21.01.2021 - 15:27 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weidener Projektgruppe begegnet Phil Collins: Gute-Nacht-Musik von einem Weltstar

Demnächst feiert Phil Collins seinen 70. Geburtstag. Vor 23 Jahren drehte der weltbekannte Schlagzeuger und Sänger ein Gratis-Video mit einer ganz speziellen Projektgruppe aus Weiden. Daniel Neumuth, einer der Teilnehmer, erinnert sich.

Phil Collins sang vor 23 Jahren in der Münchner Olympiahalle ein Mitglied des Weidener ARV-Projekts "Kino für Behinderte" in den Schlaf.
von Helmut KunzProfil

In seiner Biographie „Phil Collins – Da kommt noch was“ war dem Autor das Treffen nicht einmal eine Randnotiz wert. Ganz anders schätzten diejenigen die Stunden ein, die an jenem denkwürdigen 29. November 1997 in München mit dabei sein durften. Der britische Rockstar, der am 30. Januar 70 Jahre alt wird, feierte weiland mit seiner „Dance into the Light“-Tour in den USA und Europa triumphale Erfolge. Stunden vor seinem zweiten Konzert hielt Phil Collins aber Hof ganz anderer Art. Er drehte mit einer ihm gänzlich unbekannten Behindertengruppe aus der Oberpfalz ein Video.

Noch am Vorabend hatte Phil Collins 10000 Fans mit seinen Songs begeistert. Jetzt klopfte das „Kino für Behinderte“-Team des Allgemeinen Rettungsverbands (ARV) in der Olympiahalle an. Mit mehreren ARV-Fahrzeugen waren die Weidener in die Landeshauptstadt gefahren. Mit dabei: Menschen mit Behinderungen, Betreuer und auch gleich ein komplettes Krankenbett.

Bekanntheitsgrad schoss in die Höhe

Daniel Neumuth, der das Projekt damals als ehrenamtlicher Kameramann begleitete, erinnert sich an die Aktion, als wäre es gestern gewesen. "Das war eine längere Kiste, was die Vorbereitungen anging. Es hat gedauert, bis Peter Meyer bis zu den Verantwortlichen durchgedrungen war." Meyer war der ARV-Projektleiter. Die Bemühungen sollten sich für die Weidener auszahlen. Der Bekanntheitsgrad der Truppe schoss von jenem Samstag an in ungeahnte Höhen. Nicht nur "Der neue Tag", der mit vor Ort war, berichtete aktuell. Nach der Veröffentlichung interessierten sich auch überregionale Medien für den Videodreh.

In Absprache mit dem Management durfte das ARV-Team sein Equipment in den Katakomben der Olympiahalle aufbauen und auch ein Filmstudio einrichten. Das provisorische "Krankenzimmer" befand sich unmittelbar neben der Künstlergarderobe des Engländers. Die Handlung des Videos ist schnell erzählt. Phil Collins sollte in einen bereitliegenden Arztkittel schlüpfen und als "Dr. Dings" einen jungen Mann aus der Weidener Gruppe, der drehbuchgemäß an Schlafstörungen litt, in den Schlaf singen. Der Genesis-Schlagzeuger war mit Eifer dabei, griff sich eine ARV-Gitarre und sang ein Schlaflied. Meyer führte Regie.

Eine 91-jährige Weidenerin wurde Opfer eines Raubüberfalls

Weiden in der Oberpfalz

Die Szenen waren schnell im Kasten. Phil Collins war schließlich auch Schauspieler und Musical-Darsteller, kannte die Bühne von frühester Jugend an. Im Nachhinein nahm er sich noch viel Zeit für seine Gäste. Der Weltstar gab sich umwerfend sympathisch, ließ sich fotografieren, signierte CDs, ging fürs Gruppenfoto sogar in die Hocke und lud die Gruppe zu Soundcheck und Konzert ein.

"Ich fand das toll, dass sich so ein Star für uns so viel Zeit genommen hat", erzählt Neumuth, der später bei OTV arbeitete, heute eine eigene Produktionsfirma besitzt und oberpfalzweit für SAT-1 tätig ist. "Dass man mit jemanden ein Foto macht, ist ganz normal. Aber dass sich einer mit hinsetzt, alles mitmacht und einen Film mit sich drehen lässt, das fand ich im Vergleich zu anderen Stars, die wir getroffen haben, als sehr unüblich. Und er hat ja hinterher für das Projekt auch einiges an Geld gespendet."

Super Mitarbeit von Collins

"Im Rückblick muss ich sagen, dass Phil Collins, abgesehen von Peter Maffay, derjenige war, der unter all seinen Promi-Kollegen, die wir kontaktiert haben, am besten am Projekt mitgearbeitet hat." Nach Einschätzung des Kameramanns hatte die Begegnung mit dem Sänger vor allem den Behinderten eine Menge gebracht. "Die waren zwar alle körperbehindert, aber geistig gut drauf. Die waren schwer begeistert damals. Zum einen, weil man generell mit ihnen überhaupt was gemacht hatte. Und mehr noch, weil es ein echter Weltstar war, der ihnen die Hände drückte und sie auch noch zum Konzert eingeladen hatte."

Solange das Projekt in dieser Form existierte - und das waren immerhin fünf Jahren - "waren das immer tolle Aktionen." Neumuth lobt vor allem das Engagement des damaligen Projektleiters. "Man sieht ja, was er geschaffen und erreicht hat, wie es ihm gelang, so viele Menschen zusammenzubringen. Das lief ja alles neben seiner normalen Arbeit. So etwas auf die Beine zu stellen, ist einfach außergewöhnlich. Wo gibt es das schon, dass jemand innerhalb eines karitativen Verbandes solch ein Projekt auf die Beine stellt? Das war eine Ausnahme."

Neumuth fand die Arbeit mit dem Behinderten-Team immer auch sehr spannend. Man habe ja im Vorfeld nie gewusst, was sich vor Ort alles entwickle, wie die Treffen mit den Promis letztendlich ausgehen würden. Ein bisschen Mut gehörte schon auch dazu. "Wir haben uns mit unseren Fahrzeugen in Bereiche vorgewagt, in die man normalerweise nur mit einem All-Access-Ticket hineingekommen wäre."

Phil Collins‘ Engagement öffnete dem Projekt Türen. Die ARV-Filmemacher trafen Prominente wie David Copperfield, Eros Ramazzotti, Rainhard Fendrich, Otto Walkes, Thomas Gottschalk, Antonio Banderas, Richard Gere oder Will Smith.

"Ich fand das toll, dass sich so ein Star für uns so viel Zeit genommen hat."

Daniel Neumuth.

Daniel Neumuth.

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.