04.12.2020 - 12:46 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weidener Realschulen: Bauausschuss verweigert Empfehlung

Ärger im Bauausschuss: Mit knapper Mehrheit stimmt das Gremium gegen einen Neubau der Realschulen. Von einer Vorentscheidung kann jedoch nicht die Rede sein. Jetzt muss es der Stadtrat richten.

So könnten die neuen Realschulen in Nachbarschaft zur Sporthalle (links in Weiß) aussehen.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Am Ende einer zweistündigen intensiven Diskussion steht ein Beschluss, der niemandem gefallen kann: Mit einer knappen Mehrheit von 6:5 lehnt der Bauausschuss einen Neubau der Realschulen ab. Bei genauerem Hinsehen ist es allerdings keine Entscheidung gegen das Projekt – sondern nur gegen die Absicht von Oberbürgermeister Jens Meyer, am Donnerstag unbedingt einen Beschluss herbeizuführen. Die Gegner baten um Aufschub, um die "neuen Informationen" nochmals in Ruhe mit ihren Fraktionen besprechen zu können. Mit einer weiteren längeren Debatte über die Frage "Neubau oder Generalsanierung" ist nun in der Weihnachtssitzung des Stadtrats am 21. Dezember zu rechnen.

Vergleich zwischen Sanierung und Neubau

Weiden in der Oberpfalz

Neu ist vor allem die Haltung der Schulleitungen. Weil die Hans- und die Sophie-Scholl-Realschule ihre jeweiligen Trakte behalten wollten, plädierten sie über Jahre für die Generalsanierung. "Jetzt könnten wir auch gut mit einem Neubau leben", betonte "Sophie"-Chefin Susanne Genser in der Sitzung. Denn nach den vorliegenden Plänen für ein kompaktes, dreigeschossiges Gebäude könnten die Schulen ihre unterschiedlichen Profile und Raumprogramme erhalten. Wie "Hans Scholl"-Leiter Michael Meier bat Genser jedoch um ausreichende Außenflächen, um auch dort Projekte angehen zu können. Den geplanten Pausenhof (in Richtung Rathaus) hält Meier für "deutlich zu klein". Ferner wünscht er sich, dass der Neubau in der Nachbarschaft zum Neuen Rathaus entsteht statt – wie von der Stadtverwaltung favorisiert – weiter östlich neben der Sporthalle. "Das wäre das Nonplusultra."

"Es muss etwas passieren"

Dass dringender Handlungsbedarf besteht, da war sich das Gremium einig. "Weitere Verzögerungen sind weder den Schülern noch den Eltern und den Lehrkräften zuzumuten", erinnerte OB Meyer an lange Jahre der Diskussion. Der Zustand der Gebäude sei "stark verbesserungswürdig, um es vorsichtig zu formulieren, insbesondere was die Möglichkeiten zur Digitalisierung betrifft". Die Unsicherheit, wie es mit den Realschulen weitergeht, führe zu sinkenden Schülerzahlen, merkte auch Hildegard Ziegler (SPD) an. Markus Bäumler (CSU) stimmte zu: "Es ist uns allen klar, dass in dieser Periode etwas passieren muss."

Aber was genau? Laut Planer Wolfgang Obel (Obel-Architekten, Donauwörth) hat ein Neubau deutliche Vorteile gegenüber einer Generalsanierung: unter anderem eine um drei Jahre geringere Bauzeit, eine Kostenersparnis von vier bis sechs Millionen Euro, auf lange Sicht geringere Betriebskosten. Eine Sanierung hielte Obel überhaupt nur für sinnvoll, falls der gesamte Mittelteil mit Aula abgebrochen und neu gebaut würde. Auch in diesem Fall wäre es wegen neuer Anforderungen (u. a. Barrierefreiheit) aber nicht möglich, die bestehenden Raumkonzepte für die Trakte 1:1 zu übernehmen. Ein Aspekt, der die Schulleitungen nun umdenken ließ – in Richtung Neubau.

Meyer fordert Mut ein

Zu einer Entscheidung konnte sich die Ausschussmehrheit dennoch nicht durchringen. Bäumler verwies auf die längere Bauzeit im Falle einer Sanierung – das bedeute auch, dass sich die jährliche finanzielle Belastung im Haushalt verringere. Wegen "völlig neuer Gegebenheiten" sehe er sich aber außerstande, sofort zu entscheiden. "Ich war bisher Verfechter der Sanierung", bekannte der ehemalige Hans-Scholl-Realschüler Heiner Vierling (CSU). Er habe sich da nach der Meinung der Lehrerschaft gerichtet. "Aber heute habe ich einiges gehört, was mich schwanken lässt." Er bat ebenso um mehr Bedenkzeit wie Bernhard Schlicht (FDP/Freie Wähler) und Stefan Rank (Bürgerliste), der sagte: "Eine Entscheidung dieser Tragweite gehört in den Stadtrat." Der Oberbürgermeister verwies darauf, dass der Beschluss des Ausschusses ohnehin "nur" eine Empfehlung an den Stadtrat sei. "Wir sollten den Mut haben zu sagen, was wir denken und fühlen." Sonst könne man sich die Ausschussarbeit ganz sparen. Er lasse sich nicht als "Verhinderer oder Verzögerer" abstempeln, erwiderte Rank. "Geben Sie uns die Zeit, dass wir das in den Stadtrat tragen."

Nachdem sich Meyer nicht erweichen ließ, gaben sich die Gremiumsmitglieder die Zeit dann mehrheitlich selbst. Die vier CSU-Stadträte sowie Rank und Schlicht setzten sich gegen OB, die drei SPD-Räte und Gisela Helgath (ÖDP) durch. Damit gibt es zwar formell ein Votum, den Neubau nicht weiterzuverfolgen, als Vorentscheidung kann es aber nicht gewertet werden. Der Ball liegt am 21. Dezember beim gesamten Stadtrat. Architekt Obel wird das Projekt nochmals ausführlich vorstellen.

Blick aus Richtung Weigelstraße.
Der Mittelpunkt des neuen Gebäudes wäre wesentlich besser mit natürlichem Licht ausgeleuchtet als die jetzige Aula.
Blick nach oben in der Mitte des Gebäudes.
Hintergrund:

Die beiden Varianten

  • Generalsanierung: Die "Türme" rechts und links würden generalsaniert und mit einem neuen Mitteltrakt verbunden. Gesamtbaukosten: 62,43 Millionen Euro. Gesamtbauzeit: 7 Jahre.

  • Neubau: Kompaktes dreigeschossiges Gebäude westlich neben der Sporthalle.
    Gesamtbaukosten: 56,9 Millionen Euro. Gesamtbauzeit: 4 Jahre. Dazu Betriebskostenersparnis. Die Stadt könnte das freie Grundstück des ehemaligen Standorts verwerten.

Kommentar:

Lieber keinen Beschluss als so einen

Sicher kann man es so sehen wie CSU-Mann Markus Bäumler: Egal, ob oder wie der Bauausschuss entschieden hätte – der Stadtrat würde ohnehin zwei Stunden über die Realschulen diskutieren. Mit dem aktuellen Beschluss haben sich das Gremium und Oberbürgermeister Jens Meyer allerdings keinen Gefallen getan. Schwarz auf weiß steht da ein "Nein" zum Neubau, das unbedingt umständlicher weiterer Erklärung bedarf. Denn es ist ja nur ein "Nein" zu einer sofortigen Entscheidung. Auf die drängte Meyer – zunächst zurecht: Die Vorteile eines Neubaus gegenüber einer Sanierung wurden in der Sitzung mehr als deutlich. Da hätten auch Gremiumsmitglieder, die mit anderer Haltung und anderem Auftrag ihrer Fraktionen ins Rennen gingen, gerne etwas mehr Selbstbewusstsein an den Tag legen können. Allerdings war Meyer schlecht beraten, dass er auch dann noch auf einen Beschluss drängte, als sich die Abstimmungsniederlage abzeichnete. Der Beschluss liegt nun vor, doch er ist missverständlich und nicht aussagekräftig. Man hätte sich ihn sparen können. Sparen müssen.

Ralph Gammanick

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