Weiden in der Oberpfalz
23.09.2022 - 12:51 Uhr
OnetzPlus

Weidener "Pizzeria Bella Napoli" schließt ab Montag

Vor zwölf Jahren hat Wirt Alessandro Iannello seine Pizzeria in Weiden eröffnet. Nun macht er Schluss und geht in Rente - auch wegen "unüberbrückbarer Differenzen" mit dem Vorsitzenden des TC Postkellers.

Alessandro Iannello schiebt nur noch bis Montag Pizza in den Ofen. Dann ist endgültig Feierabend für ihn. Bild: Kunz
Alessandro Iannello schiebt nur noch bis Montag Pizza in den Ofen. Dann ist endgültig Feierabend für ihn.

Basta Pasta! Aus und vorbei. Die "Pizzeria Bella Napoli" an der Leuchtenberger Straße schließt am 26. September nach zwölf Jahren. Mit Groll und ohne Abschiedsfeier. Als Grund gibt Wirt Alessandro Iannello unüberbrückbare Differenzen mit dem amtierenden Vorsitzenden des TC Postkellers an: "Rausgeekelt haben sie mich." Die beiden Parteien hatten sich sogar vor Gericht getroffen. "Man wollte mir fristlos kündigen. Ich habe gewonnen", fühlt sich der Gastwirt in seiner Opferrolle bestätigt. Die Stimmung ist dennoch getrübt.

Die Sache mit der Klage wegen fristloser Kündigung sei richtig, gibt TC-Chef Heiko Hauer auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien zu. Er nennt aber auch den Grund: Pachtrückstände. Iannello habe den Prozess zwar gewonnen. Aus formalen Gründen. "Wir haben aber auf die nächste Instanz verzichtet." Denn die ordentliche Kündigung habe ja ohnehin erwirkt, dass der Pachtvertrag jetzt zum 30. September auslaufe. "Von Rausekeln also keine Spur. Das war eine ganz normale ordentliche Kündigung."

Zunächst harmonisch

Dabei habe alles so harmonisch begonnen, als Iannello im Oktober 2010 das Vereinslokal übernahm. Damals noch unter dem TC-Vorsitz von Niko Kühnhackl. Auch mit dessen Nachfolgern "lief es super", wie Iannello betont. Die Eingewöhnungsphase sei allerdings damals schon recht schwierig gewesen, weil die TC-Mitglieder dem neuen Wirt die kalte Schulter gezeigt hätten, wie Iannello sich erinnert. Höchstens mal eine Jahreshauptversammlung. "Nach eineinhalb Jahren habe ich auf eigene Kosten renoviert und die Werbetrommel gerührt." Seither kamen auch die Gäste.

Aufregung habe es erst dann gegeben, als mit Hauer 2020 ein neuer Vorsitzender das Zepter beim TC übernahm. "Es gab nur noch Probleme. Nichts passte ihm", erbost sich der 69-jährige Pizzabäcker. Nach eigenen Angaben sei ihm aufs Auge gedrückt worden, er solle nur noch über die Wintermonate öffnen, wie Iannello behauptet. Nach Vorstellung des TC-Vorsitzenden sollte im Sommer nur noch das Lokal "Duslbauer" und damit der zweite Gastrobetrieb auf dem TC-Vereinsgelände, offen sein. Den hatte Iannello noch bis vor vier Jahren selbst bewirtschaftet.

Mit Verhalten nicht einverstanden

Hauer jedoch begründet die vom Pächter angedeuteten "Differenzen" mit mangelnder Hygiene. "Es hat auch Beschädigungen an unserem mit verpachteten Inventar gegeben." Der Vorstand sei einfach mit Iannellos Verhalten gegenüber dem Verein nicht zufrieden gewesen. "Ein Vereinswirt betreibt doch seine Gaststätte nicht nur im Sinne des Gelderwerbes. Wir brauchen diese Gastronomie natürlich auch für die Bewirtung bei Turnieren und Veranstaltungen." Und hier habe sich der TC Postkeller nicht ausreichend versorgt gefühlt. Ferner bemängelt Hauer Brandschutzprobleme in der Küche. Das alles passe einfach nicht zum Image des Vereins.

"Ich habe mich nach Alternativen umgeschaut, aber nichts gefunden. Jetzt gehe ich in den Ruhestand", betont Iannello seine Zukunft. Der Name seiner Pizzeria täuscht, was die Herkunft des Wirtes angeht. Das "Bella Napoli", auch das "Vesuvio", das Iannello in den 80er Jahren in der Frauenrichter Straße führte, wie später in den 90ern das "Bella Napoli" in der Bismarckstraße, haben nichts damit zu tun. "Ich stamme aus Messina." Auf Sizilien habe er als junger Mann das Kellnern und das Kochhandwerk gelernt. Seine erste Station in Deutschland sei Neustadt gewesen, wo er sein Lokal "Gino" eröffnete.

Selbst beigebracht

"Das Pizzabacken habe ich mir selber beigebracht." Die Arbeit in seiner Pizzeria sei seine große Leidenschaft gewesen. "Mein Leben", wie er sagt. Deshalb schmerze der Abschied sehr. Vielleicht eröffne sein Sohn irgendwann in Eigenregie eine Pizzeria, lässt der Wirt verlauten. "Am 1. Oktober gebe ich die Schlüssel ab." An das neue Pächterpaar Thomas Angerer und Heiko Hauer. Und die beiden wollen das Lokal nach einer größeren Sanierungsaktion voraussichtlich zum 1. November neu eröffnen.

Iannellos große Leidenschaft gilt der Küche, sagt er. Persönlich sei er kein Pizza-Typ. "Ich esse für mein Leben gern Pasta." Selbst zubereitet, natürlich. Sollte er doch einmal zur Pizza greifen, dann favorisiert er aus einer Vielzahl seiner Pizzen auf der Speisekarte die "Alessandro" mit Mozzarella, frischen Tomaten, Thunfisch, Oliven und Zwiebeln. Natürlich muss sich auch Mitarbeiter Osama Jomaa, die treue Seele, die seit vier Jahren jeden Vormittag in der "Bella Napoli"-Küche beschäftigt ist, nach einem neuen Job umschauen. Aussichtsreichster Arbeitgeber für ihn ist ein Fensterbauer in Luhe-Wildenau.

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.