22.09.2021 - 15:41 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weidener Vereinskassen im Corona-Krisenmodus

Vor allem Vereine haben mit den Auswirkungen der Coronapandemie zu kämpfen: kaum Veranstaltungen bedeuten oft weniger Einnahmen. Doch wie steht es wirklich um die Finanzen der Vereine? Hat die Krise dem Kassenbestand geschadet?

Fließt während der Coronapandemie überhaupt Geld in die Kassen? Weidener Vereine sehen die Lage derzeit entspannt.
von Autor hczProfil

Eine Fahrt ins sächsische Vogtland zur Wernesgrüner Brauerei und das erste Musikantentreffen beim Sparrer-Wirt nach eineinhalb Jahren – das waren die ersten Aktivitäten der Nordoberpfälzer Musikfreunde seit dem Beginn der Coronapandemie. "Zum Glück sind die Mitglieder dem Verein treu geblieben", sagt Vorsitzender Horst Fuchs. Es habe sogar Zuwachs gegeben: 199 sind es jetzt. Doch sieht es in der Kasse genauso entspannt aus? "Die Finanzlage ist gut", stellt Kassier Peter Ertl fest. Es fehlten zwar Einnahmen aus den Veranstaltungen und feste Ausgaben wie beispielsweise Versicherungen und Verwaltung seien trotzdem zu bezahlen, jedoch habe man alljährlich die Mitgliedsbeiträge von 15 Euro. Und, das hilft auf: Der Verein hat kürzlich beim Gewinnsparen der Raiffeisenbank 500 Euro gewonnen.

Keine Schnupftabakdosen-Strafe

Mit der Coronakrise ist auch das Vereinsleben der Latscher Schnupfer auf Null gefahren worden. Die erste Aktivität war nun ein Ausflug nach Wunsiedel. Im Oktober findet dann wieder die Mitgliederversammlung statt. Doch die finanzielle Lage im 1964 gegründeten Verein ist positiv: Außer der Versicherung für Veranstaltungen habe man keinerlei Ausgaben gehabt, betonen Gründungsmitglied Günther Mager und Kassierin Bianca Eschenbacher. Mit den Beiträgen der 145 Mitglieder und dem jährlichen Zuschuss der Stadt habe man sich gut über Wasser halten können. Jedoch: „Eine wichtige Einnahmequelle ist weg gefallen“, sagt zweiter Vorsitzender Magerl. „Die Schnupftabakdose muss man am Sonntag immer dabei haben.“ Wer danach gefragt wird und sie bei den Schnupfertreffen nicht vorzeigen kann, muss 30 Cent in die Vereinskasse zahlen.

Neue Trachten nötig

Auch die Vorsitzenden des Volkstrachten-Erhaltungsvereins "D´Altbairischen", Wilhelm und Christa Binner, berichten, dass der Verein keine nennenswerten Ausgaben hatte und „dementsprechend gut da steht“. Allerdings sind viele der Jugendlichen aus ihren Trachten heraus gewachsen. Daher stehen für den Verein nun immense Kosten für die Neubeschaffung an. Vergangenes Jahr hätten die Altbairischen ihr Jubiläum gefeiert – auch dieses Fest habe nicht stattfinden können.

25 Jahre lang war Josef Mages Kassier bei der „7er-Kameradschaft“, die zu besten Zeiten über 300 Mitglieder zählte. Heute sind es immer noch über 260. Die „7er“ sind in weitem Umkreis der größte Soldaten- und Kameradschaftsverein. Deshalb verzeichnet der Verein auch Einnahmen – trotz Corona und fehlender Veranstaltungen. Jedoch haben sich die Aufgaben des Schatzmeisters geändert.

Kein Schnaps mehr beim Geldeintreiben

Mages erinnert sich gerne an seine Amtszeit. "Dadurch dass der Vereinsbeitrag heutzutage per Bankeinzug erhoben wird, ist viel persönlicher Kontakt weggefallen", sagt der 79-Jährige. Viele Mitglieder erwarteten jedes Jahr ungeduldig seinen Besuch am Jahresanfang, wenn er kam, um die anfangs acht Mark Jahresbeitrag in bar zu kassieren. Als Dauerauftrag und später Bankeinzug eingeführt wurden, weigerten sich viele. „Dann kommt ja der Sepp nicht mehr zu mir!“ war die Begründung. Unzählige Kilometer sei Mages damals von Haus zu Haus gegangen. Beim Kassieren des Vereinsbeitrags kam er ins Gespräch mit den Mitglieder, es gab Kaffee, Bier oder ein Schnäpschen. Doch diese Tradition gibt es nicht mehr – die Vereinskasse wird längst kontaktlos über Bankkonten gefüllt. In der Coronazeit eine wichtige Errungenschaft für die Geldsäckel der Vereine.

Ein neuer Verein in Weiden rettet Rehkitze

Weiden in der Oberpfalz
Josef Mages, Urgestein der Weidener Soldatenkameradschaft "7er" , berichtet von seinen Erfahrungen als Kassier - lang vor der Coronapandemie.
Hintergrund:

So haben sich die Mitgliedsbeiträge der Vereine verändert

  • Schnupferclub Latsch: anfangs 6 Deutsche Mark (DM) Mitgliedsbeitrag im Jahr, später 20 Mark und seit Euro-Umstellung 10 Euro im Jahr
  • D'Altbairischen: Bei Gründung im Jahr 1920 50 Pfennig pro Monat; 1921 erhöht auf 1,50 DM; später 6 DM pro Jahr, ab 2004 dann 10 Euro. Jetzt 15 Euro.
  • 7er und Kameradschaftsbund: 25 Pfennig bei Gründung im Dezember 1989; mittlerweile 15 Euro pro Jahr

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.