21.03.2019 - 11:06 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weidens berühmtester "Rosenkrieg" geht in eine neue Runde

"Eine durchschnittliche deutsche Scheidung dauert zwei Minuten", sagte kürzlich ein Familienrichter. Ausnahmen bestätigen die Regel. Die temperamentvolle Trennung eines Paares aus Weiden beschäftigt die Justiz seit drei Jahren.

Der Garten nach der Baggeraktion.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Die jüngste Fortsetzung ging jetzt am Landgericht Amberg über die Bühne. Der "Rosenkrieg" der beiden Weidener hatte es 2016 bis ins Boulevardmagazin "InTouch" geschafft. Damals stand das gemeinsam gebaute Einfamilienhaus in einem Weidener Neubaugebiet kurz vor der Zwangsversteigerung. Um die Attraktivität zu schmälern soll die Verwüstung des Gartens in Auftrag gegeben worden sein.

Tatsächlich sah der Garten des inzwischen leer stehenden Hauses kurz nach dem Jahreswechsel 2015/2016 aus wie "nach dem Krieg". Der Boden war umgeackert. Das Spielhaus der drei gemeinsamen Kinder war umgestürzt, die Schaukel lag wie ein Riesenmikado in der (ehemaligen) Wiese. Die damals getrennt lebende Ehefrau verdächtigte den Ehemann und zeigte die Sachbeschädigung an. Bei der Polizei ging das "Duo Infernale" damals schon ein und aus: Es war die sechste wechselseitige Strafanzeige der Eheleute (nach Beleidigung, Körperverletzung und Diebstahl). Wer letztlich die Baggeraktion zu verantworten hatte, wurde nie geklärt. Das Verfahren wurde eingestellt.

Der Zoff um das Haus ging weiter. Auf Betreiben der Banken kam es zur Zwangsversteigerung, die massiv torpediert worden sein soll. Der Saal am Amtsgericht Weiden war - wie üblich bei einem solch attraktiven Objekt - mit Kaufinteressenten überfüllt. Diese seien gezielt verunsichert worden, in dem verbreitet worden sei, dass das Haus gar nicht verkauft werden könne und langfristig vermietet sei. Für etwas über 300.000 Euro ging das schicke Haus dann weg - da wäre womöglich ein besserer Preis drin gewesen. Die gemeinsamen Schulden der Geschiedenen konnten damit nicht gedeckt werden. Den Restbetrag von rund 25.000 Euro hätten sie hälftig abtragen müssen - wenn der Ex-Mann nicht Privatinsolvenz angemeldet hätte. Damit fielen alle Schulden an die Frau als Gesamtschuldnerin.

Das wollte die inzwischen wieder verheiratete 38-Jährige nicht auf sich sitzen lassen: Und genau deshalb trafen sich die Ex-Partner jetzt am Landgericht Amberg (im Bezirk Amberg liegt sein neuer Wohnsitz) wieder. Die Zivilkammer entsprach in einem Vergleich zumindest teilweise ihren Wünschen: Das Gericht stellte fest, dass die Frau sich nach abgeschlossener Insolvenz vom Ex seinen Schuldenanteil holen kann. Er fällt nicht unter die Restschuldbefreiung, weil die Forderung aus "unerlaubter Handlung" kommt (der gestörten Versteigerung).

Mit Staunen vernahm die Zivilkammer, dass der 41-Jährige noch ganz andere Pläne für seinen Anteil am Einfamilienhaus hatte: Er hatte seine "Hälfte" an einen Jordanier verkauft. Es kam sogar zu einem Notartermin mit einer Mittelsfrau des Arabers aus Niederbayern, bei dem ein notarieller Kaufvertrag über "half a house" ausgehandelt wurde. Es gibt eine Vormerkung im Grundbuch. Ob Geld geflossen ist, blieb vor Gericht unbekannt. Der Ersteigerer braucht nicht zu fürchten, dass irgendwann ein Jordanier bei ihm einzieht: Der Kauf ist der Versteigerung nachrangig.

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