zu entscheiden. Ermweig unterhielt zahlreiche Stiftungen und gab Stipendien. Als er 71-jährig starb, hinterließ er der Stadt ein Guldenvermögen, was laut Vorsatz heute Millionen von Euro wert wäre.
Jakob Schabner (1590-1671):
Er gilt als Chronist des 30-jährigen Krieges, der akribisch die Ereignisse von 1619 bis 1663 in seiner "Kurzen Chronika" festhielt. In Bärnau geboren, fing er 1614 als Stadtschreiber-Substitut in Weiden an. 1623 wurde er "Deutscher Schulleherer" (Hauptschullehrer) und erwarb das Haus Unterer Markt 9 (heute "Bräuwirt"). 1629 erhielt er das Bürgerrecht der Stadt und das Amt eines "Inventierers" und Vormundschaftsschreibers. Seine 32-jährige Frau Barbara verlor an die Pest. Er heiratete zwei weitere Male, hatte viele Kinder, war 37 Jahre Rat der Stadt und 26 Jahre davon einer der vierteljährlich wechselnden Bürgermeister.
Ulrich Schönberger (1601-1649):
Der spätere Polyhistor Ulrich Schönberger erblindete schon mit zweieinhalb Jahren infolge einer Windpockenerkrankung. Dennoch studierte er in Altdorf und Leipzig Theologie, Mathematik, Philosophie und Physik. Er unterrichtete als Mathematikprofessor an der Uni Königsberg, beherrschte Latein, Griechisch, Hebräisch, Arabisch, Syrisch und Französisch. Wie originell Schönberger dachte, zeigte sich an seiner Antrittsvorlesung in Königsberg, die er, der Blinde, zum Thema "Farbe" hielt.
Tobias Clausnitzer (1619-1684):
Berühmtheit erlangte der evangelische Pfarrer, dessen 400. Geburtstag nächstes Jahr gefeiert wird, durch die Friedenspredigt am Neujahrstag 1649 anlässlich des Westfälischen Friedens mit dem Ende des 30-jährigen Krieges. In Weiden wurde wieder der Protestantismus eingeführt. Als Inspektor war Clausnitzer für ein Gebiet verantwortlich, das in etwa dem heutigen Dekanat Weiden entspricht.
Erhard Weigel (1625-1699):
Als einer der größten Wissenschaftler des 17. Jahrhunderts gilt Erhard Weigel. Der Mann mit Weidener Wurzeln prägte das Geistesleben seiner und auch nachfolgender Zeiten. Der Landesherr Herzog Wilhelm von Sachsen-Weimar ließ sich von ihm in Astronomie unterrichten und ernannte ihn zum Hofmathematiker. Erst 31-jährig, wurde er Rektor der Universität Jena. Unter anderem auch zu Zeitrechnung, Optik, und Architektur hinterließ er 150 Abhandlungen.
Philipp Caspar Pfannenstiel (1664-1735):
Pfannenstiel war "hochfürstlicher Bambergischer Hofrat" sowie "Rechtsconsulent" der freien Reichsritterschaft in Franken. Nach dem frühen Tod seines Vaters erhielt er ein Weidener Stadtstipendium, um Recht zu studieren. Als bedeutender Jurist seiner Zeit besaß er eine wertvolle Bibliothek mit 1100 Bänden, die er seiner Vaterstadt hinterließ. 1724 errichtete er mit Frau Regina eine Schulbücher- und Armenstiftung mit vielen Gulden Stiftungsvermögen.
Gustav von Schlör (1820-1883):
Er brachte die Anbindung der Eisenbahn 1863 und die Industrialisierung nach Weiden und die nördliche Oberpfalz. Im ersten Deutschen Parlament in der Frankfurter Paulskirche vertrat er die Region als Abgeordneter. 1878 ernannte die Stadt Weiden den Rechtswissenschaftler und Nationalökonom zum Ehrenbürger.
Franz Pfleger (1872-1964):
Als Rechtsanwalt fand Dr. Franz Joseph Pfleger seine Berufung. Ab 1912 gehörte er 14 Jahre als Abgeordneter der Zentrums- beziehungsweise der Bayerischen Volkspartei dem Deutschen Reichstag an. Als seine Gegnerschaft zur NSDAP und Arisierung offenkundig wurde, machte ihn seine Gesinnung zu einem Opfer des Judenprogroms 1938. 1946 wählte ihn der Stadtrat zum Oberbürgermeister.
Max Reger (1873-1916):
"Trag'n mer's wieda furt", sagte er, als er sein Schwesterchen Emma bekam. Seine eigene Wiege stand 1873 in Brand, ab 1874 wohnte er in der Oberen Bachgasse 6, als sein Vater Josef als Lehrer in Weiden arbeitete. 1887 hatte der Komponist seinen ersten öffentlichen Auftritt im "Gasthof zur Eisenbahn" in Weiden.
In ihrem Vortrag bat Petra Vorsatz um ein Bild zum „Gasthof zur Eisenbahn“, die auch einmal den Namen „Einhenkel-Wirtschaft“ trug. Dort hielt Max Reger seinen ersten öffentlichen Auftritt mit der großen Sonate in f-moll von Schulhoff. Der Gasthof beziehungsweise die Wirtschaft stand auf dem Gelände des heutigen „Löwen Mega-Play“ in der Bahnhofstraße. Kontakt: Stadtarchiv, Telefon 0961/81-4101.














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