29.10.2021 - 12:02 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weidnerin radelt an der Elbe von Cuxhaven nach Dresden

Den Elberadweg von Cuxhaven bis nach Dresden abzuradeln, ist eine schöne Herausforderung. Die Weidnerin Susanne Hiller hat die 702 Kilometer innerhalb einer Woche geschafft. Sie sprach mit Oberpfalz-Medien über ihre Reiseeindrücke.

Ankunft in Dresden: Susanne Hiller hat die 700 Kilometer des Elberadwegs von Cuxhafen bis nach Dresden geschafft.
von Christine Walbert Kontakt Profil

Die 56-jährige gebürtige Stiftländerin Susanne Hiller ist schon seit jeher eine begeisterte Radfahrerin. In der ersten Oktoberwoche machte sie sich mit ihrem acht Jahre alten Trekkingrad per Zug auf den Weg nach Cuxhaven. Von dort aus startete sie ihre Tour auf dem rund 1300 Kilometer langen Elberadweg. Immer stromaufwärts war ihr Ziel das 700 Kilometer entfernte Dresden. Am Ende der anstrengenden, aber wunderschönen Woche kann sie bestätigen, was in vielen Radreiseführern angepriesen wird: "Der Elberadweg ist wohl einer der schönsten Radweg Deutschlands."

Eine Woche Urlaub sollte reichen, um die geplante Strecke abzuradeln. Allerdings musste die Oberpfalz-Medien-Mitarbeiterin dann täglich 100 Kilometer absolvieren. Eine sportliche Aufgabe, die die 56-Jährige mit guter Planung und Durchhaltevermögen ausgezeichnet meisterte. Zur Ausrüstung zählten zwei Satteltaschen, eine Lenkertasche und ein Rucksack, in denen sie "wirklich nur das Nötigste" eingepackt hatte. Susanne Hiller hatte sich vorgenommen, täglich gegen 8 Uhr loszufahren und um 17 Uhr das nächste Etappenziel erreicht zu haben. In den Mittagspausen - mit rund 60 Kilometern in den Beinen - buchte sie per Telefon die abendlichen Unterkünfte in Jugendherbergen, Pensionen oder auf Campingplätzen. Mehr als 50 Euro wollte die Oberpfälzerin für die Übernachtung mit Frühstück nicht ausgeben.

Etappe 1

Nach der Anreise mit dem Zug ging es am nächsten Morgen in Cuxhaven bei mildem Wetter los in Richtung Hamburg. Sie musste genau planen, für welche Sehenswürdigkeiten sie die Route verlassen und vom Rad tatsächlich absteigen wollte. "Bei 100 Kilometern am Tag bleibt da ja nicht viel Zeit dafür", meint sie und lacht dazu. Ganz oben auf der Liste stand die Elbphilharmonie. "Die wollte ich mir unbedingt ansehen. Und das hat sich auch voll gelohnt. Ich war total fasziniert vom herrlichen Blick auf den Hafen", schwärmt Susanne Hiller. In Hamburg nächtigte sie auf der Reeperbahn in St. Pauli, "weil es einfach nahe am Radweg lag".

Etappe 2

Die zweite Etappe führte bei vielen Steigungen auf endlos langen Deichdämmen durch die Elbauen bis kurz vor Hitzacker. Mehrere Male wechselte sie per Fähre die Seite: "Bei manchen Streckenabschnitten war es auf der anderen Seite der Elbe einfach schöner." Die Benutzung der Fähre empfand sie sehr unproblematisch. "Das wartet man höchstens mal zehn Minuten bis die nächste kommt."

Etappe 3

Von ausgesprochenem Glück spricht sie, dass sie es in der ganzen Woche nur mit einem Regentag zu tun bekam: "Also, wären das zwei oder drei Tage gewesen, dann hätte ich abgebrochen." Die schönste Landschaft könne man nicht genießen, wenn man stundenlang mit Poncho durch die Gegend radeln muss. Bei Dauerregen und Wind führte die dritte Etappe über Gorleben bis nach Wittenberge, die Stadt der Nähmaschinen.

Etappe 4

Hier ging es über Rühstädt, das storchenreichste Dorf Deutschlands weiter in die Hansestadt Havelberg in Sachsen-Anhalt. "Leider waren die Störche schon weg", meint Susanne Hiller mit einem Lächeln. Die Strecke führt an der Geburtsstätte Otto von Bismarcks, Schönhausen, vorbei. Einige Kilometer weiter folgte auf der gegenüberliegenden Seite die Kaiserstadt Tangermünde. Unmittelbar danach liegt direkt am Radweg die schöne Klosteranlage Jerichow im gleichnamigen Ort. Immer im Blick hatte die Oberpfälzerin ihren Tacho: "18 bis 20 Kilometer pro Stunde bin ich meistens gefahren." Die nächste Unterkunft erreichte Susanne Hiller dann in Bittkau, wo sie auf einem Campingplatz in einem Schlafwagen übernachtete. Ein älteres Ehepaar machte ihr dort das Angebot, am nächsten Tag bei ihnen in Steutz, direkt am Radweg gelegen, zu übernachten.

Etappe 5

Um aber bis nach Steutz (kurz vor Dessau) zu gelangen, musste die 56-Jährige ihren Tagesschnitt bei diesem Streckenabschnitt mächtig erhöhen. Unglaubliche 123 Kilometer hat sie abgespult, um das Angebot der neuen Bekannten annehmen zu können. Am Wasserstraßenkreuz mit Schleuse Hohenwarthe blieb sie nur kurz für ein Erinnerungsfoto (mit Rahmen) stehen, um gleich Richtung Magdeburg weiter zu radeln, wo direkt am Elberadweg der Jahrtausendturm grüßt. "An dem Tag war ich dann schon sehr froh, als ich angekommen bin", gibt die ehrgeizige Radlerin zu.

Etappe 6

Die Strecke führte direkt durch die Bauhaus-Stadt Dessau - ein Highlight auf der Radreise der Weidnerin. Nur 35 Kilometer weiter wartete die Luther-Stadt Wittenberg, wo Susanne Hiller einen längeren Aufenthalt eingeplant hatte. Schließlich hatte sie ihrer Tour das Motto "Auf den Spuren Luthers und Karl Mays" verliehen. "Wittenberg ist eine ganz wunderbare Stadt mit vielen Menschen und Geschäften." Natürlich habe sie sich das Lutherhaus und die Schlosskirche samt Luthers 95 Thesen begutachtet. Nach dem geschichtsträchtigen Wittenberg verläuft der Elberadweg einseitig weiter bis nach Pretsch. "Mein Tagesziel war dann die wunderschöne Stadt Torgau mit dem Renaissanceschloss Hartenfels."

Etappe 7

Etwas kritisch wurde es dann auf der letzten Etappe. "Auf dieser Strecke ist der Radweg teilweise sehr schlecht zu befahren, weil sehr viel Altsteinpflaster vorhanden ist", erzählt sie. Hin und wieder habe sie ihren Drahtesel sogar schieben müssen. Trotzdem sei der Abschnitt bis nach Meißen besonders schön, weil er durch die Sächsische Weinstraße führt. Kurz vor Meißen sieht man die Albrechtsburg, Deutschlands ältestes Schloss. Danach ging es weiter nach Radebeul zum Ost-Friedhof, wo Susanne Hiller der Grabstätte von Karl und Klara May einen Besuch abstattete. "In der Dämmerung kam ich dann in Dresden an der Frauenkirche an - nach sieben Tagen und 702 Kilometer." Die Oberpfälzerin erreichte gerade noch so ihren Zug Richtung Heimat.

All die tollen Eindrücke von den wunderschönen Landschaften, die die 56-Jährige während ihrer ersten großen Tour auf einem Radfernweg sammeln durfte, werden ihr noch lange in Erinnerung bleiben. "Bis auf den einen Regentag lief auch alles wunderbar. Mir ist kein einziges Mal die Kette rausgesprungen, ich musste nicht mal meine Reifen aufpumpen", schwärmt die Radlerin. Im nächsten Jahr wird die 56-Jährige die Reststrecke des Elberadwegs von Dresden bis zur Spindlermühle in Tschechien bestreiten. Für die rund 500 Kilometer wird sie wieder eine Woche einplanen. "Aber 100 Kilometer am Tag sind schon sportlich", gibt sie zu. Soll auf der Elberadweg-Tour nicht nur das Radfahren im Vordergrund stehen, sondern auch Kultur und Sightseeing, dann empfiehlt sie, Tagesetappen mit 40 bis 50 Kilometern zu wählen. So bleibe immer noch genügend Zeit zum Atmen und vor allem die Gegend zu erkunden und die aufregenden Städte am beliebtesten Radfernweg Deutschlands kennenzulernen.

Mit dem Rad durch die Oberpfalz

Oberpfalz
Hintergrund:

Der Elberadweg von Cuxhaven bis Spindlermühle

  • Der Elberadweg beginnt bei Špindlerův Mlýn (Spindlermühle) im Riesengebirge im Norden Tschechiens und endet nach 1280 Kilometern in Cuxhaven an der Elbemündung in die Nordsee. 840 Kilometer verlaufen auf deutschem Gebiet.
  • Der Routenverlauf in Deutschland entspricht der D-Route 10. Der Elberadweg führt durch die Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Hamburg.
  • Der Elberadweg ist überwiegend zum Elberad- und Wanderweg ausgebaut. Er wird sowohl von Radfahrern als auch von Fußgängern genutzt.
  • Im Jahr 2017 wurde er bereits zum 13. Mal in Folge von Mitgliedern des ADFC zum beliebtesten Radfernweg Deutschlands gewählt.

"Bis auf den einen Regentag lief auch alles wunderbar. Mir ist kein einziges Mal die Kette rausgesprungen, ich musste nicht mal meine Reifen aufpumpen"

Susanne Hiller

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