Weiden in der Oberpfalz
09.07.2020 - 09:24 Uhr

Weidener Pionierin: Anwältin Elisabeth Merk geht in Ruhestand

Ihre Mutter hat bis zum letzten Tag nicht daran geglaubt. Doch Elisabeth Merk (63), eine der ersten in Weiden zugelassenen Anwältinnen, hat die Robe für immer ausgezogen, hat sich von Kanzlei und Mandanten in den Ruhestand verabschiedet.

Elisabeth Merk in ihrem Büro, in dem sie in den nächsten Wochen immer noch tageweise vorbeischaut, um die Kollegen nicht ganz allein zu lassen mit den Fällen, die sie zurücklassen muss. Bild: Eichl
Elisabeth Merk in ihrem Büro, in dem sie in den nächsten Wochen immer noch tageweise vorbeischaut, um die Kollegen nicht ganz allein zu lassen mit den Fällen, die sie zurücklassen muss.

Die Fachanwältin für Familienrecht und Erbrecht hat ihren Beruf geliebt, wie sie selbst sagt, aber sie hat diesem geliebten Beruf auch vieles untergeordnet. Der Sohn hatte eindeutig mehr von seinem Vater, einem Lehrer, das gibt sie unumwunden zu, denn viele belastende Fälle blieben nach Feierabend nicht in der Kanzlei zurück, sondern gingen nicht selten mit Elisabeth Merk zu Bett. Sie habe die erste Nacht nach dem Abschied in der vergangenen Woche außerordentlich gut geschlafen, sagt sie, und sei am Morgen regelrecht durstig auf neue, ganz andere Taten als bisher erwacht - nichts Spektakuläres, aber auf Garten oder Kochen („ich bin sehr häuslich“) oder die Geige, die sie mit 40 zu spielen begonnen hat.

Der Wunsch zu helfen hat ihre Berufswahl eigenen Worten zufolge beeinflusst. Und so sei es auch eine ihrer Prämissen gewesen, jeden Fall ernst zu nehmen, kein Problem eines Mandaten, einer Mandantin als läppisch abzutun. „Für den, der zu Ihnen kommt und ein Problem hat, ist erstmal dieses Problem das allergrößte und das allerwichtigste.“ Daher sei für sie selbst das A und O ihrer Tätigkeit gewesen, das Problem eines Mandanten niemals klein zu reden. Dafür brauche es Sensibilität und Einfühlungsvermögen – und die Fähigkeit, die Sprache des jeweiligen Gegenübers zu sprechen, also mit dem Mandaten so zu reden, dass dieser auch versteht, was ihm der Anwalt zu verstehen geben will. Und so wechselt Elisabeth Merk im Gespräch auch jederzeit fließend vom Hochdeutschen ins Oberpfälzische. Aber nicht nur der Dialekt sei ausschlaggebend, auch die einfache Sprache. Es sei schließlich niemandem gedient, wenn das „alte Mutterl“ aus der Kanzlei gehe und sich denke: „Na, des is aber jetzt a arrogante, herablassende Kuh gwesn.“ Den Mandaten an jedem Schritt teilhaben lassen, so dass dieser jederzeit korrekt informiert sei, hält Merk, wie sie sagt, für die Grundlage des so wichtigen Vertrauensverhältnisses.

Das schwere Verlieren können

Was jeder Anwalt lernen müsse, was ihr persönlich aber bis zum Schluss schwer gefallen sei, sei das Verlieren können. Und so sei sie noch extrem gespannt, wie die Fälle ausgingen, die sie nicht mehr habe zu Ende bringen können. Ist ihr das nicht schwer gefallen, noch offene Fälle zurückzulassen? „Sehr schwer“, sagt Merk. Aber sie arbeite auf den Ruhestand schon eine ganze Weile hin. „Ich druck´ eich alle Daumen“, hat sie zu ihren Mandaten zum Abschied gesagt.

Merk hört eigenen Worten zufolge bewusst auf nach 20 Jahren sehr intensiver Arbeit. Sie wolle jetzt etwas von ihrem Enkel haben, ganz einfach „etz amal was anderes machen“. Denn den Anwaltsberuf „machen Sie ganz oder gar nicht“, daher sei es auch keine Option gewesen, kürzer zu treten. Das habe sie mehrmals vergeblich versucht.

Corona erleichtert den Absprung

Was ihr den Absprung zusätzlich erleichtert habe, sei die Corona-Pandemie gewesen. Die Arbeit werde dadurch einigermaßen erschwert. Nicht durch die Plexiglas-Scheibe, die Anwältin und Mandant im Büro trennt, aber zum Beispiel durch das Abstandhalten vor Gericht. Da sei kein Zuflüstern mehr möglich, kein Fußtritt unter dem Tisch, um den Mandanten davon abzuhalten, sich um Kopf und Kragen zu reden, kein Drücken des Armes zur Aufmunterung.

Oberpfalz31.05.2020
 
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