(mte) "Der Sommer war überaus heiß, so, daß einige Bäume zweimal Obst trugen, das Getreide bis Ostern vollkommene Aehren hatte, und um Philippi schon Rosen blühten;- leider aber verdarb im Monat Juni darauf ein heftiger Reif und der vielgefallene Schnee alles so, daß Mangel an Lebensmitteln die Folge davon war." Und das ist nur eine der historischen Hitzewellen, die die Stadt heimgesucht haben.
Das jedenfalls zeigt das Kapitel "Die merkwürdigsten Begebenheiten vom dreizehnten Jahrhundert bis auf gegenwärtige Zeiten". "Es findet sich in einer Art Anhang zu Geschichte und Gebäude der Stadt Weiden", weiß Martin Stangl. Er hat darin geschmökert, weil seine Buchhandlung "Stangl & Taubald" anlässlich des 150. Geburtstags einen Neudruck des Sintzel-Werks von 1819 in Auftrag gegeben hat. Das Original befindet sich im Stadtarchiv Weiden.
Dürre und Bettelstab
Zum Jahr 1590etwa steht da geschrieben: "Ein zu heißer Sommer verursachte allgemeinen Wassermangel." 72 Jahre später klingen die Aufzeichnungen noch dramatischer: "1662. Durch lange und grosse Dürre ist eine solche Getreidetheurung entstanden, daß der größte Theil der vom Gelde entblößten Bürgerschaft den Bettelstab ergreifen musste." Vom zu lange ausbleibenden Regen ist auch 100 Jahre später zu lesen: "1762. War eine solche Dürre, daß es vom Monate May bis Juni gar nicht regnete, welches eine außerordentliche Theurung nach sich zog."
Klimawandel außer Zweifel
"Damit kein Missverständnis entsteht", betont Buchhändler Stangl. Der menschengemachte Klimawandel stünde für ihn außer Zweifel. Historische Wetterextreme aber weckten Aufmerksamkeit. Vor allem, wenn sie so konträr ausfallen, so wie 1811: "Der Sommer war überaus heiß." Nur fünf Jahre später, 1816, steht geschrieben: "Häufige Donnerwetter mit gewaltigen Regengüssen und Hagel, so wie überhaupt das den ganzen Sommer hindurch anhaltende Regenwetter verdarben in diesem Jahr alle Feldfrüchte, die anfangs die reichlichste Erndte versprachen, so, daß eine allgemeine Theurung vorauszusehen war."
Interessant ist an dieser Stelle auch eine völlig wetterunabhängige Passage: "In der Umgegend ließ sich auch ein Wolf blicken."
Wetterkapriolen schlägt Weiden nicht nur im Sommer, weiß Autor Joseph Sintzel bereits 1819. Hier folgt ein Auszug zu den Kälteschocks, die die Weidener in über drei Jahrhunderten durchlebt haben:
- 1512. Der Winter war äußerst strenge. Mehrere Menschen sollen im Schnee ihr Leben verloren haben.
- 1571. Der Winter war so strenge und kalt, daß viele Reisende auf der Strasse den Tod fanden.
- 1702. Dieses Jahr hatte gar keinen Winter.
- 1703. Im Januar war es sehr strenge kalt.
- 1709. War einer der kältesten Winter.
- 1739. Ein sehr strenger Winter dauerte bis zum Anfange des Monats May.
- 1775. War ein so strenger Winter, daß dadurch viele Obstbäume erfroren, ja sogar mehrere Menschen und Thiere zu Grunde giengen.
In kürzester Zeit große Wetterkontraste erlebten die Weidener auch zwischen 1784 und 1788. Hierzu steht in der Chronik:
- 1784 und 1785. Waren sehr strenge Winter. Sehr viele Obstbäume erfroren, und vor Mitte des Monats April kam kein Pflug in die Erde.
- 1787 und 1788. Der Winter war in beiden Jahren so gelinde, daß im Jänner die Bäume aufbrachen, die Weiden und Birken roth wurden, und die Finken schlugen.














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